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Olympia 2024 in Berlin: Obdachlose in die Stadien!

Tim Renner, Kulturstaatssekretär

Tim Renner, Kulturstaatssekretär

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dpa/Daniel Naupold

Eine dankbare Aufgabe ist es nicht, die Kulturstaatssekretär Tim Renner (SPD) da zu meistern hat. Es sind Olympia-Wochen im Senat, schließlich will der Deutsche Olympische Sportbund am 21. März entscheiden, ob Berlin Kandidatenstadt für die Sommerspiele 2024 werden soll. Nun sind alle Regierungsmitglieder angehalten, Stimmung in ihren jeweiligen Wirkungsbereichen zu machen. Gerade unter Kulturschaffenden aber ist die Skepsis groß.

„Olympia geht auch anders“

An diesem Mittwoch will Renner nun bei einem „öffentlichen Brainstorming“ im Radialsystem in Friedrichshain Vorschläge für Olympia sammeln. Ausgangspunkt soll ein etwas großspurig „Manifest“ genanntes Arbeitspapier sein, das eine Gruppe von rund 15 Kulturschaffenden auf seine Einladung hin verfasst hat. Eine eng beschriebene A 4-Seite umfasst der Text mit dem Titel „Olympia geht auch anders“, und er enthält einige interessante Gedanken.

Ausgangspunkt sind die Spiele von 1936, die von den Nationalsozialisten als Propaganda-Plattform missbraucht wurden. „Wir wollen zu den Wurzeln der Spiele zurückkehren und daraus ein demokratisches Fest der Jugend machen“, heißt es in dem Text. Dazu werden konkrete Vorschläge gemacht: So sollten Obdachlose während der Spiele nicht etwa aus der Stadt gedrängt, sondern ins Stadion eingeladen werden. Auch Staatenlose sollten als Athleten antreten dürfen. Und damit jedes Schulkind von heute die Möglichkeit habe, 2024 Olympiasieger zu werden, solle es einen Sporthallenfonds und mehr Fördermittel für Sportvereine geben. Und um Olympia weniger elitär zu machen, sollten IOC-Funktionäre U-Bahn statt Limousine fahren und bei Privatleuten unterkommen.

Auf Linie gebracht hat Renner die Mitwirkenden am Manifest aber keineswegs. „Ich bin sehr skeptisch, was die weitere Zusammenarbeit mit dem Senat angeht“, sagte etwa Leonie Baumann, Rektorin der Kunsthochschule Weißensee. Sie kritisierte die kürzlich vom Senat erwirkte Unterlassungserklärung gegen die Betreiber des Blogs Metronaut, der Olympia-Plakate von 1936 mit dem aktuellen Kampagnenlogo versehen hatte. „Freies Denken ist nicht möglich, wenn gegen Satire auf diese Weise vorgegangen wird“, sagte Baumann.

Auch Christophe Knoch, Sprecher der freien Szene, wurde von Renner nicht zum Olympia-Befürworter gewendet. „Ich glaube nicht, dass Olympia irgendeines von Berlins Problemen lösen würde“, sagte er der Berliner Zeitung. Auch die Kultur würde nicht profitieren. „In London jedenfalls hat man gesehen, dass die Bedingungen für Künstler noch schwieriger geworden sind.“



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