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Neonazis: 50 Rechtsextreme bei „Inferno 99“

Energie-Fans zeigten 2005 dieses Transparent. Vorfälle wie diesen hat es laut Vereinssprecher angeblich seit Jahren nicht mehr gegeben. DPa/Eisenhuth

Energie-Fans zeigten 2005 dieses Transparent. Vorfälle wie diesen hat es laut Vereinssprecher angeblich seit Jahren nicht mehr gegeben. DPa/Eisenhuth

Potsdam -

Der Fußballzweitligist Energie Cottbus gilt als Aushängeschild der Lausitz und des Landes Brandenburg. Doch einige Fans haben in der Vergangenheit besonders bei Auswärtsspielen immer wieder durch rechtsextremistische oder antisemitische Parolen im Stadion auf sich aufmerksam gemacht. Vor allem Mitglieder der Fangruppierung „Inferno 99“. Seit Wochen schon ist der Verein in der Kritik, er würde nichts gegen Rechtsextreme im Fußballstadion tun.

Selbst die Politik schaltete sich ein. Der SPD-Landtagsabgeordnete Klaus Ness stellte eine kleine Anfrage an die Landesregierung, um eine Auseinandersetzung mit „Inferno 99“ zu befördern. Am Mittwoch lag die Antwort von Innenminister Dietmar Woidke (SPD) vor.

Woidke schätzt die Gruppierung auf 100 bis 150 Anhängern. „Inferno 99“ sei zwar insgesamt nicht als rechtsextremistisch einzustufen. Doch seien dort bis zu 50 Rechtsextremisten organisiert, die das „Auftreten der Ultragruppierung maßgeblich bestimmen“.

Ein Sieg heilt alle Wunden?

„Inferno 99“ entstand den Angaben zufolge 1999 aus mehreren Fangruppierungen, darunter den „Preussen Jungz“, die von einem Cottbuser Rechtsextremisten geführt wurden. Weiter heißt es, dass ein Mitbegründer des im vorigen Jahr verbotenen Neonazi-Netzwerkes „Widerstand Südbrandenburg“ eine leitende Position bei „Inferno 99“ einnimmt. Vier einstige Mitglieder der verbotenen Organisation seien den Behörden als Sympathisanten von „Inferno 99“ bekannt.

Wie Woidke weiter ausführt, sei die Fangruppierung bereits im November 2005 aufgefallen, als deren Anhänger bei einem Auswärtsspiel gegen die SG Dynamo Transparente mit „eindeutig antisemitischer und rassistischer Zielstellung“ entrollt haben. Im März 2011 zeigten Inferno-Fans ein Banner mit dem Spruch „Ein Sieg heilt alle Wunden“, dass dann so zusammengeklappt worden sei, dass kurzzeitig ein „Sieg heil“ zu sehen war. Im Oktober 2012 erklärten rechtsextremistische Energie-Fans ihre Solidarität mit dem Kickbox Team Cottbus (KBTC). „Einzelne aktive und ehemalige Mitglieder/Kämpfer des KBTC sind als Rechtsextremisten bekannt.“

Der Zweitligist hat erst vor Kurzem erste Konsequenzen aus den Rechtsextremismus-Vorwürfen gezogen und 16 Stadionverbote ausgesprochen, darunter gegen 15 Mitglieder der Fangruppierung „Inferno 99“. „Die eingeleiteten Maßnahmen des Fußballclubs Energie Cottbus sind erste Schritte auf dem Weg, die rechtsextremistischen Aktivitäten der Fangruppierung ‚Inferno 99‘ künftig zu unterbinden“, so der Innenminister.

Klare Position gegen Rechtsextremismus

Das sieht auch Fragesteller Ness so. „Der Verein muss aber eine klare Position gegen die Fangruppierung einnehmen, er darf die Auseinandersetzung nicht scheuen“, sagte Ness, der auch SPD-Generalsekretär ist, am Mittwoch. „Ein Fanclub darf keine Unterschlupfmöglichkeit für Rechtsextremisten bieten.“

Dem Zweitligisten liegt die Antwort der Landesregierung seit Dienstag vor. „Der FC Energie Cottbus lehnt Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus im Stadion der Freundschaft ab und hat immer dann rigoros gehandelt und wird dies auch weiterhin tun, wenn von den Ermittlungsbehörden konkrete Zuarbeit geleistet wurde“, sagte Präsident Ulrich Lepsch. Der Verein sehe aber keinen akuten Handlungsbedarf, weil er keine Namen von rechtsextremistischen Fans habe und keine Informationen über „sanktionierbare Verfehlungen“.