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Ökologische Planung: Kritik an Wasserbecken am Tempelhofer Feld

Blick in die Zukunft: So soll das Wasserbecken aussehen, das auf dem Tempelhofer Feld geplant ist. Es wird etwa so groß wie vier Fußballplätze.

Blick in die Zukunft: So soll das Wasserbecken aussehen, das auf dem Tempelhofer Feld geplant ist. Es wird etwa so groß wie vier Fußballplätze.

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grossmax

Sie klingt ganz umweltfreundlich, die Planung für das Tempelhofer Feld, die an diesem Freitag offiziell vorgestellt werden soll: Um das Regenwasser zu sammeln, das bisher unbehandelt in den Landwehrkanal geleitet wird, soll ein rund 30 000 Quadratmeter großes Wasserbecken errichtet werden. Doch das, was laut Stadtentwicklungsbehörde „ökologisch sinnvoll“ sein soll, ist aus Sicht der Naturschutzverbände das genaue Gegenteil.

Der Bau des Wasserbeckens ist nach Ansicht der Berliner Landesarbeitsgemeinschaft Naturschutz (BLN) ein so großer Eingriff, dass mit schwerwiegenden Folgen für die Umwelt zu rechnen ist. So heißt es in einer Stellungnahme der BLN an die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Durch den Bau des künstlichen Gewässers und die Aufschüttung eines Hügels mit dem Bodenaushub würden „zirka 30 Prozent der Niststätten der Feldlerche in Anspruch genommen“, heißt es darin. Im Klartext: Die Brutplätze werden zerstört. Das Wasserbecken habe „als künstlicher Teich ohne natürliche Ufer keinerlei Naturschutzwert“, urteilen die Verbände in dem Schreiben, das der Berliner Zeitung vorliegt.

Zweifel an der Rechtmäßigkeit

In der Berliner Landesarbeitsgemeinschaft Naturschutz sind 14 namhafte Natur- und Umweltverbände der Stadt zusammengeschlossen – vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) über die Grüne Liga bis zur Baumschutzgemeinschaft. Der Eingriff in die Population der Feldlerche wiege umso schwerer, da die Art ohnehin „in einem starken Rückgang begriffen“ sei, kritisieren die Verbände. Das sei nur unter bestimmten Bedingungen ausnahmsweise zulässig. Das für eine Ausnahme nötige öffentliche Interesse für ein Gewässer und eines Hügel sei hier aber nicht zu erkennen. Es seien auch keine Alternativen geprüft worden.

Die Umweltschützer haben darüber hinaus erhebliche „Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Vorhabens“. Laut Flächennutzungsplan sei das Gebiet, auf dem das Wasserbecken entstehen soll, als Gemeinbedarfsfläche ausgewiesen, dort wo der Hügel aufgeschüttet werden soll, sei eine Wohnbaufläche vorgesehen. Daran müsse sich auch die Verwaltung halten. „Wenn sie die Baugenehmigung so durchsetzen, werden wir klagen“, kündigte BUND-Geschäftsführer Tilmann Heuser an.#gallery

Das etwa vier Fußballfelder große Wasserbecken ist der erste große Baustein der neuen Parklandschaft auf dem Tempelhofer Feld. Darüber hinaus sollen bis 2016 neue Wege entstehen und Bäume angepflanzt werden.

Das Wasserbecken ist aus Sicht der Naturschutzverbände entbehrlich. Laut eines Gutachtens hätte es gereicht, eine Versickerungsmulde zu bauen, führen sie an. Offenbar habe das Wasserbecken aber primär die Funktion, als Fläche für Veranstaltungen zu dienen. Dies könne aber nicht im überwiegenden öffentliche Interesse sein.

Auch die geplante Anpflanzung von mehr als tausend Bäumen stößt bei den Umweltschützern auf Kritik. Die Bäume könnten die Kaltluftbahnen stören, die für das Klima wichtig sind, heißt es in der Stellungnahme. „Hier ist weniger mehr.“ Eine weitere Versiegelung der Freifläche werde zudem dazu führen, dass sich die klimatische Wärmebelastung verstärke. Die geplanten Eingriffe seien so gravierend, dass „eine umfangreiche Nachbesserung der Konzeption notwendig“ sei, lautet das Fazit der Verbände.

Unzureichende Unterstützung

Die Umwelt-Organisationen üben nicht nur Kritik an den ökologischen Folgen der geplanten Umgestaltung. Sie bemängeln zugleich, dass die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung „erst durch Intervention seitens der Naturschutzverbände daran erinnert werden musste“, dass die Verbände an der Planung zu beteiligen sind. Erst auf Nachfrage seien die Unterlagen zur Verfügung gestellt worden – allerdings in nicht ausreichender Form und Menge. Die Senatsverwaltung habe „nur ein Minimum dessen“ an Zuarbeit geleistet, zu welcher sie eigentlich per Gesetz verpflichtet wäre.

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung erklärte am Donnerstag, sie nehme die Einwände ernst. „Wir setzen uns mit der Kritik auseinander und werden den Verbänden dann eine Antwort geben“, sagte Behördensprecherin Petra Rohland.

Bereits im August hatte der Rat für Stadtentwicklung das geplante Wasserbecken kritisiert. Es werde durch die Erdumschichtungen zu einer neuen Landschaft kommen. Die heutige Atmosphäre des weiten, flachen Tempelhofer Feldes werde zerstört.