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Berliner Zeitung | Neubau in Moabit: Hier sollen Studenten künftig wohnen
15. July 2015
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Neubau in Moabit: Hier sollen Studenten künftig wohnen

Zickzack-Häuser und ein Tower – die Neubauten an der Bahn (l.) haben acht, an der Straße sechs Etagen.

Zickzack-Häuser und ein Tower – die Neubauten an der Bahn (l.) haben acht, an der Straße sechs Etagen.

Foto:

Groth-Gruppe

Berlin -

Der Blick für die Studenten dürfte grandios sein: Man könnte zum Beispiel auf der einen Seite Fußballspiele im Poststadion gucken, ohne das Zimmer zu verlassen, und auf der anderen Seite über die nächste Reise sinnieren, wenn in Tegel die Flieger starten und landen. Kein Traum, denn in der Lehrter Straße nahe Hauptbahnhof will die Groth-Gruppe 250 bis 300 Studentenapartments errichten. Und das in einem 18-geschossigen Hochhaus mit bester Aussicht über die City. Der Tower gehört zu einem neuen Quartier mit weiteren 750 Wohnungen, das ab 2016 errichtet werden soll. Das gab Projektentwickler Thomas Groth auf einer Anwohnerversammlung am Dienstagabend bekannt.

Die Studentenapartments werden bis zu 25 Quadratmeter groß. Groth sucht für das Hochhaus derzeit einen Betreiber und kann daher noch keine genauen Angaben machen. Bei einer Ausstattung mit Dusche, WC und Küchenzeile sind in Berlin aber für derartige Apartments etwa 400 Euro Miete üblich. In diesem Bereich wird sich wohl auch Groth bewegen. „Es gibt in Berlin einen riesigen Bedarf an Studentenwohnungen“, sagt er.

Das neue Wohnquartier soll auf einem früheren Bahngelände gegenüber vom Haupteingang zum Poststadion entstehen. Die Brachfläche, die sich an der Lehrter Straße hinter einer roten Backsteinmauer erstreckt, grenzt auf der anderen Seite an die ICE-Trasse zum Hauptbahnhof sowie die Europacity.

Normale Kaltmiete zwischen 9 und 14 Euro pro Quadratmeter

An der Bahn plant Groth 344 Mietwohnungen, an der Lehrter Straße 255 Eigentumswohnungen zu Preisen ab 3 700 Euro pro Quadratmeter. Im nördlichen Bereich entstehen 160 geförderte Wohnungen, die vermutlich von der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Degewo gekauft werden. Dort ist eine vom Senat geförderte Kaltmiete von sechs Euro pro Quadratmeter vorgesehen. In allen anderen Wohnungen sollen Mieten ab 9 bis zu 14 Euro verlangt werden, so Groth.

Das ist für die langjährigen Bewohner Moabits nicht finanzierbar, kritisieren Anwohner, die oft weniger als fünf Euro pro Quadratmeter zahlen, sowie der Betroffenenrat Lehrter Straße. „Nur 160 geförderte Wohnungen sind zu wenig. In diesem Gebiet müssen es 50 Prozent sein“, sagt Susanne Torka vom Betroffenenrat. Thomas Groth hält dagegen, dass das Soll aus dem Bündnis für Wohnen zwischen Senat und Wohnungsverbänden mit einem Anteil von 23 Prozent preisgünstigen Wohnungen erfüllt sei.

Entworfen wurde das Gebiet vom Büro Sauerbruch Hutton. Es hat in der Lehrter Straße seinen Sitz. Die Gebäude ordnet Architekt Matthias Sauerbruch im Zickzack an. „Diese Geometrie taucht in der Nachbarschaft nicht auf“, sagt er. Die zwei Meter breiten Lücken zwischen den über Eck stehenden Häuser werden mit Glaswänden geschlossen, um die Innenhöfe vor Lärm zu schützen. Gegenüber vom Poststadion ist ein dreieckiger Platz vorgesehen mit Läden wie Bio-Supermarkt, Fleischer und Bäcker.

Auch Mittes Baustadtrat Carsten Spallek (CDU) verteidigt den Wohnungsneubau. Er sagt, dass Groth eine Kita für 80 Kinder finanzieren muss. Die entsteht allerdings an der Seydlitzstraße, weil „Kinder dort Freiflächen wie den angrenzenden Park viel besser nutzen können“.