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Olympiabewerbung: Ein ganz bescheidenes Milliardenprojekt

Berlin macht Ernst mit der Olympia-Bewerbung.

Berlin macht Ernst mit der Olympia-Bewerbung.

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imago/Composing Hans Richard Edinger

Ein Konzept für bescheidene Olympische Spiele hat der rot-schwarze Berliner Senat versprochen. Und er meint es ernst damit, zumindest vermittelt die Bewerbungsmappe diesen Eindruck. Am Montag stellten der noch Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und Sportsenator Frank Henkel (CDU) die 46-seitige Broschüre der Öffentlichkeit vor, die bereits in der vorigen Woche beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) eingereicht wurde.

Dessen Präsident Alfons Hörmann hat sich möglicherweise gewundert über die Post aus Berlin: Ein einfaches Ringbuch hat er als Antwort auf den im Mai an die möglichen Kandidatenstädte Berlin und Hamburg verschickten Fragenkatalog des DOSB erhalten.

Nur die Umschlagseiten sind aus Hochglanzpapier, die Mappe wirkt wie eine Hausarbeit, die ein Bachelor-Student beim Copyshop hat anfertigen lassen. Effekthascherei kann man der Koalition bei ihrem derzeitigen Prestigeprojekt, der Interessenbekundung für die Ausrichtung der Sommerspiele 2024 oder 2028, also schon einmal nicht vorwerfen.

Bemühung um Tiefstapelei

Auch sonst bemüht sich der Senat um Tiefstapelei. Die Investitionen in Sportstätten sollen zwei Milliarden Euro umfassen, eine aus Sicht des Senats relativ überschaubare Summe. „15 von 30 Wettkampfstätten sind bereits vorhanden“, betonte Henkel. Für ihre Modernisierung sind 250 Millionen Euro vorgesehen. Der gleiche Betrag soll in Um- oder Ausbauten investiert werden. Für noch einmal 250 Millionen Euro werden die Trainingsstätten ertüchtigt. Und ebenfalls eine Viertelmilliarde soll die Errichtung von Neubauten kosten – diese Summe umfasst unter anderem die geplante Schwimmhalle im Kurt-Schumacher-Quartier auf dem Gelände des derzeitigen Flughafens Tegel.

Der größte Kostenpunkt sind laut dem Konzept die temporären Wettkampfstätten, sie sollen mit einer Milliarde Euro zu Buche schlagen. So sollen in Tegel drei Hallen errichtet werden, in denen unter anderem Teile des Modernen Fünfkampfes ausgetragen werden sollen. Selbstverständlich seien das nicht die gesamten Kosten, erklärte Wowereit. Unter anderem müsse ja auch noch das Olympische Dorf gebaut werden. „Aber wir gehen davon aus, dass sich das Dorf refinanziert“, sagte er. Nach den Spielen sollen in den Gebäuden Wohnungen entstehen.

Dennoch dürfte die Debatte über die Kosten einer möglichen Ausrichtung weitergehen. Zum Vergleich: Die Sommerspiele in London 2012 kosteten elf Milliarden Euro – vier Mal so viel wie ursprünglich vorgesehen. Wowereit lässt sich von diesen Erfahrungen nicht beirren. „Natürlich habe ich überlegt, ob man den Berlinern eine Bewerbung zumuten kann“, sagte er. „Aber wenn man sieht, wie sich die Gastgeberstädte der letzten Jahre entwickelt haben, dann versteht man, warum Olympische Spiele so begehrt sind.

Gegenentwurf zu totalitären Staaten

Zudem stünden demokratische Länder wie Deutschland in der Pflicht, einen Gegenentwurf zu den Bewerbungen aus totalitär regierten Staaten zu formulieren. Einen Akzent setzte der Senat bereits mit dem Vorschlag, erstmals die Paralympischen vor den Olympischen Spielen auszurichten, um ihnen zusätzliche Aufmerksamkeit zu bescheren.

„Wenn wir es mit der Inklusion ernst nehmen, ist das eine spannende Idee“, sagte Sportsenator Henkel.

Zeitgleich wie Wowereit und Henkel stellte der Hamburger Senat seine Bewerbung vor. Der Erste Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) versprach „nachhaltige Spiele, die frei sind von jedem Gigantismus“. Mehr bauen als die Berliner müssen die Hamburger allerdings. Unter anderem müsste in der Hansestadt ein Olympiastadion erst noch errichtet werden.

Gut eine halbe Milliarde soll die Anlage auf der Elbinsel Kleiner Grasbrook kosten. Auch Hamburg rechnet mit Investitionen von zwei Milliarden Euro. DOSB-Präsident Hörmann kündigtean, die Bewerbungen würden nun detailliert geprüft. Anfang Dezember wird sein Verband voraussichtlich entscheiden, ob es eine deutsche Olympiabewerbung geben wird und welche Stadt ins Rennen geht.