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Neues Orang-Utan-Baby im Berliner Zoo: Eine neue Familie für das Affenbaby

Noch mit Nabelschnur: Das Affenbaby kurz nach der Geburt am 12. Januar.

Noch mit Nabelschnur: Das Affenbaby kurz nach der Geburt am 12. Januar.

Foto:

Zoo Berlin

Berlin -

Ein zusammengedrehtes Handtuch, das aussieht wie eine Wurst – so ein schnödes Ding ist der zurzeit wichtigste Gegenstand im Leben des frisch geborenen Orang-Utan-Babys im Zoo. „Daran klammert sich das Affenmädchen fest, das ist seine Ersatzmutter“, sagt Tierarzt Andreas Schüle.

Vor gut einer Woche kam das Jungtier im Zoo zur Welt, seine Mutter Djasinga zeigte sich kurz nach der Geburt dermaßen uninteressiert an ihrem ersten Kind, dass die Tierärzte entschieden, den Menschenaffen mit der Hand aufzuziehen.

Versorgung rund um die Uhr

Und so versorgt ein vierköpfiges Team aus Tierärzten und Pflegern das Affenbaby seitdem rund um die Uhr. „Dem Jungtier geht es gut, es wächst und gedeiht, die Portionen werden immer größer“, sagte Tierpfleger Christian Aust am Montag. Tagsüber steht die Kiste mit dem Affenbaby, das am Donnerstag einen Namen bekommen wird, im Aufenthaltsraum der Pfleger im Menschenaffenhaus. Das Jungtier soll sich dort an die Geräusche der anderen Orang-Utans gewöhnen. Nachts tragen die Pfleger das Tier in eine Dienstwohnung der Pfleger oder in eine Gästewohnung des Zoos, füttern es dort nachts weiter und wechseln die Windeln.

Schlafen, trinken, schlafen, trinken – die ersten Tage des neugeborenen Menschenaffen unterscheiden sich kaum von denen eines menschlichen Babys. In den ersten Tagen saugte das Tier fünf bis zehn Milliliter Frühchenmilch aus der Flasche, mittlerweile sind es 30 Milliliter, die das Affenbaby wegnuckelt. „Das Tier ist sehr geräuschempfindlich, manchmal zuckt es von seinem eigenen Schmatzen zusammen“, sagt Tierpfleger Aust. „Und wenn es satt ist, schläft es sehr schnell ein und hat einen festen Schlaf.“

Doch nach zwei bis drei Stunden wird das Tier wieder wach. Die Ziehväter haben ein Babyfon neben der Affenkiste stehen, so hören sie jedes Geräusch des Affenmädchens. „Sie wimmert anfangs leise, dann wissen wir, sie hat Hunger.“ Zum Füttern nehmen die Pfleger das Tier aus der Kiste, eine Fütterung dauert bis zu einer halben Stunde – Körperkontakt und Körperwärme seien wichtig, sagt Aust. Einmal am Tag untersuchen Tierärzte die Atmung und die Herzfrequenz des Tieres, medizinisch behandelt werden musste es nicht.

Fernab der Öffentlichkeit

Die Zoo-Leitung hat entschieden, das Affenjunge noch abgeschottet von der Öffentlichkeit aufzuziehen – aus Schutz vor Krankheitskeimen und Infektionen. Lediglich Fotos, die die Pfleger von dem Tier gemacht haben, werden derzeit veröffentlicht. Entgegen einer bisher weit verbreiteten Aufziehpraxis von Menschenaffen wird das Affenbaby auch nicht mit seinen Pflegern durch den Zoo oder über den Kudamm spazieren – das Tier soll nicht vermenschlicht werden. Die nun praktizierte Handaufzucht sei ein Notfall gewesen, sagt Tierpfleger Aust. „Wir hätten uns gewünscht, dass das Jungtier bei der Mutter bleibt.“ Vier Monate kann die Handaufzucht nun dauern.

Ob das Affenjunge dann im Berliner Zoo bleiben wird oder möglicherweise in einen anderen Tierpark mit weiteren Affenjungen integriert wird, das entscheidet die Zoo-Leitung gemeinsam mit dem Koordinator des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms für Orang-Utans in Karlsruhe, Clemens Becker. Schon einige Male haben die Pfleger den Orang-Utans im Affenhaus das Affenbaby gezeigt. Es soll seine Artgenossen bald näher kennenlernen. Auch seine Mutter.