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Mutter von sechs Kindern in Kreuzberg ermordet: Ehemann enthauptet seine Frau

Polizisten verstreuen auf dem Boden Bindemittel, das das Blut aufsaugt.

Polizisten verstreuen auf dem Boden Bindemittel, das das Blut aufsaugt.

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Steffen Tzscheuschner

Berlin -

Über Orhan S. sagen die Nachbarn unterschiedliche Dinge: Er sei zurückhaltend und habe stets freundlich gegrüßt, erzählen die einen. Er habe schon immer unheimlich gewirkt, und es musste ja irgendwann so kommen, sagen die anderen. Und ja – immer wieder habe er seine Frau verprügelt. Am frühen Montagmorgen stritt er sich wieder mit ihr. Dann enthauptete er sie.
Gegen 1.15 Uhr wurden in der Wohnanlage an der Köthener Straße mehrere Nachbarn auf den Lärm aufmerksam und traten an die Fenster. Sie sahen, wie der 32-jährige Orhan S. auf der Dachterrasse im 5. Obergeschoss auf seine zwei Jahre jüngere Frau Semanur einschlug. Dann habe er zwei Messer gewetzt, berichten mehrere Nachbarn übereinstimmend. Als die Frau reglos am Boden lag, beugte er sich über sie und rief „Allahu Akbar Sheytan“ (Gott ist groß, du Teufel). Dann schnitt er ihre den Kopf ab und warf ihn in den Innenhof. Nachbarn sprechen von weiteren Leichenteilen, die Orhan S. in den Hof warf, darunter die linke Brust der Frau.

Das Opfer, das schwanger war, hatte mit Orhan bereits sechs Kinder. Die vier Söhne im Alter von 13, 11, 9, und elf Monaten sowie die zwei Töchter im Alter von 5 und 2 waren zur Tatzeit in der Wohnung.
Ob sie die Tat direkt mit ansehen mussten, darüber machen Nachbarn widersprüchliche Angaben. Einige reden davon, dass die Kinder daneben gestanden hätten. Ein anderer sagt, die Frau habe, als der Streit ausbrach, die Kinder in einem Zimmer eingeschlossen, um sie in Sicherheit zu bringen. Denn ihr Mann soll gedroht haben, den ältesten Sohn umzubringen. Allerdings soll das Fenster des Zimmers zur Dachterrasse zeigen, so dass die Kinder möglicherweise Augenzeugen der Tat wurden.

Täter ging auf Beamte los

Während der Mann auf die Frau einstach, hatten mehrere Nachbarn bereits die Polizei alarmiert. „Ich habe zu ihm rüber geschrien, dass ich die Polizei hole, weil ich hoffte, er kriegt Angst“, erinnert sich die 21-jährige Rana S. „Aber da hat er schon die zwei Messer geholt und geschärft und die Frau regte sich nicht mehr. Er hat sie regelrecht geschlachtet.“

Die Polizei, die ursprünglich auf das Stichwort „häusliche Gewalt“ alarmiert wurde, war schnell vor Ort und drang in die Wohnung ein. Sofort ging Orhan S. auch auf die Beamten los. Sie konnten ihn aber überwältigen und festnehmen. Eine Polizistin, die den Anblick sah, brach in Tränen aus, ihr Kollege musste sich übergeben. Der Täter hatte die Frau nicht nur geköpft und ihr die Brust abgeschnitten, sondern er hatte ihr auch die Füße abgetrennt.
„Er hat ’Gott ist groß’ gerufen, aber mit Islam hat das nichts zu tun“, sagt Moeiad J. , der ebenfalls die Polizei rief. „So eine Tat kann nur ein Verrückter begehen. Und auch Nachbar Walid K., der aus der Ferne nichts ausrichten konnte, als ebenfalls 110 zu wählen, sagt: „Er hat sie wie ein Schaf geschlachtet.“

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Hintergrund des Verbrechens ist ein seit längerem andauernder Streit zwischen dem Ehepaar. Orhan S. war fremd gegangen. Mit einer Iranerin hat er ebenfalls zwei Söhne. Vor kurzem sei er zu seiner Frau zurückgekehrt, berichten Nachbarn. „Unsere Kinder waren immer mit den Kindern der beiden zusammen“, sagt Nachbarin Mariam K. fassungslos. Sie war auch mit Semanur S. befreundet. „Für heute hatte sich mein Sohn mit einem der Jungen verabredet, weil sie zusammen mit der Schulklasse auf Fahrt gehen wollten. Erst gestern war Semanur bei uns. Sie hatte gerade ihren Mann rausgeschmissen. Am Abend ist er dann wieder gekommen.“ Schon vorher sei er gegenüber seiner Frau immer wieder gewalttätig gewesen, sagen die meisten Nachbarn, die immer wieder Zeugen geworden waren, wie Orhan S. seine Frau verprügelt habe. Er soll Drogen genommen haben und regelmäßig auch Psychopharmaka.

Kinder werden betreut

Die Familie war dem zuständigen Jugendamt des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg bislang nicht aufgefallen. Semanur S. soll eine gute Mutter gewesen sein, die lieber gebrauchte Kleidung trug, um das Geld für die Kinder aufzusparen. So wie sie stammt auch Orhan S. aus der kurdischen Provinz Agri im Osten der Türkei. In Berlin verdingte er sich in den vergangenen Jahren als Selbstständiger auf dem Bau. Sein Strafregister ist sauber.
Aus der Türkei ließ er sich seine Frau Semanur kommen, die mit ihm indirekt verwandt sein soll. Nicht von einer Zwangsheirat sondern von einer „arrangierten“ Heirat spricht einer seiner Schwager. Schon vor einiger Zeit soll er seiner Frau gedroht haben, ihr den Kopf abzuschneiden, wenn sie nicht gehorsam sei. Dass Semanur die ständigen Schläge nun satt hatte und sich von ihm trennen wollte, bedeutete für sie das Todesurteil.
Orhan S. soll am Dienstag einem Richter zum Erlass eines Haftbefehls vorgeführt werden. Die Kinder wurden dem Kindernotdienst übergeben. Über ihren weiteren Verbleib muss jetzt das Jugendamt entscheiden.
„Die Kinder müssen jetzt ersteinmal zur Ruhe kommen“, sagte Familienstadträtin Monika Herrmann (Grüne). „Unsere Psychologen arbeiten bereits mit ihnen.“ Parallel werde geschaut, ob die Kinder bei Familienmitgliedern untergebracht werden könnten.

Während die Polizisten, die die Leiche fanden, psychologisch betreut werden, kümmerte sich um die schockierten Anwohner, die die Tat mit ansehen mussten, am Montag kein Seelsorger irgendeiner Behörde. Am Nachmittag bot ihnen dann der Türkische Bund psychologische Hilfe an.

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