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Neue Schule in Wedding: Ohne Schulgeld in die Privatschule

Schulleiter Christian Schwenke setzt auf projektorientiertes Lernen. Ihm ist wichtig, dass stets zwei Lehrer in der Klasse sind, es gibt Klassenräte und jede Woche können Schüler mit einem Tutor sprechen.

Schulleiter Christian Schwenke setzt auf projektorientiertes Lernen. Ihm ist wichtig, dass stets zwei Lehrer in der Klasse sind, es gibt Klassenräte und jede Woche können Schüler mit einem Tutor sprechen.

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Quinoa/REGINA SABLOTNY

Christian Schwenke hat seinen Job an einer staatlichen Sekundarschule in Wedding gekündigt, um eine neue Privatschule im gleichen Stadtteil zu leiten. Diese freie Sekundarschule Berlin-Wedding befindet sich in einer 200 Quadratmeter großen Büroetage an der Osloer Straße und richtet sich gezielt an sozial benachteiligte Kinder aus dem Kiez. Sie sollen einen Schulabschluss machen und danach entweder einen Ausbildungsplatz finden oder bis zum Abitur weiterlernen. „Das öffentliche Schulsystem funktioniert für diese Schüler leider nicht immer“, sagt Schwenke. Tatsächlich ist die Schulabbrecherquote in Wedding sehr hoch, und selbst Schüler mit einem Abschluss finden oft keinen Ausbildungsplatz.

Schulstart mit 24 Kindern

Zum neuen Schuljahr startet die freie Schule mit 24 Schülern. Es wird sogar ein Schulfach „Zukunft“ geben, das die Schüler frühzeitig mit Berufsorientierung, praktischem Lernen und Betriebspraktika bekannt macht. Bemerkenswert ist, dass 21 Schüler kein Schulgeld bezahlen müssen, wie es sonst an Privatschulen üblich ist. Denn Kinder, deren Eltern Hartz IV beziehen, Aufstocker sind, Bafög erhalten oder einen Asylantrag gestellt haben, bezahlen generell kein Schulgeld. Die Eltern von drei weiteren Schülern zahlen nur einen geringen Beitrag. „Ansonsten gilt die gleiche Gebührenstaffelung wie bei den Kitas“, sagt Fiona Brunk. Sie hat mit Stefan Döring die Schule gegründet.

Beide haben zuvor als Hochabschulabsolventen zwei Jahre im Auftrag der Organisation Teach First in einer staatlichen Weddinger Schule gearbeitet und dann beschlossen, eine eigene Schule aufzubauen. Sie gründeten die Quinoa-Stiftung und kooperieren mit einem Schulträger – der Montessori-Stiftung, die jetzt sechs freie Schule in Berlin betreibt. Dank dieser Kooperation erhält die neue Schule umgehend staatliche Zuschüsse, zunächst 79 Prozent der Personalkosten, nach drei Jahren dann 93 Prozent. Die erheblichen Kosten für Material, Miete, Einrichtung und Schülerpatenschaften übernehmen verschiedene Spender, insbesondere aber die Vodafone-Stiftung.

Leer stehendes Gebäude im Blick

Der Unterschied zu staatlichen Schulen sei, dass sie in der Privatschule das Personal auswählen und das Budget gezielter einsetzen können, sagt Brunk. Man wolle an die Schüler glauben und ihnen Verlässlichkeit vermitteln. „An öffentlichen Schulen wird das Selbstbewusstsein der Schüler manchmal unterminiert“, sagt Schulleiter Schwenke.

19 der 24 Privatschüler sprechen zu Hause eine andere Sprache als Deutsch – meist Arabisch, Bulgarisch, Serbisch oder Türkisch. Auch Anwohnerin Christiane Longo hat ihre Tochter angemeldet. Sie sollte eigentlich eine öffentliche Sekundarschule in Weißensee besuchen. „Mir gefällt, dass es hier eine kleine Schule ist“, sagt die Mutter.

Allerdings darf die erste Klasse nur für ein Jahr in den Räumen bleiben, weil der Bezirk Klagen von Mietern fürchtet, die in der Etage direkt darüber wohnen. Viel lieber würden Fiona Brunk und Stefan Döring ohnehin ein leer stehendes Schulgebäude an der benachbarten Gotenburger Straße mit nutzen. Doch das Gebäude gibt der Bezirk gerade an das Land ab. Und es ist unklar, was die Berliner Immobilienmanagement GmbH damit vorhat.