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Notunterkünfte für Flüchtlinge in Berlin: Bezirksbürgermeister wollen Sporthallen wiederhaben

Berliner Bürgermeisten wollen die Sporthallen, die derzeit als Flüchtlingsunterkünfte genutzt werden, wieder freigeben.

Berliner Bürgermeisten wollen die Sporthallen, die derzeit als Flüchtlingsunterkünfte genutzt werden, wieder freigeben.

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imago/Michael Schick

Berlins zwölf Bezirksbürgermeister haben sich auf Grundsätze verständigt, wie die als Notunterkünfte genutzten Sporthallen wieder freigegeben werden sollen. „Wir unterstützen den Flüchtlingskoordinator Dieter Glietsch bei der Erarbeitung seines Plans, und es wird eine Zuarbeit der Bezirke geben“, sagte der Bürgermeister von Marzahn-Hellersdorf, Stefan Komoß (SPD), am Freitag der Berliner Zeitung.

Was wie eine Selbstverständlichkeit klingt, verdeutlicht doch einen Stimmungswandel: Bisher lagen Senat und Bezirke in der Flüchtlingsfrage im Streit. Der Senat warf den Bezirken vor, die Eröffnung neuer Unterkünfte zu verzögern. Die Bezirke warfen dem Senat vor, sie zu übergehen. Untereinander konnten sie sich aber nicht auf eine gemeinsame Haltung einigen. An der Sitzung des Rats der Bürgermeister am Donnerstag nahm Glietsch teil. Auch das trug offenbar dazu bei, die Blockade zu lösen.

Komoß sagte, die Bezirke erwarteten zunächst, dass sich der Senat an sein Versprechen halte, zukünftig keine Turnhallen mehr zu belegen. „Als Signal an die Bürger wünschen wir uns außerdem, dass in jedem Bezirk kurzfristig eine Halle wieder freigegeben wird“, erklärte er.

Derzeit werden in Berlin 60 der 1050 Sporthallen als Notunterkünfte genutzt, mehr als 10.000 Menschen sind darin untergebracht. Zuletzt wurden am 7. Januar zwei Hallen in Treptow-Köpenick beschlagnahmt, seither hat es keine neuen Belegungen gegeben.

Hoffnung auf andere Unterkünfte

Die Bezirksbürgermeister hoffen darauf, dass sich der neue Bedarf an Unterkünften auf andere Weise decken lässt und bieten dabei Hilfestellungen an. „Es wäre möglich, dass die Hochbauämter künftig Aufgaben bei der Fertigstellung neuer Flüchtlingsunterkünfte übernehmen“, sagte Komoß.

Nach ihren Vorstellungen sollten neue größere Unterkünfte künftig zuerst mit Flüchtlingen aus Turnhallen belegt werden, damit diese freigegeben werden können. Dabei sollten die mehr als 25 belegten Schulsporthallen zuerst freigezogen werden, außerdem solche, in denen Leistungssportler trainieren. Flüchtlingskoordinator Glietsch rechnet damit, dass es bis nächstes Jahr dauern wird, ehe alle Hallen wieder zur Verfügung stehen. Diesen Zeitplan hält Komoß, der auch Sprecher der neun SPD-Bezirksbürgermeister ist, für realistisch. „Wenn es länger dauert, sind wir gesprächsbereit.“

Senatssprecherin Daniela Augenstein bestätigte, dass die Zusammenarbeit mit den Bezirken bei der Flüchtlingsunterbringung verbessert habe. „Inzwischen gibt es auf allen Seiten die Erkenntnis, dass wir zusammen mehr erreichen als gegeneinander.“ Die Stadt aber weiterhin vor großen Aufgaben. Zwar sei die Zahl der ankommenden Flüchtlinge gesunken. „Es kommen aber jeden Tag 250 bis 300 Menschen an. Wir müssen sehr schnell viele tausend Unterbringungsplätze schaffen.“