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Berliner Zeitung | Nacht der Straßen-Astronomie: Den Himmel über Berlin entdecken
08. August 2014
http://www.berliner-zeitung.de/1546456
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Nacht der Straßen-Astronomie: Den Himmel über Berlin entdecken

Den Himmel über Berlin entdecken: Das können Besucher bei der Nacht der Straßen-Astronomie am Samstag. Wenn sie Glück haben, sehen sie einen Sternenhimmel wie hier über der Gülper Havel, einem Nebenarm der Havel, in Gülpe (Brandenburg).

Den Himmel über Berlin entdecken: Das können Besucher bei der Nacht der Straßen-Astronomie am Samstag. Wenn sie Glück haben, sehen sie einen Sternenhimmel wie hier über der Gülper Havel, einem Nebenarm der Havel, in Gülpe (Brandenburg).

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Patrick Pleul/dpa

Berlin -

Stefan Gotthold (37) blickt oft in den Himmel über Berlin. Seit seinem 16. Lebensjahr beschäftigt sich der Diplom-Ingenieur mit allem, was im All geschieht. Mittlerweile besitzt er fünf Teleskope. Gotthold führt den Blog www.clearskyblog.de und hält wissenschaftliche Vorträge. Als Freiberufler kann der Hobby-Astronom gut davon leben. Am Samstag erklärt er bei der Nacht der Straßen-Astronomie den Himmel über Berlin.

Herr Gotthold, was gibt es am Himmel zurzeit zu sehen?

Am Himmel ist zum Glück immer was los. Man sieht derzeit die Internationale Raumstation ISS, in der der Astronaut Alexander Gerst unterwegs ist. Die ISS sieht man aktuell auch schon am Abendhimmel, man muss nicht mitten in der Nacht aufstehen. Es gibt momentan auch einen Kometen mit dem Namen C/2014 E2 Jacques, den man schon mit einem Fernglas entdeckt.

Für mich sind das nur kleine Lichtpunkte. Wie erkenne ich, was Planeten sind, was die ISS und wo fliegt Komet Jacques?

Sterne flimmern, Planeten eben nicht, sie wandeln über den Himmel. Das heißt, sie stehen jeden Abend an einer leicht anderen Stelle am Himmel. Die ISS ist ein heller Lichtpunkt, sie sieht aus wie ein Flugzeug und bewegt sich auch ungefähr so schnell. Sie blinkt natürlich nicht und fliegt von West nach Ost. Sie ist das dritthellste Objekt am Nachthimmel, nach dem Mond und der Venus.

Woher wissen Sie das alles?

Ich bin seit mehr als 20 Jahren Hobbyastronom. Ich habe mir damals ein Teleskop gekauft und viel Literatur gelesen.

Ist Berlin als nachts hell erleuchtete Großstadt wirklich ein guter Ort für Himmelsbeobachtungen?

Nein, eigentlich nicht. Aber es lässt sich auch in der Stadt sehr viel am Himmel entdecken. Vor allem, wenn man mal aus den hellen Stellen heraustritt, an Orte, die etwas dunkler sind ohne Laternen.

Kennen Sie einen idealen Ort?

Erstmal auf dem Balkon in den Himmel schauen. Die Astronomie beginnt mit der Frage: Was sehe ich da gerade? Ich gehe zum Beispiel bei mir in Lichtenberg auf einen Sportplatz hinter dem Haus, der ist nachts nicht beleuchtet. Auch viele Kirchenplätze sind dunkel. Doch eines wird man in der Stadt niemals sehen, und das ist die Milchstraße. Wer sie sehen will, muss in den Sternenpark im Havelland fahren.

Wie oft schauen Sie in den Himmel?

Feste Zeiten habe ich nicht. Ich richte mich nach dem Wetter. Es gibt in Deutschland nur etwa 50 bis 60 Tage im Jahr mit klarem Himmel. Für mich sind diese Tage die wichtigsten. Man muss aber auch die Lust dazu haben, lange wach zu bleiben oder mal sehr früh aufzustehen. Astronomie ist aber auch viel mehr, als nur in den Sternenhimmel zu schauen. Ich schreibe regelmäßig auf meinem Astronomie-Blog oder bin bei Twitter und Facebook unterwegs.

Was fasziniert Sie am Sternenhimmel?

Dieses Beobachten, wie klein wir sind. Wenn man auf einem dunklen Feld steht und nur in den Sternenhimmel schaut, ohne Teleskop, dann merkt man, wie groß das Universum ist, in dem wir leben dürfen. Wenn man dann auch noch bedenkt, dass das Licht von manchen Galaxien mehrere zehntausend Jahre benötigt, bis wir es sehen können, dann weiß man, dass das, was wir gerade sehen, in diesem Sinne gar nicht mehr existiert. Mir wird dann immer bewusst, dass diese 80 bis 90 Lebensjahre, die wir auf der Erde verbringen eigentlich doch weniger als ein Wimpernschlag des Universums sind.

Das klingt sehr philosophisch. Mich beschäftigt beim Blick in den Himmel immer die Frage der Unendlichkeit des Alls.

Ich finde das auch sehr spannend und stelle mir immer wieder die Grundlagenfrage: Sind wir in dieser Unendlichkeit wirklich allein im All? Astronomen und Astrophysiker sagen ja immer wieder, wir seien wahrscheinlich nicht allein. Es gibt so viel Platz im Universum! Und daher möchte ich auch immer mehr darüber wissen.

Das Gespräch führte Stefan Strauß.