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Myfest in Berlin: Bloß nicht Helene Fischer am Oranienplatz

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Bunt wie Kreuzberg. 250.000 Menschen besuchten im vergangenen Jahr das Myfest. Das war Rekord.

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dpa/Kay Nietfeld

Berlin -

Der Erfolg, sagt Udo Flütter, sei zur Last geworden. Der Mitinhaber des Plattenladen Core Tex an der Oranienstraße gehört zu jenen, die seit 2003 das Myfest mit organisieren. Jenes Anwohnerfest rund um Oranienstraße und Kottbusser Tor am 1. Mai, das wesentlich zur Befriedung im Kreuzberger Kiez beigetragen hat, der zuvor an diesem Tag vor allem durch Krawalle bekannt war.

Dass beim Myfest zuletzt nicht mehr viel übrig war vom ursprünglichen Ansatz, den Feiertag mit kulturellen und politischen Inhalten zu besetzen, habe man erkannt. „Das Myfest ist eine politische Veranstaltung, aber das müssen wir wieder deutlicher machen“, sagt Flütter. So sollten auf den Bühnen wieder mehr politische Debatten stattfinden, Stoff gebe es genug: Gentrifizierung, Mietsteigerungen, Flüchtlingspolitik.

Doch ob es am 1. Mai in Kreuzberg zu solche Debatten kommen wird, ist offen. Denn im vorigen Jahr waren viel zu viele Menschen im Kiez unterwegs, es gab nicht genügend Sicherheitsvorkehrungen. Anwohner kamen nicht in ihre Häuser, Gäste urinierten in Eingänge. Nach einer Anzeige sprach die Polizei dem Fest den politischen Charakter ab. Seither ist unklar, ob es das Fest überhaupt noch geben wird.

Für ein gewöhnliches Straßenfest, die Alternative für eine politische Veranstaltung, will das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg nicht Veranstalter sein. Es müsste dann alles, vom Sicherheitsdienst bis zur Müllentsorgung, selbst bezahlen. Das Bezirksamt sieht sich dazu nicht in der Lage. Es schrieb im Januar einen Brief an Innensenator Frank Henkel (CDU) und schlug einen Profi als Veranstalter vor: Willy Kausch, der durch Fußball-Fanmeilen und Silvester-Partys am Brandenburger bekannt wurde.

Am heutigen Dienstag wollen sich Kausch, Bezirksamt und Anwohner-Vertreter erstmals treffen. „Es ist ein Sondierungsgespräch“, sagt Bürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne) und nimmt gleich die Brisanz aus dem Termin. Denn Kausch ist in der Myfest-Crew der Anwohner umstritten. „Fressbuden, Bierwerbung und Helene Fischer unterm Riesenrad am Oranienplatz wären für uns alle ein Gräuel“, sagt Soner Ipekcioglu, einer der Anwohner-Vertreter. Kommerz wird in Kreuzberg strikt abgelehnt. Sollte Kommerz einziehen, sieht Ipekcioglu die Glaubwürdigkeit der linken Szene gefährdet.

Bedingungen für Kausch

Eine Zustimmung zu Kausch als Veranstalter wird von Bedingungen abhängig gemacht: Für die Versorgung der Gäste sollen wie bisher die Anwohner zuständig sein, die Gegrilltes und Gebackenes an kostenfreien Ständen anbieten. Auch das Bühnenprogramm soll wie bisher von Anwohnern gestemmt werden. Herrmann sichert den Anwohnern hierbei Unterstützung zu.

Doch wie soll ein Privatveranstalter ein Fest finanzieren? „Der Vorteil von Kausch ist, dass das Land an seinem Unternehmen beteiligt ist“, sagt Herrmann. Kauschs Event-Firma K.I.T. ist eine Tochter der Messe Berlin. Herrmann hofft, dass der Senat Geld zuschießt. Kausch und die Innenbehörde wollten sich am Montag nicht äußern.