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Berliner Zeitung | Notunterkunft in Berlin-Kreuzberg: Flüchtlinge ziehen bald in die Gerhart-Hauptmann-Schule
29. January 2016
http://www.berliner-zeitung.de/23533184
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Notunterkunft in Berlin-Kreuzberg: Flüchtlinge ziehen bald in die Gerhart-Hauptmann-Schule

So könnte der Neubau auf dem Hof der Gerhart-Hauptmann-Schule aussehen, der ab Herbst entsteht. Geplant sind 121 überwiegend kleine Wohnungen.

So könnte der Neubau auf dem Hof der Gerhart-Hauptmann-Schule aussehen, der ab Herbst entsteht. Geplant sind 121 überwiegend kleine Wohnungen.

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Zappe Architekten

In den Fluren und Räumen riecht es nach frischer Farbe, Türen und Toiletten sind neu, Duschen wurden eingebaut. In der ehemaligen Gerhart-Hauptmann-Schule an der Ohlauer Straße in Kreuzberg tut sich was. Zumindest im Nordflügel des rot geklinkerten Gebäudes. Der frisch hergerichtete Gebäudeteil wird eine Notunterkunft für Flüchtlinge, die in den kommenden Tagen einziehen sollen.

„Wir haben Platz für 109 Menschen geschaffen und wollen dort vor allem Schwangere und Frauen mit kleinen Kindern unterbringen“, sagt die für Immobilien zuständige Bezirksstadträtin Jana Borkamp. Sie nennt dies einen Weg in Richtung Normalität. Denn kein anderes Gebäude in Friedrichshain-Kreuzberg hatte zuletzt für so viele Negativ-Schlagzeilen gesorgt wie die alte Schule. Länger als zwei Jahre, von 2012 bis 2014, war das Gebäude besetzt und wurde von linken Aktivisten zum Symbol des Widerstands gegen die europäische Flüchtlingspolitik stilisiert.

Bleiberecht für Besetzer

Das Bezirksamt, das nichts gegen die Besetzung tat, verlor bald die Kontrolle. Als die hygienischen Verhältnisse untragbar wurden, die Konflikte eskalierten und schließlich ein Flüchtling erstochen wurde, drohte der grüne Baustadtrat Hans Panhoff mit Räumung. Hunderte Polizisten belagerten tagelang den Kiez, bis die Mehrheit der Besetzer auszog. Rund 20 Leute drohten jedoch, vom Dach zu springen, und erzwangen so ein schriftlich fixiertes Bleiberecht. Ein Gericht untersagte dem Bezirkt die Räumung.

Am Freitag haben die Bewohner des Südflügels demonstrativ mehr Platz gefordert. Sie planten in „ihrem“ Haus ein Internationales Flüchtlings-Zentrum und brauchten dafür unter anderem auch den Pavillon auf dem Hof, erklärten sie. Im Bezirksamt steht man dem Projekt – ganz in der Tradition Kreuzberger Versöhnungssymbolik – zwar aufgeschlossen gegenüber. Aber: „Wir warten seit Langem vergeblich auf ein Konzept für das Projekt“, sagte Borkamp.

Für ein Flüchtlingszentrum müssten die Bewohner zudem einen Träger finden, der dann beim Bezirksamt Mieter werde – mit allen Rechten und Pflichten, wozu auch die Zahlung der Miet- und Betriebskosten gehöre. In absehbarer Zukunft, so Borkamp, soll das Haus den Bezirk nichts mehr kosten. Derzeit zahle man für Gebäudeunterhalt und Wachdienst jährlich gut eine Million Euro.

121?überwiegend kleine Wohnungen

Der Pavillon auf dem Hof wird aber definitiv nicht zum Projekt der Südflügel-Bewohner gehören. Dort sind Kinderspielzimmer und Krankenstation für die Notunterkunft geplant. Im Herbst wird das Provisorium abgerissen. Dann sollen auf dem Hof Bauarbeiten beginnen. 121?überwiegend kleine Wohnungen will der Bezirk gemeinsam mit der landeseigenen Howoge errichten.

Der Neubau ist eines von neun vom Senat ausgezeichneten Projekten, die in den nächsten Jahren in der Stadt realisiert werden. Die Bauherren erhalten pro Wohnung einen Zuschuss von 55.000 Euro. Dafür verpflichten sie sich, die Wohnungen für eine Anfangsmiete von 6,50 Euro je Quadratmeter (kalt) zu vermieten. Wichtig für Jana Borkamp ist, dass auch eine Bibliothek in den Neubau einzieht: „Sie wird eine Verbindung in den Kiez hinein bilden.“


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