blz_logo12,9

Nolympia-Bündnis Berlin: Protest gegen Olympia-Bewerbung

Sex, Bademeister, offene Grenzen – die Olympia-Gegner wollen andere Dinge lieber als ein Sportfest.

Sex, Bademeister, offene Grenzen – die Olympia-Gegner wollen andere Dinge lieber als ein Sportfest.

Foto:

Berliner Zeitung/Benjamin Pritzkuleit

Es ist zurzeit gar nicht so einfach, Berlins Regierendem Bürgermeister per Kundgebung etwas mitzuteilen. Demonstrationen vor dem Roten Rathaus sind nicht möglich, die U5-Baustelle ist im Weg. Klaus Wowereit hätte sich am Montag darum schon sehr recken müssen, um aus seinem Amtszimmer die zwanzig Demonstranten am Neptunbrunnen überhaupt zu sehen. Und er hatte schon gar keine Chance zu erkennen, was sie eigentlich wollten, denn alle wendeten ihm den Rücken zu und zeigten ihm auch nur die Rückseite ihrer Transparente. Das ist schade, denn das Thema der Kundgebung war interessant und wichtig: Die kleine Versammlung war der erste öffentliche Protest gegen Berlins mögliche Olympia-Bewerbung, die an diesem Dienstag den Senat beschäftigt.

Aufgerufen hatte das vor drei Wochen gegründete Nolympia-Bündnis, dem unter anderem die Naturfreunde, die Abgeordnetenhausfraktion der Linken und seit Kurzem auch der Verein 100% Tempelhofer Feld angehören. Zu den Initiatoren gehört Judith Demba, die als Grünen-Abgeordnete Anfang der 90er-Jahre auch den Protest gegen Berlins Bewerbung um die Sommerspiele im Jahr 2000 anführte.

Lieber Spartakiade und Sex

In schwarzem Oberteil und grüner Hose lief Demba am Montag vor dem Neptunbrunnen herum und wirkte sehr vergnügt. Bei den Grünen – die sich noch nicht für oder gegen Olympia positioniert haben – ist sie schon lange nicht mehr, sie gehört jetzt der Linken an und ist Landesgeschäftsführerin der ihnen nahe stehenden Naturfreunde. Die Argumente der Olympia-Gegner von damals seien heute noch richtiger als früher, sagte sie. In London etwa hätten sich die Kosten vervielfacht. „Berlin braucht vieles, aber nicht Olympia“. Und was meint sie zum Diskussionspapier des BUND Berlin, der skizziert hat, wie nachhaltige Spiele in Berlin ausgerichtet werden könnten? „Ich finde diese Idee naiv. Berlin hätte es ja gar nicht in der Hand, wie die Spiele ablaufen und was dafür gebaut wird. Das bestimmt ja das Internationale Olympische Komitee.“

Keine Kompromisse also. Dafür taten die Aktivisten auf ihren Transparenten kund, was sie lieber hätten als Olympia: sanierte Schulen, Bildung, Bademeister, offene Grenzen, Hofgärten, Nulltarif im öffentlichen Nahverkehr, mehr Grünflächen, eine Spartakiade (so hießen die Jugendsportkämpfe in der DDR), Sex. Ein großes Wünschdirwas.

Auch eine Showeinlage gab es am Neptunbrunnen. In einem silbernen VW Caddy fuhren drei IOC-Mitglieder vor. Sie nahmen den Berliner Bären fest und führten ihn ab. Widerstand leistete der Bär nicht.

Der Senat wird an diesem Dienstag über den Fragenkatalog beraten, den der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) an die möglichen Bewerberstädte Hamburg und Berlin gerichtet hat. Seit Juni arbeiten mehrere Senatsverwaltungen an der Beantwortung der 13 Fragen, inzwischen liegt eine erste Bewerbungsskizze vor. Ende August wird Berlin die Broschüre mit seinen Antworten einreichen. Anfang Dezember entscheidet der DOSB dann, ob Deutschland sich überhaupt um Sommerspiele bewerben soll, ob für 2024 oder für 2028, und – so hoffen zumindest die Politiker in beiden Städten – ob Berlin oder Hamburg Kandidatenstadt werden soll.