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Neuer Polizeipräsident Klaus Kandt: "Polizisten müssen raus auf die Straße"

Berlins neuer Polizeipräsident Klaus Kandt
Berlins neuer Polizeipräsident Klaus Kandt
Foto: Berliner Zeitung/Markus Wächter
Berlin –  

Klaus Kandt wurde am Montag zum Polizeipräsidenten von Berlin ernannt. Im Interview danach spricht er über seine Pläne, die öffentliche Präsenz der Polizei, Gewalt im Fußball und die Sicherheitslage in Berlin.

Nach anderthalb Jahren hat Berlins Polizei wieder einen Chef. Klaus Kandt erhielt am Montag von Innensenator Frank Henkel seine Ernennungsurkunde.

Herr Kandt, das Amt war lange unbesetzt. Haben Sie eine Vorstellung davon, was Sie vorfinden werden?

Mir gefällt, dass die Polizei Berlin eine sehr professionelle Hauptstadtpolizei ist, die sehr gefordert aber dadurch gut in Übung ist. Es gibt natürlich immer Dinge, die man verbessern kann. Nach anderthalb Jahren Vakanz auf diesem Posten ist ein gewisser Entscheidungsstau entstanden. Aber es ist eine funktionierende Polizei.

Mit Vize-Präsidentin Margarete Koppers, die die Behörde kommissarisch geleitet hat, werden Sie weiter zusammenarbeiten?

Natürlich. Ich freue mich darauf. Sie ist eine tolle Frau, die eine Menge geleistet hat.

Als Polizeipräsident stehen Sie in der Öffentlichkeit. Wie gefällt Ihnen das?

Die Bedingungen hier sind nicht leicht. Man verliert ein Stück Privatleben. Die Familie muss das natürlich auch mittragen. Zudem ist Berlin sehr politisch, denken wir nur an das Demonstrationsgeschehen rechts-links, so dass man auch schnell mal unter Beschuss kommen kann. Aber ich habe immer die Herausforderung gesucht.

Klaus Kandt ist 52 Jahre alt und wurde in Baden-Württemberg geboren. Er ist verheiratet, hat zwei Kinder und wohnt in Zehlendorf. Kandt begann seine Laufbahn beim Bundesgrenzschutz.

Später war er unter anderem Teamführer beim Berliner SEK und leitete dann die Spezialeinheiten im LKA Brandenburg.

Er war Polizeipräsident in Frankfurt (Oder) und in Potsdam und leitete zuletzt die Bundespolizeidirektion Berlin. Im Ausschreibungsverfahren um den seit anderthalb Jahren in Berlin freien Chefposten setzte er sich gegen vier Mitbewerber, darunter Vize-Präsidentin Margarete Koppers, durch.

Sie leiten mit 22 000 Mitarbeitern die größte Polizei Deutschlands. Dafür bekommen Sie rund 7 700 Euro im Monat plus Zuschläge. Jeder Manager einer vergleichbar großen Firma verdient ein Vielfaches. Warum tun Sie sich das an?

Wenn Sie reich werden wollen, dürfen Sie nicht in den öffentlichen Dienst gehen. Ich war noch nie übermäßig materiell orientiert. Ich hatte auch immer Glück, das machen zu können, was mir Freude bereitet hat und hatte auch immer Erfolg, weil ich das mit Leidenschaft gemacht habe.

Was werden Sie als Erstes tun?

Immer wenn man wechselt, ist es das Gleiche: Man muss sich organisieren, Termine planen, den ganzen logistischen Kram wie neues Handy, E-Mail-Anschluss und all die Dinge erledigen. Dann gibt es die Begrüßungsrunden. Am Dienstag kommen zum Beispiel die Direktionsleiter. Dann möchte ich die ganzen Bereiche kennenlernen, die Personalvertretungen und Arbeitskontakte herstellen.

Im Koalitionsvertrag wird Bürgernähe als eines der Ziele aufgeführt. Wie wollen Sie das umsetzen?

Das geht nur über körperliche Präsenz wie Streifen zu Fuß und per Fahrrad. Polizisten müssen auf den Straßen sichtbarer werden. Es ist erwiesen, dass die Polizei auf der Straße öfter angesprochen wird als in den Abschnitten.

Seit Jahren beklagen Personalvertreter und Polizisten, dass es zu wenig Personal gibt. Wie viele Sparwellen stehen noch an?

Die Berliner Polizei ist schon bis auf ein unterstes Limit heruntergespart. Deshalb stellen wir jetzt wieder mehr ein. Als Behördenleiter wünsche ich mir immer, mehr Beamte zu haben. Aber Berlin ist arm, so dass wir schauen müssen, was machbar ist.

Haben Sie schon mal einen 1. Mai in Berlin erlebt?

Ich war am 1. Mai 1987 als SEK-Beamter dabei, als es zum ersten Mal Ausschreitungen gab. Das war ein einschneidendes Erlebnis. Auch in den Folgejahren war ich an diesem Tag eingesetzt; und auch bei der Bundespolizei hatte ich damit zu tun. Ich sehe hier eine 25-jährige Entwicklung der Berliner Polizei. Sie hat ihre Taktik und ihre Ausrüstung immer weiter optimiert. Die Stadt ist auch aufgewacht, die Anwohner haben genug davon, sich ihren Kiez kaputtmachen zu lassen. Der 1. Mai ist immer noch nicht völlig befriedet, aber es ist viel passiert.

Das heißt, Sie werden keine größeren Änderungen an der Polizeitaktik vornehmen?

Bei einer Taktik, die sich über 25 Jahre entwickelt und bewährt hat, gibt es keinerlei Anlass dafür.

In der Stadt brodelt es aber auch noch an anderen Stellen.

Bei der Fußballgewalt wird sich wohl kurzfristig nicht viel ändern, weil die Konstellation von Hooligans und Alkohol so ist, wie sie ist. Wir werden dies auch weiter zusammen mit den Vereinen konsequent verfolgen. Es gibt die Gewalt in den Wochenendnächten im Zusammenhang mit Alkohol und einer Feierkultur in dieser Stadt, so nenne ich das jetzt mal. Der Alexanderplatz ist da ein herausragendes Beispiel aber nicht das Einzige. Dann gibt es natürlich rechte und linke Gewalt, die relativ stabil ist. Und es gibt eine islamistische Szene, ein Potenzial, wo man hinschauen muss.

Ist Berlin im internationalen Vergleich eine sichere Stadt?

Deutschland ist ein sehr sicheres Land. Berlin ist sicherlich höher belastet mit Kriminalität. Das hat aber auch mit der Großstadtlage zu tun. Aber im europäischen Vergleich ist Berlin sicher.

Als Sie noch Chef der Bundespolizei in Berlin waren, sind Sie jeden Tag mit Ihrem Rennrad von Zehlendorf nach Schöneweide zur Arbeit geradelt. Behalten Sie das bei?

Das werde ich wohl. Das ist ein super Ausgleich und Stressabbau. Beim Radfahren erlebt man die Umwelt ganz anders als im Auto. Man sieht, wie die Stadt so tickt und wie die Leute sich verhalten.

Das Gespräch führte Andreas Kopietz

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