blz_logo12,9

Neuer Standort für erneuerbare Energien: In Marzahn entsteht das größte Industriegebiet Berlins

Zwischen Großsiedlung Hohenschönhausen (oben) und Gewerbegebiet Wolfener Straße (unten) befand sich das Klärwerk. Das Areal ist jetzt Industriepark.

Zwischen Großsiedlung Hohenschönhausen (oben) und Gewerbegebiet Wolfener Straße (unten) befand sich das Klärwerk. Das Areal ist jetzt Industriepark.

Foto:

Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf

In Berlin kommt es nicht oft vor, dass unendlich weite Ödnis einen Anlass zum Feiern bietet. Zwischen neu asphaltierten Straßen mit breiten Bürgersteigen erstreckt sich nördlich der Bitterfelder Straße in Marzahn plattes Land, auf dem sich meterhohes Unkraut breit macht. Insgesamt 90 Hektar Fläche. Und darauf ist der Wirtschaftsstadtrat des Bezirks, Christian Gräff (CDU), auch noch stolz.

„Das ist der neue Cleantech Business Park. Das Land Berlin hat hier eine hochwertige Industriefläche erhalten“, sagt Gräff. Das Gelände, immerhin etwa 120 Fußballfelder groß, sei das größte zusammenhängende Industriegebiet Berlins. Der Stadtrat hat am Mittwoch dort einen Informationspavillon eröffnet. Der ist innen zwar fertig, doch die grüne Fassade ist nicht montiert.

Die soll in ein paar Tagen dran sein, damit sich in dem Pavillon potenzielle Investoren über den Industriepark informieren können und darüber, welche Möglichkeiten sie auf dem Gelände haben. Wie Gräff sagt, dürfen sich ausschließlich Unternehmen ansiedeln, die sich mit erneuerbaren und umweltfreundlichen Energien beschäftigen und auch dort produzieren. Logistikzentren oder reine Forschungseinrichtungen sind nicht erlaubt.

Schutzzone für gefährliche Stoffe

Dafür aber Industrieunternehmen, die mit gefährlichen Stoffen und Materialien arbeiten und daher den Seveso-Richtlinien zur Verhütung von schweren Betriebsunfällen unterliegen. Für sie wurde im Zentrum des Gebiets eine Schutzzone ausgewiesen, die mindestens 400 Meter Abstand zur Park-Grenze einhält.

Für Henner Bunde, den Staatssekretär in der Wirtschaftsverwaltung, ist der Cleantech-Park kein beliebiger Industriepark. Die Clean Technologies, die energie- und ressourcenschonenden Technologien, seien ein Baustein der modernen und smarten Metropole Berlin, sagt er. Auf dem Areal könnten künftig Arbeitsplätze für mehr als 3 000 Menschen entstehen.

Die Idee für den Cleantech Business Park gibt es seit acht Jahren. Denn die Berliner Wasserbetriebe benötigten das Klärwerk Falkenberg an der Bitterfelder-/Ecke Hohenschönhauser Straße nicht mehr zur Wasseraufbereitung. 2009 wurden dem Bezirk Fördermittel in Aussicht gestellt, die Unterlagen und Planungen für den Industriepark füllen inzwischen acht dicke Ordner. Vor drei Jahren begannen die Arbeiten: Das alte Klärwerk wurde abgetragen, die Berliner Wasserbetriebe betreiben dort in einem Gebäude lediglich noch ihre Kanalbetriebsstelle. 63 Gebäude wurden abgerissen, der Boden saniert und 10 000 Lkw-Ladungen Bauschutt abgefahren.

Der Preis soll den Unterschied machen

Insgesamt 48 Millionen Euro sollte das alles kosten. Die werden nicht vollständig gebraucht. 38,5 Millionen Euro werden laut Gräff am Ende verbaut sein, davon sind 33 Millionen Euro Fördermittel von Europäischer Union und dem Bund. Der neue Industriepark ist Teil des Industrie- und Gewerbegebiets Eastside, das sich von der Landsberger Allee bis fast nach Ahrensfelde erstreckt.

Mehr als 2500 Unternehmen, darunter Coca-Cola, Niles, Knorr-Bremse und Inventux sind dort ansässig. Zuletzt haben weitere Unternehmen mehrere 10.000 Quadratmeter große Grundstücke erworben. Dazu zählt die Firma Scansonic, die Systemtechnik etwa für die Autoindustrie sowie die Medizinbranche produziert. Auch die Firma Flexim Flexible Industriemesstechnik, ein führender Anbieter von Ultraschall-Durchflussmessgeräten, zieht nach Marzahn.

Ähnliche Erfolge will der Bezirk mit dem Cleantech Business Park feiern, der den Firmen nahezu uneingeschränkte Möglichkeiten zur Expansion bietet. Insbesondere punktet Marzahn mit dem Preis: Während Flächen am künftigen Großflughafen wenigstens 100 Euro pro Quadratmeter kosten, sind es in Marzahn etwa 60 bis 70 Euro. Mit einigen Interessenten verhandelt der Bezirk bereits über eine Ansiedlung. Eine Firma kommt aus Russland, viele aus Deutschland. Namen will Gräff nicht nennen. Denn offiziell dürfen die Grundstücke – mindestens 5 000 Quadratmeter groß – erst ab 1. Januar 2016 verkauft werden.

Auch die Verkehrserschließung spielt für die Unternehmen eine wesentliche Rolle. Die Anbindung ist laut Gräff gut, könnte aber noch besser sein. So will der Senat ab 2016 die vier Marzahner Brücken erneuern. Dafür stehen 35 Millionen Euro zur Verfügung, auch die Zufahrt zum Industrieareal wird verbessert. Zudem kommt wieder Bewegung in die Debatte um eine Ortsumfahrung in Ahrensfelde: Denn auf der neuen Straße gelangen Autofahrer deutlich schneller zur Autobahn.