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Neuerung bei der BVG: Platzreservierungen ab Mai auch im Bus

Die BVG-App macht es möglich: Auch in den Bussen der Linie 100 können Fahrgäste vorab ihren Platz buchen. Doch nicht jeder hat die gleiche Chance.

Die BVG-App macht es möglich: Auch in den Bussen der Linie 100 können Fahrgäste vorab ihren Platz buchen. Doch nicht jeder hat die gleiche Chance.

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Berliner Zeitung/Max Lautenschläger

Immer mehr Menschen ziehen nach Berlin, der Tourismus in der Stadt boomt. Das schlägt sich auch in den Fahrgastzahlen der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) nieder: Sie steigen unaufhaltsam. Nun bedient sich das Unternehmen neuer Techniken, um den Andrang besser steuern zu können.

Die erst vor wenigen Monaten aktivierte BVG-App kann künftig auch dazu genutzt werden, Plätze im Bus zu reservieren. Am 5. Mai beginnt ein Pilotprojekt, das zunächst für vier Strecken Platzreservierungen ermöglicht. Im Osten wird die Technik auf der Linie 192 erprobt, im Westen auf der 204. Im Zentrum wird es auf den Linien TXL und 100 reservierte Plätze geben – aber vorrangig für Touristen.

Die neue BVG-App ist bereits ein großer Erfolg. Sie gewährt Smartphone-Besitzern den Zugang zu vielen Informationen und Dienstleistungen. Ob Fahrverbindungen, Tarifhinweise oder Stadtpläne: „Unsere App ist der Schlüssel zum Berliner Nahverkehr“, so Wilfried Kremer von der BVG.

Demnächst wird die Gratis-Software auch der Garant für ein entspannteres Fahrerlebnis sein. Kremer: „Ab Mai gibt es eine wichtige neue Zusatzanwendung: Platzreservierungen in Bussen. Dann können die Fahrgäste sicher sein, immer einen Sitzplatz zu bekommen.“ Bei der Bahn und im Luftverkehr gibt es diesen Service schon lange.

Und so wird es bei der BVG gemacht: In allen Bussen der einbezogenen Linien können zwei Drittel der Sitzplätze gebucht werden. Einfach auf dem Sitzplan, der auf dem Handy-Display aufleuchtet, freie Sitze antippen, bestätigen – fertig! „Nach vollzogener Buchung erscheinen auf den Anzeigen, die zwischen den Sitzen angebracht werden, entsprechende Hinweise“, so Kremer. Für die anderen Fahrgäste sind die Sitze dann tabu. „Es ist möglich, bis zehn Minuten vor dem Zustieg Plätze zu reservieren. Das kann dazu führen, dass Fahrgäste, die sich dort niedergelassen haben, aufstehen müssen. Unser Personal ist ermächtigt, dies durchzusetzen.“

Für die BVG bietet die Technik die Möglichkeit, ihr knapper werdendes Angebot noch besser der Nachfrage anzupassen, ohne es ausweiten zu müssen. „So müssen wir auf Buslinien, die besonders stark von Touristen genutzt werden, leider immer wieder feststellen, dass Berliner und Brandenburger große Teile der Plätze besetzen“, sagte Werner Fischbein vom BVG-Referat Angebotssteuerung. „Von der Tourismusgesellschaft Visit Berlin haben wir viele Rückmeldungen, dass sich Touristen darüber ärgern. Das können wir nicht länger hinnehmen – auch weil der Berlin-Tourismus ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist.“

Betroffen sind unter anderem die Linien 100 (Zoo – Alexanderplatz) und TXL (Alexanderplatz – Flughafen Tegel). Darum werden diese Strecken in das Pilotprojekt einbezogen. „Da für das Herunterladen der App eine Identifikation erforderlich ist, können wir anhand der Daten sicherstellen, dass die Sitze vorrangig Touristen und anderen Auswärtigen zur Verfügung gestellt werden“, sagte Fischbein. Im konkreten Fall kann das bedeuten, dass Berliner und Brandenburger die Sitze verlassen müssen. Selbstverständlich werden sie weiterhin befördert – soweit Platz ist. „Stehplätze, Buslinien wie die 128 oder X9 und auch die S-Bahn stehen ihnen unverändert zur Verfügung“, hieß es.

Schüler sollen zu Fuß gehen

Auf der Buslinie 192, die vom S-Bahnhof Friedrichsfelde Ost zum S-Bahnhof Marzahn führt, erprobt die BVG ein anderes Modell. „Unsere Marktforschung hat ergeben, dass dort viele Inhaber des Seniorentickets VBB-Abo 65 plus unterwegs sind“, sagte Fischbein. „Darum werden rund 55 Prozent der Sitzplätze ausschließlich Senioren zur Verfügung stehen, sie können nur von ihnen gebucht werden. Junge Leute und andere Fahrgäste unter 65 werden wir auf andere Strecken, etwa die Linien X 69 und 194 verweisen.“ Schüler könnten auch parallel verlaufende Radrouten und Fußwegverbindungen nutzen. Die Europäische Union fördert diesen Teil des Projekts aus dem Programm „Assistance for Aging Population“ (APP).

Auf der Linie 204, die im Westen die Bahnhöfe Zoo und Südkreuz miteinander verbinden, wird es dagegen keine Differenzierungen geben. Fischbein: „Dort hat jeder Fahrgast dieselbe Chance.“

Die BVG will zusätzlich ein neues Fahrpreismodell erproben, das aber befristet werden soll. „In diesem Sommer kosten die Reservierungen 50 Cent. Der Zuschlag wird per Kreditkarte abgerechnet“, sagte er. Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) begrüßte die Initiative der BVG. „Die Fahrgastzahlen sind kontinuierlich gestiegen. Wir sind verpflichtet, darauf zu reagieren.“

Update, 02.04.2014: April, April! Auch weiterhin gibt es in BVG-Bussen freie Platzwahl – sofern dort nicht schon andere Fahrgäste sitzen.