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Öffentliche Aktenentsorgung: BER-Geheimakten auf der Straße gefunden

Noch Fragen zum BER? Unweit vom Ostkreuz lagerten am Montag, dem 23. Juni 2014, Pläne auf der Straße.

Noch Fragen zum BER? Unweit vom Ostkreuz lagerten am Montag, dem 23. Juni 2014, Pläne auf der Straße.

Foto:

akud/Lars Reimann

Berlin -

Wer aus erster Hand mehr über das Pannenprojekt BER erfahren will, konnte sein Informationsbedürfnis am Montag unter freiem Himmel stillen. Zwei große offene Container, über den Rand gefüllt mit offiziellen Plänen, Berichten und Verträgen zum neuen Flughafen, zogen in Lichtenberg unweit vom Ostkreuz das Interesse auf sich. Sie standen vor dem Parkhaus des Victoria Centers an der Marktstraße/ Schreiberhauer Straße frei zugänglich auf dem Gehweg. Es war ein Informationsangebot, das gern genutzt wurde.

„Einige Passanten haben Akten mitgenommen“, erzählte die Anwohnerin Nina Sch. Sie entdeckte die Absetzmulden, an denen Aufkleber einer Firma für Containerbau und Umwelttechnik aus Lübben prangten, auf dem Weg in die Mittagspause. Bei der Berliner Zeitung gingen weitere Anrufe ein. „Hier ist richtig was los“, hieß es.

Eine Fundgrube für Saboteure

Kein Wunder: Die Container bargen Lesestoff zu einem brisanten Thema, über das die Verantwortlichen nur spärlich informieren. Viele Dutzend Ordner enthielten technische Pläne, etwa von Sprinkleranlagen oder Fahrtreppen im Fluggastterminal – eine Fundgrube für Saboteure. In den Containern fanden sich aber auch Akten aus den Jahren 2009 und 2010, die dabei helfen könnten, die Pannen des Milliardenprojekts aufzuklären. So enthält der Monatsbericht für November 2010 Belege dafür, dass schon damals Termine auf der Kippe standen. Offiziell hieß es, dass der Flughafen im Juni 2012 den Betrieb aufnehmen sollte.

Zum 31. Oktober 2011 sollte die Anlage größtenteils fertig sein. Intern galt das aber nur mit Fragezeichen, denn auf Seite 45 steht: Für den weiteren Projektablauf und die termingerechte Gesamtfertigstellung bestehe „ein hohes Risikopotenzial“. Mehrere Gründe werden aufgelistet, einer ist auf Seite 44 zu lesen: Die Arbeitsgemeinschaft ImCa habe die Termine für den Beginn der Rohinstallationen in den Bereichen Heizung, Kälte, Lüftung, Sanitär und Sprinkler nicht eingehalten.

Aufklärung läuft

Adressat des Berichts war die Flughafen Berlin-Schönefeld GmbH, die den Empfang am 21. Dezember 2010 quittierte. Als Absender firmierte die Planungsgemeinschaft Flughafen Berlin Brandenburg International (pg bbi), die für die Objektüberwachung zuständig war. Sie hatte ihr Büro in der Marktstraße 8 in Lichtenberg.

Dort logierte auch das an dem Unternehmen beteiligte Architekturbüro JSK. Es meldete im vergangenen Jahr Insolvenz an, was offenbar der Anlass dafür war, Aktenbestände aufzulösen. Am frühen Abend sperrte die Polizei den Bereich ab, ein Lkw brachte die Container in die Polizeidirektion 6 nach Marzahn. Flughafensprecher Ralf Kunkel: „Der Vorgang muss aufgeklärt werden.“ (mit fred.)