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Olympia-Bewerbung : Berlins Bürger-Initiativen halten Wacht

Keine Angst: Berlins engagierte Bürger beobachten genau, was in der Stadt vor sich geht.

Keine Angst: Berlins engagierte Bürger beobachten genau, was in der Stadt vor sich geht.

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dpa

Der Gedanke ist bestechend: Berlin ernennt die Landlust zur olympischen Tugend, erhebt die Gegner der Olympiabewerbung zu den Hauptträgern derselben und schlägt mit diesem dialektischen Dreh elegant alle Rivalen aus dem Feld. Oder wagt etwa jemand, Berlin in seiner liebsten Kampfsportart, der Bürgerrenitenz, herauszufordern?

Vertrauen wir also auf die Aktivisten vom Tempelhofer Feld, auf die A-100-Gegner, auf die Mauerparkwiderständler, auf die Verteidiger der Kleingartenbollwerke, auf Wassertisch, Lateinamerikanachrichten, Sportverein Roter Stern, auf die Grüne Liga, Die Linke, Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile-Lateinamerika e. V. und wer da noch zur Allianz Nolympia gehört. Sie alle sollen Garanten dafür sein, dass Olympische Spiele in Berlin stattfinden, und zwar so, dass kein Grashalm geknickt, kein Quadratzentimeter betoniert, kein zusätzlicher Stein auf den anderen gesetzt wird, kein Baum fällt. Und wäre es nicht von weltweiter Wirkung, wenn die Macht der vereinigten Vegetarier&Veganer aller Stadtteile erzwänge, dass kein Tier für Olympia sterben muss?

Berlin versammelt derart viele gute, engagierte, aufmerksame Menschen, dass man die Bewerbungen für Olympia 2024, 2028 und so fort getrost bejahen darf. Es wird nichts Böses geschehen: Bürger halten Wacht.

Noch fremdelt der Senat mit diesem Gedanken. Getrieben von der Furcht vor mangelnder Begeisterung wirbt er nur halbherzig mit konsequent sozialen und ökologischen Spielen. Das geht viel offensiver: Diese Spiele werden bescheiden, unkommerziell, transparent, aufkommensneutral, nachhaltig bis in die hinterste Kiezritze, klimaschützend, recyclingbetont, abwaschbar, lärmarm und nahezu, wenn auch nicht gänzlich, geruchsfrei (schließlich geht es um körperliche Betätigung).

Diese Stadt will nicht Metropole sein, weder dicht, noch brausend, lieber eine Ansammlung von Wohlfühldörfern. Work-Life-Balance zählt viel. Bloß kein Stress, Leistungsdruck ist was für andere. Für Großstädter. Vom Weltgeltungsanspruch ist man in Berlin ohnehin geheilt und rechnet sich das hoch an. Die Spiele von Peking oder Sotschi erregen als gigantomanisch Ekel, selbst die von London galten als zu groß.

Wenn wir etwas können, dann kleine Spiele.

Das alles voraus- und ins Werk gesetzt, wäre der Moment gekommen, den mutmaßlich allesamt korrupten Geldsäcken vom Internationalen Olympischen Komitee mitzuteilen: Wenn Ihr unbedingt Spiele in Berlin wollt, dann lässt sich drüber reden. Wenn dann ein paar mehr Leute die Straßen verstopfen, ertragen wir das großmütig. Und eine Fanmeile kriegen wir allemal täglich voll.


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