blz_logo12,9

Neubau im Garten des Magnus-Hauses in Berlin: Architektenverbände rufen zum Boykott des Siemens-Wettbewerbs auf

Blick in den Garten des denkmalgeschützten Magnus-Hauses: Hier will Siemens einen bis zu viergeschossigen Neubau errichten.

Blick in den Garten des denkmalgeschützten Magnus-Hauses: Hier will Siemens einen bis zu viergeschossigen Neubau errichten.

Foto:

BLZ/Markus Wächter

Dieser Appell sucht seinesgleichen. Die wichtigsten Verbände der Architekten und Landschaftsplaner haben in einem gemeinsamen offenen Brief ihre Kollegen dazu aufgerufen, sich nicht am geplanten Wettbewerb für den Bau der Konzernrepräsentanz von Siemens in Berlin zu beteiligen.

Siemens will den Neubau, wie berichtet, im Garten des denkmalgeschützten Magnus-Hauses in Mitte errichten, wogegen Denkmalschützer protestieren. Diesen Protest greifen die Verfasser des offenen Briefes nun auf. Das Magnus-Haus mit seinem Freiraum sei „das letzte Beispiel eines barocken bürgerlichen Stadtpalais in Berlin-Mitte und damit ein wichtiges Beispiel für die Stadtentwicklung der letzten Jahrhunderte“, wie der Landesdenkmalrat ausdrücklich hervorgehoben habe, heißt es in dem Schreiben.

Weitere Proteste erwartet

„Wir bitten Sie deswegen, eine Beteiligung an diesem Wettbewerb sorgfältig zu prüfen.“ Unterzeichnet ist der Brief unter anderem von den Spitzen der Architektenkammer, des Architekten- und Ingenieurvereins, des Bundes Deutscher Architekten, des Bundes Deutscher Baumeister Berlin und des Bundes Deutscher Landschaftsarchitekten Berlin-Brandenburg.

„Es ist uns bewusst, dass es viel verlangt ist“, auf die Teilnahme an einem so prominenten Wettbewerb zu verzichten, schreiben die Verbände. „Wir halten es aber für unsere Pflicht, Sie auf die Spezifik dieses Verfahrens hinzuweisen.“ Der Wettbewerbssieger werde mit seinem Entwurf „voraussichtlich auf Widerstand aus der Bevölkerung und gleichermaßen aus Fachkreisen stoßen“. Es sei absehbar, dass der Protest mit dem Abschluss des Wettbewerbs keineswegs beendet sein, sondern sogar noch zunehmen werde.

Die Unterzeichner erklären, dass sie die gestellte Aufgabe für kaum lösbar halten. Das Raumprogramm und die geforderte Tiefgarage für die Repräsentanz machten „eine bauliche Lösung, die der Situation gerecht würde, per se nicht möglich“. Am Ende des Briefs formulieren die Verfasser die Hoffnung, dass Siemens „durch eine gemeinsam vertretene, klare Haltung“ möglicherweise „zu einem Umdenken bewegt werden“ könne. Einige zur Teilnahme aufgeforderte Büros und Preisrichter hätten bereits „verzichtet und abgelehnt“.

Die Präsidentin der Architektenkammer, Christine Edmaier, sagte der Berliner Zeitung: „Vielen Berlinern, wenn auch nicht allen, ist bewusst, dass der geplante Neubau gegen den Protest der Denkmalschützer und Anrainer durchgesetzt werden soll. Das sollten die aufgeforderten Architekten aus dem In- und Ausland wissen.“

Siemens ist im Besitz eines positiven Bauvorbescheids. Danach kann der Konzern einen bis zu viergeschossigen Neubau errichten. Zwar lehnten Denkmalschützer eine Zustimmung zu dem Projekt ab und das Stadtplanungsamt Mitte stufte die Pläne als nicht genehmigungsfähig ein. Auf Weisung von Senatsbaudirektorin Regula Lüscher und von Mittes Baustadtrat Carsten Spallek (CDU) wurde das Vorhaben aber dennoch genehmigt.

Der frühere Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hatte zuvor in einem Schreiben an den damaligen Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) darum gebeten, das Vorhaben zu unterstützen. Die Stadtentwicklungsverwaltung begründete das Votum für die Siemenspläne mit dem Argument, es sei „um die Stärkung des Wirtschaftsstandortes Berlin“ gegangen.

Wiege der Physik

Siemens ging auf den offenen Brief am Montag nicht konkret ein. „Hinsichtlich des geplanten Wettbewerbes stehen derzeit noch keine Details fest“, erklärte ein Unternehmenssprecher. „Gerade in Berlin, dem Gründungsstandort von Siemens, haben wir eine große historische Bausubstanz, mit der wir besonnen umgehen.“ Dazu gehöre ein intensiver Dialog mit der Verwaltung, mit Fachgremien und Öffentlichkeit. „Selbstverständlich gilt dies auch im Kontext mit dem Magnus-Haus“, so der Sprecher.

Das Magnus-Haus, das um 1760 errichtet wurde, gilt als Wiege der Physik. Der Berliner Physiker Heinrich Gustav Magnus gründete in dem Haus im 19. Jahrhundert das erste physikalische Institut. Weil sich im Magnus-Haus einst Werner Siemens und Johann Georg Halske begegnet sein sollen, die 1847 das Unternehmen Siemens & Halske gründeten, will Siemens seine Repräsentanz an dem Ort errichten.