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Neubauprojekt Uhland 103 in Wilmersdorf: Berliner Gericht erlaubt Abriss von billigen Mietwohnungen

Eigentum statt Miete: So soll das Neubauprojekt Uhland 103 in Wilmersdorf einmal aussehen.

Eigentum statt Miete: So soll das Neubauprojekt Uhland 103 in Wilmersdorf einmal aussehen.

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Projektimmobilien

Der Text aus dem Prospekt klingt verführerisch: „Um Ihre weitläufige Freiluftoase hoch oben über Berlin wird man Sie beneiden! Die ungestörte Dachterrasse erstreckt sich über die gesamte Ostseite des großzügig geschnittenen Penthouses und lädt zum Sonnenbaden und Relaxen ein.“ So viel Neidfaktor hat seinen Preis.

Bis zu 629.000 Euro sollen die Wohnungen im Neubaublock Uhland 103 an der Südostecke der Kreuzung Uhland-/Ecke Berliner Straße in Wilmersdorf kosten. Wenn sie einmal fertig sind.

Gericht sieht keinen Verstoß

Eine Hürde auf dem Weg dorthin ist jetzt genommen worden. Das Verwaltungsgericht Berlin hat zugunsten des Bauherrn und gegen das zuständige Bezirksamt entscheiden. Der Abriss von (billigem) Mietwohnraum verstoße nicht gegen das Verbot der Zweckentfremdung, wenn auf dem selben Grundstück (teure) Eigentumswohnungen entstehen sollen, argumentierte das Gericht.

Das Bezirksamt hatte den Bauherrn „sofort vollziehbar“ aufgefordert, ein auf dem Gelände stehendes Haus instand zu setzen und die darin befindlichen Wohnungen wieder auf den Markt zu bringen.

Gegen diese Aufforderung hatte die Firma Project Immobilien aus Nürnberg geklagt. Der Bauträger und Projektentwickler will die durch Nachkriegsbauten geprägte Wohn- und Geschäftsgegend mit einem Neubau verändern. Dazu soll ein vorgelagerter Flachbau abgerissen werden, wie er in Berlin an manchen Stellen immer noch typisch ist für stark im Krieg zerstörte Straßenecken.

Bis zuletzt war dort eine Pizzeria beheimatet. Ein paar Meter zurückgesetzt steht ein Wohnhaus mit 15 Wohnungen auf insgesamt 1300 Quadratmetern Wohnfläche – auch das ist typisch für die Nachkriegsbauweise in der Stadt, in der vor allem Tempo und Zweckmäßigkeit benötigt wurden. Das Haus steht seit mehr als drei Jahren leer.

Die Nürnberger wollen beide Gebäude abreißen lassen und das bisher luftig bebaute Grundstück bis an den Blockrand, das heißt bis an die verkehrsumtosten Uhland- und Berliner Straße, mit einem siebenstöckigen Wohnblock bebauen.

Auf 4300 Quadratmeter sollen 55 Wohnungen mit „gehobener Ausstattung wie bodentiefen Fenstern, Echtholzparkett, Fußbodenheizung und Markensanitärartikeln“, wie es heißt, entstehen – zu Preisen von 219.000 bis 629.000 Euro. Das ergibt Quadratmeterpreise von bis zu 6.500 Euro.

Baubeginn von Uhland 103, zu dem auch sechs Gewerbeeinheiten, eine Tiefgarage und darüber ein begrünter Innenhof mit Spielplatz gehören sollen, ist für Anfang kommenden Jahres geplant. Noch ist nichts passiert, doch bereits im August hat der Verkauf der einzelnen Wohnungen begonnen.

Mit der Eilentscheidung des Verwaltungsgerichts ist der Investor diesem Vorhaben ein Stückchen näher gerückt. Der Bezirk hatte versucht, die Umwandlung von Miet- in Wohneigentum mit dem Hinweis auf das Zweckentfremdungsverbot zu stoppen. Dies verhindert bekanntlich etwa die Umwandlung von Wohn- in Gewerberaum oder in Ferienwohnungen. Da hier aber „ausgleichender Ersatzwohnraum“ geschaffen werde, greife das Verbot hier nicht, sagte das Gericht.

Bezirk sieht „Grenzfall“

Im Bezirksamt werde man jetzt die Begründung des Richterspruchs „sehr intensiv prüfen“, wie Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann (SPD) sagte, und dann entscheiden, ob man Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht einlege. Es sei von Anfang klar gewesen, dass es sich bei der Uhland 103 um einen Grenzfall handele. Aber man sei diesen Weg gegangen, um preiswerten Wohnraum zu erhalten. „Das ist schließlich auch die Erwartung der Bevölkerung“, sagte Naumann.

Übrigens befasste sich das Verwaltungsgericht auch mit der Grenze, ab der man aus seiner Sicht sehr wohl von einer Zweckentfremdung sprechen könne. Diese sei aber zum Beispiel erst erreicht, „wenn Wohnungen im Luxussegment entstünden“. Soll heißen: 6500 Euro pro Quadratmeter sind kein Luxus.