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Nach dem Fall Lisa aus Marzahn suchen rechte Russlanddeutsche die Nähe zur AfD

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350 Menschen, darunter überwiegend Deutschrussen, demonstrieren im Januar gegen das angebliche Verschweigen eines Missbrauchsfalles durch die Polizei.

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imago/Olaf Wagner

Seine politische Kampagne um die angebliche Vergewaltigung der 13-jährigen Lisa in Marzahn ist gescheitert, doch der rechtslastige „Konvent der Russlanddeutschen“ zeigt sich davon völlig unbeeindruckt. Der Vorsitzende Heinrich Grout versucht inzwischen, seinen Verein und die Russlanddeutschen insgesamt der rechtspopulistischen Alternative für Deutschland (AfD) als Unterstützer bei Wahlen anzudienen. Einen entsprechenden Aufruf dazu lancierte Grout, der 2001 eingewandert ist, kürzlich während eines Treffens von rechten Aktivisten der Russlanddeutschen in Berlin.

Langfristig strebt Grout an, auf AfD-Listen in Parlamente einzuziehen, geht aus einem Redetext Grouts hervor, der im Internet verbreitet wird. „Das Auftreten von Gruppen der Russlanddeutschen als Teil von Fraktionen parlamentarischer Parteien in Deutschland eröffnet völlig neue Möglichkeiten für die Verteidigung der wichtigsten gemeinsamen Interessen der Übersiedler“, heißt es in dem russischsprachigen Text weiter.

Das rechte Potential unter neuem Dach vereinen

Die AfD sei die einzige parteipolitische Kraft, die heute „näher als alle anderen am deutschen Volk ist und gleichzeitig ein nennenswertes Gewicht (rund 10 Prozent) in den parlamentarischen Strukturen Deutschlands besitzt“, argumentiert Grout. Der Landsmannschaft der Wolgadeutschen im Bund der Vertriebenen wird gleich zu Beginn der Einlassungen Versagen vorgeworfen. Sie sei „nicht auf der Seite des Volkes“, heißt es. Deshalb müsse sich ein neuer Verband auf die AfD orientieren und eine Zusammenarbeit anstreben. Ein solches Bündnis hält Grout offenbar schon vor den nächsten Bundestags- und Europawahlen für erstrebenswert.

Um für die rechtspopulistische Partei attraktiv zu werden, will Grout das rechte Potenzial unter den Aussiedlern aus allen Staaten der ehemaligen Sowjetunion unter einem neuen Dach vereinen. Gemeinsame Basis dieser Gruppen mit der AfD sei der Protest gegen die „verantwortungslose, selbstmörderische Migrationspolitik der deutschen Behörden“.

In die deutschen Gehirne, so Grout, sei „vom amerikanischen Okkupationsregime“ eine Verlierermentalität programmiert worden. Deshalb würden sie „dem Selbstbewusstsein der muslimischen Welt“ nicht widerstehen können. Die ungebremste Einwanderung, so Grout weiter, könne dazu führen, dass es bis 2050 eine muslimische Mehrheit in Deutschland gebe, stelle man die Folgen von Familienzusammenführung und hoher Geburtenrate in Rechnung.

Grouts „Konvent der Russlanddeutschen“ hatte im Januar eine Protestdemonstration vor dem Kanzleramt organisiert, weil die deutschen Behörden angeblich eine Vergewaltigung eines russlanddeutschen Mädchens aus Marzahn vertuschen wollten. Die Staatsanwaltschaft Berlin ermittelt in dem Fall wegen sexuellen Missbrauchs einer Minderjährigen. Nach diesen Erkenntnissen der Ermittlungsbehörden war die Betroffene aber mutmaßlich wegen schulischer Probleme von zu Hause weggelaufen und nicht entführt worden.