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Notunterkünfte in Berlin: Berlin baut Containerdörfer für Flüchtlinge

In der Simulation sehen die Container freundlich und schön bunt aus.

In der Simulation sehen die Container freundlich und schön bunt aus.

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Lageso

Um die immer größere Zahl von Flüchtlingen in Berlin unterzubringen, errichtet der Senat sechs Containerdörfer. Wie Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) am Montag sagte, soll dort insgesamt Platz für 2 400 Menschen entstehen, darunter für 200 Obdachlose. Das sind 200 Plätze mehr, als das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) bislang vorgesehen hatte.

Heime am Stadtrand

„Wir haben uns für temporäre aber feste Unterkünfte entschieden, die wir bewusst einer Unterbringung in Zelten vorziehen“, sagte Czaja. Die Containerdörfer werden zunächst für zwei Jahre meist in der Nähe des Stadtrandes aufgebaut, die Container sollen aber mindestens zehn Jahre halten und könnten später auch von Obdachlosen oder Studenten genutzt werden.

Mit je 480 Plätzen entstehen die größten Einrichtungen an der Karower Chaussee in Pankow und am Hausvaterweg in Lichtenberg. Sie sollen von der AWO-Mitte beziehungsweise vom Evangelischen Jugend- und Fürsorgewerk betrieben werden. Weitere Containerdörfer gibt es in der Schönagelstraße in Marzahn-Hellersdorf (400 Plätze, Betreiber Prisod GmbH), in der Alfred-Randt-Straße im Allende-Viertel in Köpenick (400 Plätze, Internationaler Bund) sowie in Steglitz-Zehlendorf am Osteweg (340 Plätze, Malteser) und am Ostpreußendamm (300 Plätze, Diakonieverein).

Für den Bau der Containerdörfer stellt das Land 43 Millionen Euro zur Verfügung. Das Dorf im Allende-Viertel soll als erstes noch vor Weihnachten eröffnet werden. Die anderen werden in den ersten drei Monaten 2015 in Betrieb genommen. Am Ostpreußendamm sollen laut Czaja „kranke und kriegstraumatisierte Flüchtlinge untergebracht werden“.

Grundschulen nicht weiter als 900 Meter entfernt

Die landeseigenen Grundstücke wurden über den Liegenschaftsfonds gefunden. 20 Flächen wurden danach geprüft, ob sie verkehrsgünstig und nicht zu dicht an bestehenden Flüchtlingsunterkünften liegen, ob es Einkaufsmöglichkeiten und eine Grundschule in der Nähe gibt. Wie Czaja sagte, bestehe auch für Flüchtlingskinder Schulpflicht. Von den Unterkünften seien die nächsten Grundschulen nicht weiter als 900 Meter entfernt. Für Deutschkurse könnten auch Gemeinschaftsräume in den Containerheimen genutzt werden. Einbezogen werden auch die lokalen Stadtteilvertretungen, die die Anwohner informieren und aufklären sollen. Für ihre Arbeit erhalten diese pro Quartal 30 000 Euro.

Czaja geht von weiter steigenden Flüchtlingszahlen vor allem aus Krisenregionen aus. Insbesondere kämen die Menschen aus Syrien, Irak und Eritrea. In diesem Monat wurden 921 Asylsuchende registriert, bis Monatsende werden es mehr als 1 600 sein. Damit werden die Prognosen des Bundesamtes für Migration, das 1 250 Flüchtlinge pro Monat für Berlin angenommen hatte, bei weitem übertroffen. Schon im September gab es 1 334 Asylanträge.
Die Linke wertete Czajas Ankündigung als einen „verheerenden Rückfall in die 90er Jahre“. „Die Flüchtlinge werden von gesellschaftlicher Teilhabe ausgeschlossen und stigmatisiert“, sagten Elke Breitenbach und Hakan Tas von den Linken. Ähnlich wie die Linke übte auch Fabio Reinhardt von den Piraten Kritik an Czaja: „Containerdörfer grenzen Flüchtlinge aus und haben eine stigmatisierende Außenwirkung“, sagte er.