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Berliner Zeitung | Neues Wohnungsportal gestartet: Online-Auktionshaus "Smmove" versteigert Mietwohnungen in Berlin
01. April 2015
http://www.berliner-zeitung.de/1439056
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Neues Wohnungsportal gestartet: Online-Auktionshaus "Smmove" versteigert Mietwohnungen in Berlin

Berlin braucht die Mietpreisbremse, weil die Nachfrage nach Wohnungen das Angebot übersteigt.

Berlin braucht die Mietpreisbremse, weil die Nachfrage nach Wohnungen das Angebot übersteigt.

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Berliner Zeitung/Markus Wächter

Die Revolution auf dem Wohnungsmarkt blieb erstmal aus. Ganze sieben Wohnungen in Berlin wies das neue Internet-Portal Smmove in Berlin aus, das am Mittwoch in Deutschland online ging. Nach Angaben von Smmove-Geschäftsführer Alexander Kanellopulos wurden bislang rund 3500 Wohnungsangebote auf den Server geladen, in Städten von Altena über Gelsenkirchen bis Wiesbaden. Den eingeführten Immobilien-Online-Angeboten fügt Smmove bei seinem Konzept einen Schuss Ebay hinzu: Interessierte Mieter sollen wie bei der Auktionsplattform Mietwohnungen ersteigern können.

Das gefällt dem Mieterverein überhaupt nicht, weil das die ohnehin steigenden Mieten in Berlin weiter nach oben treiben werde. Das müsse aber gar nicht sein, entgegnet Kanellopulos. Der Vermieter gibt auf der Webseite eine Wunschmiete an, „und die kann ein Interessent ja auch unterbieten, wenn ihm die Wohnung zu teuer vorkommt“. So werde für den Vermieter deutlich, was auf dem Markt an Mietforderungen realistisch sei.

Vermieter darf entscheiden

Am Mittwoch war mangels Angebot und Nachfrage noch nicht zu sehen, wie sich der Preisgestaltungsprozess in Berlin auf dem neuen Portal gestalten wird. Durch Unterbieten vom Mietforderungen einen Vermieter zu einem Mietvertrag zu überreden, wäre nach allen Erfahrungen auf bei dem zu knappen Angebot jedenfalls eine Novität. Kanellopulos hatte aber ein Beispiel aus Frankfurt/Main zur Hand, wo für zwei Zimmer im Ortsteil Sachsenhausen 520 Euro Nettokaltmiete verlangt werden, der erste Auktionsteilnehmer aber nur 515 Euro zahlen will.

Aus den Allgemeinen Geschäftsbedingungen von Smmove geht jedoch hervor, dass wie bei allen Auktionen auf das höchste Gebot spekuliert wird. Während und nach der Preisfindungsphase werden dem Vermieter zwar sämtliche Mietinteressenten präsentiert, die fünf Höchstbietenden aber besonders hervorgehoben und dem Vermieter als die „smmove Top 5“ angezeigt. Nach Ablauf der Preisfindungsphase können nur noch diese „smmove Top 5“ den Vermieter direkt kontaktieren. Es bleibt dem Vermieter letzlich überlassen, welchen Mietinteressenten er auswählt und ob er ihn über einen Videochat oder bei einer Wohnungsbesichtigung kennenlernt, wozu der Mieterverein dringend rät.

Die in Berlin angebotenen sieben Wohnungen liegen sämtlich in Stadtrandlagen wie Reinickendorf und werden vom Wohnungsunternehmen Deutsche Annington angeboten, die zu den „Ankervermietern“ des neuen Portals gehört. Die Wunschmieten bewegen sich inklusive Nebenkosten um die 9 Euro pro Quadratmeter aufwärts, die der Vermieter professionell mit schönster Exposéprosa rechtfertigt, etwa der „Badewanne, in der Sie sich hervorragend entspannen können“ oder der Küche, „in der Ihrer Kreativität keine Grenzen gesetzt sind“.

Für eine 50-Quadratmeter-Zweizimmer-Souterrainwohnung in Siemensstadt werden 456 Euro Miete verlangt, plus Heizkosten. Dafür gibt es ein „großzügiges“ Schlafzimmer von 13 Quadratmetern Größe. Die Angebote sind sparsam bebildert, Grundrisse fehlen meist.

In den nächsten Wochen soll das Smmove-Angebot in Berlin auf 250 bis 500 Wohnungen aufgestockt werden, verspricht der Smmove-Chef, der offenbar auf ein internetaffines junges Publikum zielt, das mit dem hemmungslosen Duzen im Netz vertraut ist. Wohnungen kann sich jeder Nutzer auf der Webseite anschauen, für die Teilnahme an der Auktion und alles Weitere muss man sich mit persönlichen Daten registrieren und der Überprüfung seiner Bonität durch eine Wirtschaftsauskunftei zustimmen. Die schickt dem Vermieter die Auskunft über die Zahlungsfähigkeit eines Bewerbers in Form einer Ampel. Wessen Bonitäts-Ampel Gelb oder Rot zeigt, dürfte keine Chancen haben – ganz wie bei der herkömmlichen Wohnungsvermittlung per Makler.