Neuer Inhalt

Neubauten in Kreuzberg: So könnte das neue Gleisdreieck aussehen

Simulation: Die Architekten Ortner & Ortner aus Kreuzberg planen sieben jeweils 60 Meter hohe Gebäude.

Simulation: Die Architekten Ortner & Ortner aus Kreuzberg planen sieben jeweils 60 Meter hohe Gebäude.

Foto:

Ortner & Ortner

Es ist ein Stück Berlin, das bislang kaum wahrgenommen wird. Zwischen welkendem Unkraut stehen alte Baracken, dazwischen hasten Menschen über Trampelpfade zur U-Bahn, die alle paar Minuten vorüber donnert. Direkt am Gleisdreieck in Kreuzberg, zwischen U- und Fernbahntrasse und dem dortigen Park, liegt eine der letzten Baubrachen Berlins. Sie ist 43.000 Quadratmeter groß und grenzt im Norden an die Luckenwalder Straße, im Süden ans debis-Parkhaus. Ihre Eigentümer nennen das unwirtlich scheinende Grundstück, das zudem durch ein Bahnviadukt zerteilt wird, „Urbane Mitte“.

Genau das soll nämlich dort entstehen, wie Marc Kimmich, der Sprecher der Eigentümer, sagt: „Wir wollen dort, in unmittelbarer Nähe zum Potsdamer Platz, ein lebendiges Quartier entwickeln, das eine Art Brückenkopf zu den umliegenden Wohngebieten darstellt.“ Am Rande des Gleisdreieck-Parks sind Wohnungen für knapp 2000 Menschen entstanden, die jetzt nach und nach bezogen werden. Eine nennenswerte Infrastruktur gibt es noch nicht. Eine solche könnte in der „Urbanen Mitte“ entstehen.

Seit zwei Jahren schon werden Ideen gesammelt, was aus dem nicht ganz einfachen Grundstück zwischen den Gleisen werden kann. Anwohner wurden nach ihren Wünschen befragt, der Senat machte Vorgaben und dann gibt es eine ganze Reihe von Einschränkungen, die sich aus der Nachbarschaft zur Bahn ergeben. So darf die Strecke der geplanten S 21 nicht bebaut werden. Wann die neue S-Bahnlinie gebaut wird, steht noch nicht fest.

Zwei Gewinner

Die Copro-Gruppe, ein Unternehmen, das sich seit 1993 mit der Entwicklung von Grundstücken befasst, veranstaltete als Eigentümer sieben Werkstattgespräche mit Anwohnern und Experten aus Bezirks- und Senatsverwaltungen. Ein Architektenwettbewerb wurde ausgelobt, an dem sich 22 Büros beteiligten, darunter so renommierte wie das von Stararchitekt Daniel Libeskind. Am Dienstag wurde das Wettbewerbsergebnis präsentiert.

„Die Jury hat zwei Berliner Entwürfe als Sieger ausgewählt“, sagt Marc Kimmich. Gewonnen haben die Büros Cobe Berlin aus Mitte und Ortner&Ortner aus Charlottenburg. Beiden, so befand die Jury, sei es am besten gelungen, Identität, Geschichte und Werte des Ortes zu berücksichtigen. Beide Entwürfe sehen Hochhäuser vor, die auf Sockelbauten stehen. Während Cobe Berlin fünf schlanke Hochhäuser plant, die bis zu 90 Meter hoch und zueinander verschoben sind, plant man bei Ortner&Ortner sieben je 60 Meter hohe Gebäude mit ganz unterschiedlichen Fassaden.

Wohnen ist bei beiden Entwürfen nur im südlichen Geländeteil vorgesehen, der ans Technikmuseum angrenzt – dort könnten Hotels oder Studentenappartements entstehen. Ansonsten geht man von Büronutzung aus. Marc Kimmich: „Es werden aber keine herkömmlichen Büros sein, wie wir sie kennen, sondern flexible Arbeitslandschaften für moderne Unternehmen.“ Wie genau diese Landschaften gestaltet werden, will man demnächst gemeinsam mit Zukunftsforschern debattieren.

5000 Quadratmeter große Kunsthalle

Vorgabe des Senats war es, dass die Sockelbauten, quasi das Erdgeschoss aller Gebäude, durchweg öffentlich nutzbar sind. Dort sollen eine Kunsthalle und Ateliers entstehen. Für die geplante 5000 Quadratmeter große Kunsthalle sei man mit Sammlern aus aller Welt im Gespräch, so Eigentümersprecher Kimmich. Die alten S-Bahnbögen könnten zur Markthalle ausgebaut werden, es soll auch Gastronomie geben, Werkstätten und Läden für Kunsthandwerker und eine Doppelsporthalle. Dies alles waren Wünsche vom Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg sowie der Nachbarn, die sich ebenso Clubs oder eine Skaterhalle dort vorstellen können.

Bis Ende Januar 2016 werden beide Entwürfe noch mal überarbeitet. Nur einer wird realisiert, der andere soll aber an der Entwicklung beteiligt werden, er könnte dann zum Beispiel für die Kunsthalle verantwortlich sein. Die Eigentümer gehen davon aus, dass es im Jahr 2018 mit dem Bauen losgehen könnte. Sie wollen insgesamt 350 bis 400 Millionen Euro investieren.

Alle Architektenarbeiten zur „Urbanen Mitte“ sind vom 3. bis 5. Dezember in der Ladestraße des Deutschen Technikmuseum an der Möckernstraße ausgestellt. Informationen gibt es unter www.urbane-mitte.de


Neue Nachrichten

Wir haben neue Artikel für Sie. Möchten Sie jetzt die aktuelle Startseite laden?