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Nachnutzung: Landesbibliothek könnte ins ICC ziehen

Eine Leselandschaft mit Terrassen im futuristischen Raumschiff – so stellen sich Architekten den ICC-Umbau vor.

Eine Leselandschaft mit Terrassen im futuristischen Raumschiff – so stellen sich Architekten den ICC-Umbau vor.

Berlin -

Einen gewissen Charme kann man der Idee nicht absprechen: Statt einen Neubau für die Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) auf dem Tempelhofer Feld zu errichten, könnte sie im Internationalen Congress Centrum (ICC) am Messedamm untergebracht werden. Dass derartige Überlegungen kein Hirngespinst sein müssen, hat das Büro KSP Jürgen Engel Architekten mit einer jetzt veröffentlichten Projektstudie nachzuweisen versucht.

Demnach biete der Komplex mit seinen enormen Abmessungen von 313 Meter Länge und 89 Meter Breite auf rund 85.000 Quadratmetern Fläche genug Raum für die Bibliothek, heißt es in dem Konzept.

„Warum sollte man an anderer Stelle ein Gebäude neu errichten, wenn man bereits auf ein Bestandsgebäude zurückgreifen kann, das in seiner Grundstruktur so flexibel ist, dass es sich für eine Umnutzung zum Sitz der Zentralbibliothek eignet“, sagt Architekt Jürgen Engel. Er sieht die Chance, das ICC durch eine kulturelle Nutzung neu zu beleben. Engel kennt das 1979 eröffnete Messehaus gut, vor vier Jahren hat er dafür ein Sanierungsgutachten erstellt.

CDU weicht vom Koalitionsvertrag ab

Der Umbau sieht im Kern vor, anstelle der großen Konferenzsäle einen öffentlichen Raum zu schaffen, der als Arbeits- und Aufenthaltsbereich dienen soll. Zugleich planen die Architekten eine Leselandschaft, die terrassenförmig angelegt werden kann. 4000 Leseplätze sind vorgesehen. Das Parkhaus könnte als Magazin dienen, der Eingang erhält eine Freitreppe.

Die CDU befürwortet diese Umnutzung des ICC. Zumal die Messe Berlin das ICC für ihren Kongressbetrieb für verzichtbar hält. An Stelle der Deutschlandhalle wird derzeit eine neue Messehalle gebaut, die während der Sanierung des ICC als Kongressgebäude genutzt werden soll. Wie CDU-Finanzexperte Christian Goiny sagt, werde mit der Studie erstmalig dargestellt, „wie eine Umnutzung des ICC zum neuen Sitz der Zentral- und Landesbibliothek aussehen könnte“.

Die CDU weicht damit von ihrem Kurs ab, zu dem sie sich im Koalitionsvertrag verpflichtet hat. Darin ist die ICC-Sanierung festgeschrieben. Und ebenso, dass das Haus anschließend weiter als zentrales Kongresszentrum genutzt wird. Erst Ende September hat Rot-Schwarz beschlossen, das marode ICC für 200 Millionen Euro zu sanieren. Senatsberechnungen gehen aber von Kosten in Höhe von 330 Millionen Euro aus. Daher soll die Wirtschaftsverwaltung nun ein Konzept unter möglicher Beteiligung von privaten Investoren erarbeiten.

Alternative Tempelhofer Feld

Skeptisch äußerte man sich am Mittwoch im Senat zu der Architekten-Idee. „Die Räumlichkeiten im ICC sind für die ZLB nicht geeignet“, sagt Günter Kolodziej, Sprecher der Kulturverwaltung.

Die ZLB auf dem Tempelhofer Feld zu errichten, sei dagegen eine „sehr attraktive Vorstellung“. Für diese Planung sieht der Senat 270 Millionen Euro vor. So will er auch den Standort Tempelhof aufwerten, der für Besucher besser zu erreichen ist als das ICC.

Zudem verfüge Tempelhof im Gegensatz zum ICC über eine hohe Aufenthaltsqualität. Angaben zu den Umbaukosten machen die Architekten nicht. Sie sollen unter den Kosten liegen, die für ICC-Sanierung und ZLB-Neubau vorgesehen seien. Wie Alexander Lohausen, Chef des Berliner KSP-Büros, sagt, wolle man mit dem konkreten Lösungsvorschlag „die öffentliche Diskussion über die Weiternutzung des ICC eröffnen“.