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Neukölln: Zwei abgetrennte Schweineköpfe vor Moschee entdeckt

Ender Cetin, Vorsitzender der Gemeinde der Sehitlik-Moschee.

Ender Cetin, Vorsitzender der Gemeinde der Sehitlik-Moschee.

Foto:

Paulus Ponizak

Berlin -

Zum wiederholten Male ist die Sehitlik-Moschee in Neukölln zum Ziel einer islamfeindlichen Attacke geworden. Ein Mann, der das Gebäude am Columbiadamm in der Nacht zum Sonnabend betreten wollte, entdeckte im Eingangsbereich zwei abgelegte Schweineköpfe und alarmierte die Polizei. Täter konnten bisher nicht ermittelt werden, teilte die Polizei mit.

Der Vorstandsvorsitzende der Moschee-Gemeinde, Ender Cetin, sagte am Sonntag der Berliner Zeitung: „Wir empfinden diese Attacke als große Beleidigung. Wir sind in großer Sorge.“ Das Schwein gilt im Islam als unreines Tier, sein Fleisch dürfen Muslime nicht essen.

Der Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen. Nach Berichten von Gemeindemitgliedern sollen die Köpfe in einer Blutlache gelegen haben. Die Polizei äußerte sich aus ermittlungstaktischen Gründen dazu nicht.

Mit der jüngsten Attacke setzt sich die Reihe von Angriffen gegen Berlins größtes muslimisches Gebetshaus fort. In der Vergangenheit hatten Unbekannte die Moschee mehrfach mit Farbbeuteln beworfen, sie wurde viermal Ziel von Brandanschlägen.

Gewaltdrohungen

Im Februar 2012 hatten Vorstandsmitgliedern einen neun Seiten langen Drohbrief erhalten. Sie wurden darin aufgefordert, innerhalb von sechs Monaten Deutschland zu verlassen. Sollten sie dem nicht nachkommen, wurde mit Gewalt gedroht. Die Muslime würden dann „nicht mehr sicher leben“, zitieren Betroffene aus dem Brief.

Die Sehitlik-Gemeinde zählt mit 3000 Mitgliedern zu den größten islamischen Gemeinden der Stadt. Viele Gläubige reagieren nun zunehmend verunsichert auf die erneuten islamfeindlichen Angriffe. „Wir brauchen einen Wachschutz“, sagt Ender Cetin. Weil seine Gemeinde diesen Schutz nicht finanzieren könne, richtet sich seine Bitte an den Senat und die Berliner Politik.

Dort wird die Sehitlik-Moschee wegen ihrer integrativen und fortschrittlichen Arbeit immer wieder gelobt. Politiker, Schulklassen, Polizisten, Studenten und Touristen nehmen an Führungen teil. Nach Bekanntwerden der Drohbriefe im Februar kam Integrationssenatorin Dilek Kolat zum Freitagsgebet. Es war ihr Zeichen der Solidarität.