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Olympia-Bewerbung Berlin: Wo schwimmen sie denn?

Will Berlin die Spiele wirklich?

Will Berlin die Spiele wirklich?

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dpa

Aber nicht doch, sagt Senatssprecher Richard Meng, es gebe überhaupt keine Verbindung zwischen der Jubelfeier für die deutsche Fußballnationalmannschaft am Dienstag und Berlins möglicher Olympia-Bewerbung. Aber eine gute Visitenkarte sei die riesige Party natürlich schon gewesen. Friedlich, freundlich und glücklich hätten die Berliner und ihre Gäste gefeiert. „Das zeigt, dass Berlin ein guter Austragungsort für große Veranstaltungen ist“, sagt Meng.

Und so viel kann man wohl sagen: Die Fanmeile – es ist die größte Europas – und der Erfolg der DFB-Elf haben die Olympia-Planungen in der Hauptstadt zumindest nicht behindert. Wobei fast jeder, mit dem man in der Landespolitik oder in der Verwaltung über das Thema spricht, betont: Es gibt keine Olympia-Planungen. Die korrekte Formulierung lautet: Der Berliner Senat hat im Juni die Einladung des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) angenommen, bis Ende August auf einen Katalog mit 13 Fragen zu antworten. Auch dem Hamburger Senat hat der DOSB diese Fragen gestellt. Auf dieser Grundlage will der Verband dann im Dezember entscheiden, ob und wenn ja, mit welcher Kandidatenstadt er sich um die Ausrichtung der Sommerspiele 2024 oder 2028 bewirbt.

Keine offiziellen Planungen also. Hinter den Kulissen aber finden natürlich längst auf allen Ebenen Gespräche statt. Neben der Senatskanzlei sind vier Verwaltungen in die Beantwortung des Fragenkatalogs eingebunden. Zahlreiche Mitarbeiter haben ihren Urlaub verkürzt oder abgesagt, um die Broschüre zu erarbeiten. Die ersten Ideen nehmen allmählich Kontur an – die ersten Schwierigkeiten auch.

Beispielsweise gibt es gute Argumente dafür, das Olympische Dorf auf dem Gelände des Flughafens Tegel zu errichten. Bei allen Widrigkeiten auf der BER-Baustelle darf man doch vorsichtig damit rechnen, dass der neue Großflughafen in der zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts ans Netz geht und Tegel geschlossen und anschließend bebaut werden kann. Zum Olympiastadion sind es von dort nur wenige Kilometer, auch die sonstige Anbindung ist hervorragend, nach den Spielen könnten die Unterkünfte zu Wohnungen umgebaut werden.

Athleten in Hochhäusern am Alexanderplatz

Doch Olympia fände eben frühestens 2024 statt – da sich voraussichtlich der DFB für dieses Jahr um die Europameisterschaft bewerben wird, ist eine deutsche Olympia-Bewerbung für 2028 wahrscheinlicher. So lange wäre die Entwicklung in Tegel gebremst. Die Experten der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung lehnen den Flughafen als Standort dem Vernehmen nach darum ab. Auch Tim-Christopher Zeelen, sportpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus, ist dagegen. „Stillstand in Tegel wäre ein Horrorszenario. Wir wollen Flächen für die Industrie und für neue Arbeitsplätze schaffen“, sagte er der Berliner Zeitung. Sein Vorschlag: Die Athleten sollen in Hochhäusern am Alexanderplatz wohnen. „Auch da würden wir ein Quartier entwickeln, wo Stillstand herrscht.“

Auch eine andere Idee ist nicht einfach umzusetzen. Im Konzept für die Bewerbung um die Olympischen Spiele 2000 war vorgesehen, dass zahlreiche Wettkämpfe in den Messehallen stattfinden. Sie lassen sich vergleichsweise einfach zu Spielstätten umbauen – wären aber teilweise für mehrere Monate blockiert, es könnte zu terminlichen Kollisionen mit der Internationalen Funkausstellung im Spätsommer oder sogar mit der Internationalen Tourismusbörse im März kommen. „Das Pressezentrum ließe sich sicher realisieren“, sagte Michael Hofer, Pressesprecher der Messe Berlin. Eine große Messe wegen Olympia abzusagen, sei aber undenkbar.

Schließlich wird man sich den Kopf darüber zerbrechen müssen, wo die Schwimmwettkämpfe stattfinden könnten. Die Halle im Europasportpark in Prenzlauer Berg wurde zwar für Olympia 2000 geplant, dann aber kleiner realisiert, sie bietet nur 1500 Zuschauern Platz. Möglicherweise lässt sich die Halle jedoch vergrößern. Dafür müsste das Dach geöffnet werden, um neue Zuschauerränge zu errichten. In der Innenverwaltung wird dieser Vorschlag derzeit geprüft.

Im Vergleich zu vielen anderen Städten seien diese Herausforderungen aber überwindbar, sagt der Präsident des Landessportbundes, Klaus Böger. „Hamburg hat bislang nur ein Planwerk, bei uns stehen die meisten Anlagen schon“, sagte er der Berliner Zeitung. Die große Herausforderung sei es, die Berliner von der Idee zu überzeugen und den Makel der gescheiterten Bewerbung für 2000 abzuschütteln. Das könne gelingen, meint er. „Fast alle Olympia-Städte haben sich zweimal beworben.“