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Berliner Zeitung | Notlandung im Nebel: Wildgänse sterben auf Autobahnen
16. November 2012
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Notlandung im Nebel: Wildgänse sterben auf Autobahnen

Nebelopfer: Tote Gans auf der A10 zwischen Genshagen und Rangsdorf.

Nebelopfer: Tote Gans auf der A10 zwischen Genshagen und Rangsdorf.

Foto:

Aireye Berlin/Brandenburg

Potsdam/Rangsdorf -

Zahlreichen Wildgänsen wurde in der Nacht zum Freitag dichter Nebel zum Verhängnis. Auf ihrem Flug verloren die Vögel die Orientierung und landeten auf Autobahnen und Straßen rund um Berlin. Dort wurden sie von Autos überfahren und getötet, wie die Polizei in Potsdam mitteilte. Menschen wurden nicht verletzt.

„Wildgänse orientieren sich auf kurzen Strecken meist über das Auge und fliegen auf Sicht. Durch den Nebel haben sich die Tiere aber verirrt und sind auf Autobahnen gelandet. Möglicherweise haben sie die nassen Straßen für eine Wasseroberfläche gehalten“, erklärte Lars Lachmann, Ornithologe beim Naturschutzbund. „Wenn die Sonne tief steht, reflektiert die Nässe das Licht.“ Auf langen Strecken orientieren sich Wildgänse dagegen weitgehend anhand des Erdmagnetfeldes.

Zahlreiche Tiere traf es bei ihrer Notlandung auf der B101, A 10, A115 und A24. Bis zum Freitagmittag gab es vier Einsätze, die durch Unfälle mit desorientierten Gänsen ausgelöst wurden. Die Polizeisprecherin Antje Conrads ergänzte, dass sich mit Sicherheit weitere ereignet haben, diese jedoch nicht in der Leitstelle gemeldet wurden.

Lachmann erklärte, dass sich derzeit einige Zugvögel rund um Berlin aufhalten. Die Vögel seien jedoch nur auf der Durchreise. Die Wildgänse kämen von ihren arktischen Brutplätzen und flögen zu ihren Überwinterungsplätzen am Niederrhein, in Belgien und den Niederlanden. Zwischen September und Anfang November rasten die Tiere in Berlin und Brandenburg. Hier gehen sie auf Nahrungssuche. Einer der größten binnenländischen Rastplätze befindet sich im havelländischen Linum.