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Berliner Zeitung | Neues Hochhaus in der City West: Hoch, höher, Upper West
25. June 2014
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Neues Hochhaus in der City West: Hoch, höher, Upper West

So soll es sein: Simulation des Upper West am Breitscheidplatz. Der Turm soll Berlins dritthöchstes Gebäude werden.

So soll es sein: Simulation des Upper West am Breitscheidplatz. Der Turm soll Berlins dritthöchstes Gebäude werden.

Foto:

KSP Jürgen Engel Architekten

Polier Dietmar Kurde murmelte etwas von dem Segen, der über dem Bau liegen mögen, und dass es doch bitte keinen Unfall geben solle, schon bugsierte ein Kran einen Betonklotz, gespickt mit Geldmünzen, Bauplänen und Zeitungen vom Tage, in die mächtige, 16 Meter tiefe Baugrube. Mit diesem traditionellen Akt wurde am Mittwochvormittag der Grundstein gelegt für das Upper West am Breitscheidplatz, gleich am Eingang der Kantstraße. Der Neubau gilt nach der Restaurierung von Zoo Palast und Bikini-Haus als weiterer Meilenstein bei der Wiederauferstehung der City-West nach Jahren des Niedergangs.

1000 Quadratmeter Skybar

Schon die nackten Zahlen des Upper West sind in der Tat beeindruckend. Auf dem 3400 Quadratmeter großen Grundstück sollen 53.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche entstehen, verteilt auf einen achtstöckigen Riegelbau zu Breitscheidplatz und Kudamm hin und einen 118 Meter hohen Turm, dessen Seiten an der Kantstraße und der Joachimstaler Straße liegen.

Der Riegel soll auf drei Etagen Einzelhandelsfläche enthalten (5500 Quadratmeter), der Turm mit seinen 34 Stockwerken und einer 1000 Quadratmeter großen Skybar auf der Spitze zur Hälfte ein Hotel werden. Die Restflächen sollen als Büros vermietet werden. Das Investitionsvolumen beträgt nach Angaben der Bauherren, der Strabag Real Estate, mehr als 250 Millionen Euro.

Auf die städtebauliche Bedeutung des neuen hohen Hauses wies am Mittwoch auch Senatsbaudirektorin Regula Lüscher hin, die wie die übrigen Gäste der Grundsteinlegung durch Zelte vor dem Regen geschützt war. Und sie erinnerte an den langen Vorlauf, den dieses Bauvorhaben bis heute gehabt hat, und auch welche Bauchschmerzen ihr der Abriss des denkmalgeschützten Schimmelpfenghauses an selber Stelle bereitete.

Bereits 1999 zog der Senat die Planungen an sich und setzte – gegen den ausdrücklichen Wunsch des Bezirks übrigens – den Hochhausbau durch. Ein Jahr später gewann Architekt Christoph Langhof den Fassadenwettbewerb. Sein Entwurf, der viele Schwünge und Rundungen enthielt, überlebte über die Jahre, an Details wurde jedoch immer wieder gearbeitet. Auch mit dem Senat. Dabei ging es zum Beispiel darum, „wie rund eine runde Ecke sein darf oder wie eckig sie sein muss“, erzählte Lüscher. Das Ergebnis, so sagte sie, sei „eine Landmark, eine Idee, die durch ihre Höhe und Vertikalität bestehen kann“.

Keine Aussichtsterrasse

Schön gesprochen, doch möglich wurde der Bau erst, als der Hauptmieter gefunden war. Die Billighotelkette Motel One will darin ein Hotel mit 585 Zimmern führen. Erst als dieser Vertrag unterzeichnet war, wurde vor einem Jahr mit dem Ausschachten begonnen. Nun soll schon bald die Bodenplatte gesetzt und dann mit dem Hochbau begonnen werden. Fertig soll das Gebäude im Jahr 2017 sein, hieß es.

Dieter Müller, Gründer und Inhaber von Motel One, sagte, er freue sich schon aufs neue Haus. Es wäre das zehnte seines Konzerns in der Stadt. Nummer neun soll im Herbst im neuen Riesen-Einkaufszentrum an der Leipziger Straße in Mitte an den Start gehen. „Wenn das Upper West so weit ist, kommen wir in Berlin auf etwa 3000 Zimmer. Das ist eine sehr gute Zahl.“

Wenn es nach Marc Schulte gegangen wäre, hätte der Neubau auch eine öffentliche Aussichtsterrasse bekommen. Doch der Baustadtrat von Charlottenburg-Wilmersdorf hat sich nicht durchsetzen können. „Das wäre ein tolles Zeichen gewesen. Immerhin wird die Skybar ein halb-öffentlicher Ort. Uns ist versichert worden, dass kein Luxustempel geplant ist“, sagte der SPD-Politiker. Dennoch hat der Bezirk in der Terrassenfrage erneut verloren, wie schon beim Haus gegenüber, dem Zoofenster mit dem Waldorf Astoria. Dort gibt es oben nur super-teure Hotelzimmer. So kostet die Ambassador Suite aktuell 2810 Euro pro Nacht. Zum Vergleich: In vielen Motel-One-Häusern gibt es Zimmer ab 72 Euro.

Der Umbau des Quartiers ist mit dem Upper West noch nicht beendet. Bereits nächsten Monat startet der Architekturwettbewerb für das neue Gebäude, das anstelle des Beate-Uhse-Hauses (früher Leineweberhaus) an der Joachimstaler Straße entstehen und sich bis zur Hardenbergstraße ziehen soll. Und wieder ist der Bezirk nur zweiter Sieger. „Wir hätten gerne einen besonderen Bau gesehen, eine besondere Kubatur. Doch der Investor Hines will schnell bauen – und das geht nur einfach“, sagte Stadtrat Schulte.