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Obdachlose und Flüchtlinge: Die Berliner Kältehilfe startet ab Sonntag

Dicke Kleidung ist das Mindeste. Helfer bieten Obdachlosen außerdem Tee, eine warme Mahlzeit und die Fahrt zu einer Notunterkunft an.

Dicke Kleidung ist das Mindeste. Helfer bieten Obdachlosen außerdem Tee, eine warme Mahlzeit und die Fahrt zu einer Notunterkunft an.

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dpa/Sophia Kembowski

Noch parken sie gegenüber vom Ostbahnhof, ab Sonntag werden sie als Teil der Berliner Kältehilfe im Einsatz sein: Der Kältebus der Berliner Stadtmission, der Wärmebus der DRK-Kältehilfe und das Caritas-Arztmobil. Vom ersten November 2015 bis zum 31. März 2016 werden sie Schlafsäcke und Winterkleidung verteilen und Obdachlose zu Schlafplätzen fahren. Die Berliner Kältehilfe stellt in diesem Winter in 18 durchgehend geöffneten Notunterkünften und 13 täglich wechselnden Nachtcafés voraussichtlich 700 Schlafplätze zur Verfügung. Das sind fast 170 mehr Plätze als im vergangenen Jahr, die vom Senat finanziert werden.

„Wie immer haben wir eine größere Nachfrage als Plätze, die zur Verfügung stehen“ sagt Barbara Eschen, Direktorin des Diakonischen Werks Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz e. V. Häufig müssten Wohnungslose vor vollen Notunterkünften abgewiesen werden. In Berlin leben mindestens 3 000 Menschen auf der Straße, schätzen Kirchengemeinden und Wohlfahrtsverbände.

Beratungstellen und Notunterkünfte

Diese Menschen sind in den Wintermonaten besonders gefährdet. Hilfe und Schutz vor der Kälte finden sie in Beratungsstellen und Notunterkünften, Suppenküchen und Kleiderkammern sowie speziell für Obdachlose eingerichteten Arztpraxen. Diese Anlaufstellen gibt es nur, weil viele Berliner spenden oder ehrenamtlich mitarbeiten. Bisher zahlte der Senat den Trägern 15 Euro pro Notübernachtung. Um die Kosten zu decken, werden aber 25 Euro benötigt. Deshalb soll nun der Tagessatz erhöht werden.

Berlins Senator für Gesundheit und Soziales, Mario Czaja, hat außerdem ein „rotes Telefon“ für Flüchtlinge zugesagt. Um die Notunterkünfte nicht zu überlasten, sollen die Betreiber die Möglichkeit haben, Flüchtlinge telefonisch bei der landesweiten Koordinierungsstelle zu melden und in Flüchtlingsunterkünfte bringen zu lassen. „Wir wollen keine Konkurrenz zwischen Flüchtlingen und Wohnungslosen“, sagt Ulrike Kostka, Direktorin der Berliner Caritas. „Wir müssen allen helfen, so gut wir können.“ Diese Meinung teilen nicht alle Berliner.

Dieter Puhl, Leiter der Bahnhofsmission am Zoo hört häufig Sätze wie diesen: „Wir möchten gern diese Winterkleidung spenden, aber bitte nur für deutsche Obdachlose.“ Darauf antwortet Puhl , dass er sowohl deutsche als auch bosnische, syrische oder moldawische Menschen mit Winterjacken versorgt.

18 Prozent mehr Wohnungslose binnen zwei Jahren

Innerhalb von nur zwei Jahren ist die Zahl der Wohnungslosen in Deutschland um 18 Prozent gestiegen. „Zuwanderung spielt eine Rolle, aber eine unwesentliche“, sagt Caritasdirektorin Kostka. „Das größte Problem ist die verfehlte Wohnungspolitik in Berlin.“ Es gebe zu wenige preiswerte Wohnungen, und es müsse mehr gebaut werden, sagt sie. Der Schlüssel liegt ihrer Ansicht nach aber in der Prävention „Wir müssen uns darum kümmern, dass Menschen ihre Wohnung gar nicht erst verlieren.“