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Nationalität von Tätern: Wie Polizei und Journalisten gegen Vertuschungsvorwürfe kämpfen

Der Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Polizei Stefan Redlich (Archivbild).

Der Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Polizei Stefan Redlich (Archivbild).

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imago/Markus Heine

Die Nachricht vom Tod der 20-jährigen Frau im U-Bahnhof Ernst-Reuter-Platz war erst wenige Minuten alt, da ergoss sich ein Strom von Verdächtigungen über Polizei und Medien: Sie würden die ethnische Herkunft des U-Bahn-Schubsers vertuschen.

Als die Berliner Zeitung die Meldung der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch um 8.57 Uhr auf der Online-Seite veröffentlichte, war noch nichts über den Täter bekannt. Doch umgehend kamen via Twitter erste Unterstellungen: „Nur sagt man uns nicht wer! Es wird wohl am Ende ein russischer Neger gewesen sein!!“ oder: „Ein Schelm, der denkt: die Täterherkunft wäre nur der Jungen Freiheit bekannt.“

Diesen Reflex kann man auch bei anderen Delikten wie Überfällen, Prügeleien und Fahrerflucht beobachten. Der Erstinformation folgt via Twitter oder Facebook eine Flut von Vertuschungsvorwürfen. Das hat sich seit den sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht, nach denen die Kölner Polizei die Täterherkunft erst verschwieg, noch verstärkt.

Was für manche als Vertuschung gilt, gehört zum deutschen Pressekodex. Danach wird in Veröffentlichungen die Nationalität eines Verdächtigen nur dann genannt, wenn sie zum Verständnis des Geschehens beiträgt. Das ist etwa bei einem sogenannten Ehrenmord der Fall, nicht aber bei einem Unfall mit Fahrerflucht.

Nach den Vorfällen in Köln gibt sich die Polizei nun etwas offener. „Wir sind laut Pressegesetz gehalten, alle Anfragen zu beantworten, es sei denn, sie betreffen laufende Ermittlungen oder schutzwürdige Belange“, sagt Berlins Polizeisprecher Stefan Redlich. „Wenn uns Journalisten nach der Nationalität eines Opfers oder Täters fragen, dann teilen wir sie mit.“

2003 war die Berliner Polizei allerdings verklagt worden, weil sie auf Nachfrage die Nationalität eines Täters herausgegeben hatte. Danach ging sie damit restriktiv um.

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@KopietzAndreas