21.11.2011

Obdachlosigkeit in Berlin: Spenden Sie Schlafsäcke!

Von Marijke Engel
Ein Bedürftiger nimmt in der Bahnhofsmission am Bahnhof Zoo in Berlin Essen entgegen.
Ein Bedürftiger nimmt in der Bahnhofsmission am Bahnhof Zoo in Berlin Essen entgegen.
Berlin –  

Die Kältehilfe betreut jedes Jahr mehr Obdachlose. Doch die Notübernachtungsplätze sind schon jetzt fast belegt.

Niemand weiß, wie viele Menschen in Berlin obdachlos sind. Und dann ist es auch noch eine Frage der Definition. Die Angaben der Diakonie schwanken zwischen 11.000 – so viele Menschen nahmen 2010 die Hilfe von Einrichtungen der Obdachlosenhilfe in Anspruch – und 4.000. Das ist die geschätzte Anzahl derer, die permanent auf der Straße leben. Fest steht allerdings: Der Winter ist da. Die Temperaturen bewegen sich nachts um den Gefrierpunkt und werden bald weit darunter fallen. Für jene, die kein Dach über dem Kopf haben, bedeutet das Lebensgefahr.

Für Dieter Puhl, den Leiter der Bahnhofsmission am Zoo, ist damit der Zeitpunkt gekommen, laut um Schlafsäcke zu bitten. 2.000 Stück wurden im vergangenen Winter allein durch seine Einrichtung herausgegeben. Um alle Bedürftigen in der Stadt zu versorgen, bräuchte man noch einmal so viele, schätzt Puhl. Auch Isomatten und Reisetaschen sind willkommen, warme Schuhe und natürlich Geldspenden. Die Zahl der Obdachlosen wächst, nicht nur durch Zuzug aus Osteuropa, sondern auch aus dem Inland. „Wir versorgen in Berlin die Wohnungslosen der Bundesrepublik“, sagt Dieter Puhl.

Zu wenig Notübernachtungsplätze vorhanden

100 Liter Tee und Kaffee werden jeden Tag ausgeschenkt. Auch dafür ist man auf Spenden angewiesen. „Und Zucker“, sagt Puhl, „der ist Liebesersatz und gibt Wärme“. Viele Leute bringen persönlich Lebensmittel vorbei. Rund 550 Menschen kommen täglich, für eine Mahlzeit, ein Gespräch oder um sich mit Kleidung zu versorgen. Die Bahnhofsmission am Zoo ist rund um die Uhr besetzt. Allerdings: Schlafplätze werden dort nicht angeboten.

Dafür gibt es die Berliner Kältehilfe. Auch der Leiter des Kältehilfe-Telefons, Johannfried Seitz-Reimann, weiß nicht genau, wie viele Menschen in Berlin ohne Wohnung sind. Aber er weiß, dass die derzeit 315 Notübernachtungsplätze schon fast belegt sind. Durch die Eröffnung zweier Nachtcafés werden jetzt weitere 30 Plätze hinzu kommen. Aber auch das wird nicht reichen. Im vergangenen Winter standen im Durchschnitt 413 Plätze zur Verfügung, 130 davon in den beiden größten Einrichtungen in der Franklinstraße in Charlottenburg und in der Lehrter Straße in Mitte. Ein Viertel aller Plätze ist für Frauen reserviert. Er ist zuversichtlich, dass auch die restlichen Übernachtungsmöglichkeiten noch durch kirchliche und andere soziale Einrichtungen zur Verfügung gestellt werden. In Kombination mit dem Kältebus, der seit Anfang des Monats unterwegs ist, um frierende Obdachlose in die Notunterkünfte zu bringen, sei die Kältehilfe auch in diesem Jahr ein „tragfähiges Netz“, damit niemand auf Berlins Straßen erfrieren muss.

Die Berliner Stadtmission sucht ehrenamtliche Helfer für ihre Notübernachtungsstellen und Übersetzer für osteuropäische Sprachen. Kontakt: kaeltehilfe@berliner-stadtmission.de

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