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Nachnutzung des Tegeler Airports: Planer wollen Forschungs- und Industriepark

Zukunftsvision: Im Entwurf der Architekten Gerkan, Marg und Partner wird das Gelände rund um den Terminal des Flughafens Tegel zum grünen Campus der Beuth Hochschule. Mitten drin liegen Wasserflächen. In den großen, hier nur stilisiert dargestellten Gebäudeblöcken um den Terminal herum sollen sich Industrie und Gewerbe ansiedeln. Die südliche Start- und Landebahn wird teilweise überbaut, die nördliche bleibt frei. Sie soll für Spiel und Sport genutzt werden.

Zukunftsvision: Im Entwurf der Architekten Gerkan, Marg und Partner wird das Gelände rund um den Terminal des Flughafens Tegel zum grünen Campus der Beuth Hochschule. Mitten drin liegen Wasserflächen. In den großen, hier nur stilisiert dargestellten Gebäudeblöcken um den Terminal herum sollen sich Industrie und Gewerbe ansiedeln. Die südliche Start- und Landebahn wird teilweise überbaut, die nördliche bleibt frei. Sie soll für Spiel und Sport genutzt werden.

Foto:

GRAFT Gesellschaft von Architekten mbH

Berlin -

Derzeit starten und landen auf dem Tegeler Flughafen noch die Jets. Doch wenn der neue Großflughafen BER in Schönefeld eröffnet, ist es damit vorbei. Ein halbes Jahr danach wird Tegel geschlossen – und für das riesige Airportgelände beginnt eine neue Zukunft.

Nach den Plänen des Senats soll das 495 Hektar große Areal in einen Forschungs- und Industriepark für die Stadt der Zukunft umgewandelt werden. „Urban Tech Republic“, so nennen die Planer das Projekt.

Erster neuer Nutzer soll die Beuth Hochschule für Technik werden. Sie soll in den sechseckigen Terminal einziehen. Als zweiter Interessent ist jetzt die Feuerwehr im Gespräch. Sie möchte mit ihrer Berliner Feuerwehr- und Rettungsdienst-Akademie, die zurzeit noch in Schulzendorf residiert, nach Tegel wechseln. „Unser Ziel ist, so schnell wie möglich umzuziehen“, sagt der Leitende Branddirektor Harald Herweg. Die Tegel Projekt GmbH, die die Umgestaltung des Flughafens zum Forschungs- und Industriepark managen soll, unterstützt die Pläne. „Die Feuerwehr passt sehr gut nach Tegel. Sie ist ein idealer Partner, um beispielsweise Ideen für einen verbesserten Brand- und Katastrophenschutz zu entwickeln, insbesondere auch zusammen mit der Beuth Hochschule“, sagt Philipp Bouteiller, Geschäftsführer der Tegel Projekt GmbH.

Zwar ist noch unklar, wann der Flughafen BER eröffnet und damit die Arbeiten für den Forschungs- und Industriepark in Tegel beginnen, doch Bouteiller hat schon konkrete Erwartungen. „2017 rechnen wir mit dem Baubeginn“, sagt er.

Dächer werden zu Gärten

Im Forschungs- und Industriepark in Tegel sollen unter anderem Wege für die Energiewende, neue Recycling-Konzepte und Ideen für die Mobilität der Zukunft erdacht und getestet werden. „Von der Idee bis zur Massenfertigung ist alles möglich“, sagt Bouteiller. Neben ihm arbeiten zwölf Beschäftigte am Zukunftsplan für den Flughafen.

Erste Entwürfe zeigen, wie das Areal später aussehen könnte. Schreibtische stehen dort, wo heute noch Passagiere aufs Einchecken warten, Flugzeughallen werden zu Werkshallen, graue Dächer zu blühenden Gärten. Zwar sind es nur erste Ideen der Architekturbüros Graft sowie Gerkan, Marg und Partner, doch sie zeigen, was in Tegel möglich ist. Was genau entstehen wird, soll später in Realisierungswettbewerben entschieden werden.

„Die erfolgreichen Technologieparks haben alle einen wissenschaftlichen Kern“, sagt Bouteiller. Denn Industrie und Wirtschaft sind gerne dort, wo junge Talente sind. Deswegen soll die Beuth Hochschule auch nach Tegel gehen. Auf den Flächen um den Terminal herum sollen sich Unternehmen der Zukunftstechnologien ansiedeln – zum Beispiel Firmen, die die Windenergie nutzen. „Es ist eine Super-Idee, wir versprechen uns sehr viel davon“, sagt Hans W. Gerber, Vizepräsident der Beuth Hochschule.

Ziel von Tegel Projekt ist, dass sich auf dem Tegeler Airport innerhalb von 20 Jahren nach Einstellung des Flugbetriebs rund 800 Unternehmen, Institute und Forschungseinrichtungen ansiedeln, sagt Bouteiller. Sie sollen 15.000 Arbeitsplätze dorthin bringen, 5 000 Studienplätze anbieten und jedes Jahr rund zwei Milliarden Euro Umsatz machen. Wie so etwas funktioniert, zeigt der Technologiepark in Adlershof. Rund um 16 naturwissenschaftliche Institute hat sich dort ein Stadtteil mit gut 1000 Unternehmen und wissenschaftlichen Einrichtungen entwickelt, in dem 15.450 Menschen tätig sind.

Löschübungen geplant

Die Feuerwehr will mit ihrer Ausbildungs-Akademie nach Tegel ziehen, weil ihr jetziger Standort in einer ehemaligen Luftwaffenkaserne denkbar ungeeignet ist. Er befindet sich mitten in einem Wohn- und Naherholungsgebiet. In Tegel würde die Feuerwehr gerne zwei Hangars und weitere Nebengebäude übernehmen, sagt Branddirektor Herweg. Dort sind auch Löschübungen geplant. Tegel-Projekt-Chef Bouteiller kann sich vorstellen, dass die Hangars nicht nur für die Feuerwehr, sondern zugleich auch für Messen und Kongresse genutzt werden. Zurzeit werde geprüft, wie viel Fläche die Feuerwehr benötige, sagt er. Vorteil der Feuerwehr-Ansiedlung: Nach Einstellung des Flugbetriebs zieht die Flughafenfeuerwehr ab. Durch den Zuzug der Feuerwehr- und Rettungsdienst-Akademie wären wieder Löschfahrzeuge für den Ernstfall vor Ort.

Das größte Problem für Tegel ist zurzeit die Ungewissheit. Weil unklar ist, wann der neue Flughafen öffnet, ist offen, wann die Zukunft in Tegel beginnt. Verträge für eine Nachnutzung können nicht unterzeichnet werden. Immerhin gibt es Interessenten. „Wir führen Gespräche“, sagt Bouteiller.

Während die Bürger die Pläne für die Randbebauung des Tempelhofer Feldes abgelehnt haben, rechnet die Tegel Projekt GmbH nicht mit Widerstand. Es gebe einen „breiten Konsens“ für die bisherige Planung, sagt Bouteiller. Gut möglich, dass Tegel aber nach dem Volksentscheid gegen die Randbebauung des Tempelhofer Feldes mehr Wohnungen aufnehmen muss als bisher geplant waren. Eigentlich sollten 1000 Wohnungen in Tegel entstehen. Mittlerweile ist der Airport als Standort für das Olympische Dorf mit mehreren tausend Wohnungen im Gespräch, falls sich Berlin um Olympia 2024 oder 2028 bewirbt. Bouteiller zeigt sich offen für solche Wünsche. „Wenn der Wille in der Stadt da ist, muss man prüfen, ob es möglich ist“, sagt er.