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Berliner Zeitung | Neue Studentenwohnungen in Berlin: Studentenleben auf 16 Quadratmeter für 315 Euro warm
24. March 2015
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Neue Studentenwohnungen in Berlin: Studentenleben auf 16 Quadratmeter für 315 Euro warm

Ein etwas ausgefallener Wohnort: Im Plänterwald steht ein Studentendorf, das aus mehr als 400 Großcontainern zusammengesetzt wurde.

Ein etwas ausgefallener Wohnort: Im Plänterwald steht ein Studentendorf, das aus mehr als 400 Großcontainern zusammengesetzt wurde.

Foto:

Berliner Zeitung/Gerd Engelsmann

Berlin -

Preiswerte Wohnungen für Studenten in Berlin sind knapp. Für Entlastung soll jetzt die landeseigene Berlinovo sorgen. Bislang verwaltet das Unternehmen die Wohnungen aus den Skandalfonds der früheren Bankgesellschaft – doch bis zum Jahr 2020 soll es 2500 Studentenapartments errichten.

Das Besondere: Die vollmöblierten Apartments sollen zu einer Miete von durchschnittlich 315 Euro monatlich angeboten werden. Das sagte jetzt Berlinovo-Sprecher Stefan Siebner der Berliner Zeitung – Nebenkosten wie Heizung, Warmwasser und Strom sind in dem Preis schon eingerechnet. Ziel der Berlinovo sei es, Wohnungen zu errichten, die auch für Bafög-Empfänger bezahlbar sind, sagte Siebner. Die niedrigen Mieten will die Berlinovo durch den Bau kleiner, kompakter Apartments erreichen.

Keine angekippten Fenster

Die durchschnittliche Größe liegt bei etwa 17 Quadratmetern. Zur Ausstattung gehören unter anderem ein Bett, ein Schrank, eine Küchenzeile und ein kleines Badezimmer mit Dusche. Dass die Bewohner ihre Fenster angekippt stehen lassen, wird nicht möglich sein. Sie werden entweder ganz geöffnet oder vollständig geschlossen sein – um zu verhindern, dass im Winter Heizenergie verschwendet wird. Auch der Strom wird automatisch ausgehen, wenn die Studenten ihr Apartment verlassen. Baukosten will die Berlinovo dadurch sparen, dass sie die Apartments in weitgehend modularer Architektur errichtet, beschreibt Stefan Siebner die Planung. Das bedeutet: Wie bei Fertighaus-Herstellern gibt es ähnliche Grundelemente, die an verschiedenen Standorten zusammengebaut werden können. „Das wird nicht langweilig, es wird ein pfiffiges Konzept“, sagt Siebner.

Noch gibt es freilich ein Problem. Die Berlinovo besitzt noch keine Grundstücke für den Apartment-Bau. Das soll sich aber ändern. Eine Reihe landeseigener Grundstücke werde zurzeit auf ihre Eignung überprüft, so Siebner. Dazu zählt ein 15 800 Quadratmeter großes Areal an der Prenzlauer Promenade in Pankow. Dort könnten in Nachbarschaft zu einem Künstlerhaus rund 325 Studenten-Apartments entstehen.

Auch der Bau einer Kita mit 90 Plätzen auf dem Grundstück ist im Gespräch. Weitere etwa 160 Apartments könnten an der Franz-Jacob-Straße in Lichtenberg errichtet werden. An der Walter-Friedländer-Straße in Prenzlauer Berg will die Berlinovo rund 500 Apartments bauen. Zu weiteren Grundstücken, unter anderem in Spandau, laufen erste Untersuchungen. Um auf die Zahl von 2 500 Apartments zu kommen, seien insgesamt neun bis zehn Projekte nötig, sagt Siebner.

Insgesamt sollen in den nächsten Jahren vom Land Berlin 5 000 Studenten-Apartments errichtet werden, um ein Versprechen des früheren Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD) einzulösen. Neben der Berlinovo sollen die sechs landeseigenen Unternehmen weitere 2 500 Wohnungen bauen. Der Grünen-Abgeordnete Andreas Otto ist skeptisch. „Die Wohnungsbauoffensive des Senats kommt auch nach über drei Jahren großer Koalition kaum in Gang“, sagt er. „Die versprochenen Studentenwohnungen werden dringend benötigt, der Senat muss endlich liefern.“

Neubauten sind teuer

Neue Wohnungen für Studenten sind in Berlin in der Regel teuer. So kosten möblierte 21 Quadratmeter große Apartments im The Fizz Berlin an der Köpenicker Straße in Mitte ab 495 Euro monatlich. Nebenkosten sind dabei schon inklusive. Das The Fizz Berlin mit 212 Einzel- und Doppelapartments wurde im vergangenen Jahr fertiggestellt. In Oberschöneweide entstehen an der Wilhelminenhofstraße zurzeit 148 Apartments, die später für einen Mietpreis „um die 400 Euro“ monatlich angeboten werden sollen – ebenfalls inklusive aller Nebenkosten. 2016 sollen die Unterkünfte fertig sein.