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Olympia-Foren, Olympia-Werkstätten und ein Olympia-Beirat: Senat beschließt Kampagne für Olympia-Bewerbung

Die Olympischen Ringe am Berliner Olympiastadion.

Die Olympischen Ringe am Berliner Olympiastadion.

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imago/Schöning

Nimmt man Umfragen als bare Münze, sind die Berliner bisher nicht wirklich überzeugt von Olympia in ihrer Stadt. Als das Forsa-Institut vor einigen Wochen wissen wollte, ob Berlin sich um die Ausrichtung Olympischer Spiele bewerben sollte, fiel die Antwort gespalten aus. 48 Prozent der Befragten sagten „Ja“, 49 Prozent sagten „Nein“. In Hamburg ermittelte Forsa etwas mehr Befürworter, aber auch dort war die Stimmungslage uneindeutig.

Für den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) sind solche Ergebnisse ein Problem. Der DOSB will sich für die Austragung der Spiele im Jahr 2024 bewerben und Ende März beschließen, ob er mit Berlin oder mit Hamburg ins Rennen geht. Diese Entscheidung, so haben es die Sportfunktionäre immer wieder betont, wollen sie in erster Linie von Volkes Stimme abhängig machen. Im Februar will der DOSB deshalb noch eine Umfrage durchführen lassen, in der Hoffnung, dass dann einer der Bewerber die Nase klarer vorn haben wird als zuletzt.

Der Berliner Senat hält von dieser Entscheidungsfindung wenig, wie man weiß. Er glaubt, dass Deutschland nur mit Berlin eine realistische Chance hätte, 2017 vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) den Zuschlag zu bekommen. Anstatt zu sehr auf Umfragen zu schauen, sollte der DOSB lieber andere Kriterien bewerten: Wer hat das bessere Austragungskonzept? Welche Stadt ist erfahrener in der Ausrichtung solcher Großereignisse? Wo wären die Spiele kostengünstiger und stadtverträglicher zu gestalten?

„Es geht hier nicht darum, einen nationalen Schönheitswettbewerb zu gewinnen“, sagte der Chef der Senatskanzlei, Björn Böhning, am Dienstag. Das Kommunikationskonzept, das der Senat zuvor beschlossen hatte, habe mit der bevorstehenden DOSB-Umfrage nur indirekt zu tun, zumal die Landesregierung ihre Bürgerbeteiligung nicht vor Februar starten wolle. Ob die Pläne umgesetzt werden, hängt also letztlich von der Auswahl der Bewerberstadt ab. Sollte der DOSB sich im März für Hamburg entscheiden, hat der Senat seine Bürgerbeteiligung umsonst geplant.

Kommt es aber anders, sollen die Berliner möglichst umfassend über die Olympiapläne des Senats informiert und in der Konkretisierung des Austragungskonzepts eingebunden werden. Dafür seien mehrere „Formate“ geplant, wie Böhning es nannte, also unterschiedliche Beteiligungsformen. Zum einen soll es „Olympia-Foren“ geben, in denen sich interessierte Bürger und die so genannte Fachöffentlichkeit allgemein austauschen können. Des weiteren will der Senat „Olympia-Werkstätten“ anbieten, die sich in erster Linie an die Nachbarschaft der Sportstätten richten. In diesen Runden soll es deutlich konkreter werden, schließlich wären die Anwohner direkt betroffen, wenn in ihrem Viertel etwa eine temporäre Volleyballhalle gebaut würde.

Diese Olympia-Werkstätten seien dazu da, Fachthemen wie die Verkehrsanbindung oder die Barrierefreiheit zu erörtern, sagte Böhning. Hilfreiche Anregungen der Bürger würden aufgegriffen und das Austragungskonzept einfließen, fügte Sport-Staatssekretär Andreas Statzkowski hinzu. Das gelte auch für die dritte Art der Beteiligung, das „Mitreden von zu Hause aus“: Über das Internet, Kurznachrichtendienste wie Twitter oder SMS oder moderierte Online-Dialoge sollen die Berliner sich über den gesamten Planungsprozess informieren können.

Als eine Art Dachorganisation plant der Senat die Einrichtung eines „Olympia-Beirats“ aus Multiplikatoren und normalen Bürgern, auch Olympia-Kritiker sollen sich daran beteiligen dürfen. Wann und in welcher Form die Berliner grundsätzlich über eine Bewerbung abstimmen sollen, ist indes weiter offen. Eine Volksbefragung wollen am Ende alle, doch sie dürfte frühestens Ende kommendes Jahres stattfinden.