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Olympische Spiele in Berlin: „Man braucht jetzt Mut zur Bewerbung“

Im Jahr 2004 machte die Olympische Fackel auf ihrem Weg rund um den Globus Station im Berliner Olympiastadion.

Im Jahr 2004 machte die Olympische Fackel auf ihrem Weg rund um den Globus Station im Berliner Olympiastadion.

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Seit Jahren ist aus Berlin zum Thema olympische Sommerspiele immer nur ein Satz zu hören: „Wir stehen bereit.“ Landauf, landab erzählen dies Klaus Wowereit (SPD), der Regierende Bürgermeister, und sein Sportsenator und Stellvertreter, Frank Henkel (CDU). Das ist auch nach dem aktuellen Aus von Münchens Bewerbung für die Winterspiele 2022 nicht anders – obwohl, jedenfalls theoretisch, die Chancen der deutschen Hauptstadt auf einen Zuschlag fürs Jahr 2024 gestiegen sein müssten. Denn die Spiele 2020 sind nicht in Europa, sondern in Tokio. Und durch Münchens Pleite vom Sonntag gäbe es dann auch nicht zwei deutsche Olympia-Städte in Folge.

Doch Berlins Landesregierung gibt sich nach wie vor höchst zurückhaltend. Alles sei sehr heikel, heißt es im Senat, dieses überraschende Nein der Bayern müsse der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) erst einmal verkraften. Man dürfe sich ohnehin nicht selbst ins Spiel bringen, sondern allenfalls Interesse signalisieren. Und es gibt ja auch immer noch die Erinnerung an die 1993 so kläglich gescheiterte Olympia-Bewerbung für das Jahr 2000. So ringt sich denn der Senatssprecher Richard Meng folgenden Satz ab: „Berlin ist immer eine gute Wahl, wenn der deutsche Sport eine Grundsatzentscheidung fällt.“

Einem ist dies viel zu wenig: dem Vorsitzenden des Landessportbundes, Klaus Böger, als einstiger SPD-Bildungssenator vertraut mit den Üblichkeiten politischer Vorsicht. Er sehe in der Münchner Entscheidung ein „Warn-, aber kein Stoppzeichen“ für olympische Bewerbungen aus Deutschland, sagt Böger. „Ich wünsche mir da mehr Offensive.“ Und er fordert den Senat auf zu handeln: „Man braucht jetzt Mut, Offenheit und Diskurswilligkeit. Ich erwarte, dass die Berliner Politik jetzt nicht mehr sagt, ,wir stehen bereit’. Sondern: ,Wir wollen das’.“

Sportfunktionär Böger ist überzeugt, dass die Hauptstadt hervorragende Chancen hätte: „Berlin kann Großereignisse.“ Die Stadt habe jetzt schon mit dem Olympiastadion und etlichen großen Hallen beste Bedingungen. Für Olympia 2000 gebaute Sportstätten wie das Velodrom oder die Schwimm- und Sprunghalle ließen sich erweitern, gänzlich neu errichtet werden müsste nur eine Regattastrecke.

Zeit für Bürgerbeteiligung knapp

Eine Lehre aus München scheinen dabei alle Berliner Sportverantwortlichen zu ziehen: Ohne Mitbestimmung der Bürger wird es nicht mehr gehen. Tatsächlich ist die Zeit dafür jetzt schon knapp, denn das Bewerbungsverfahren für 2024 beginnt bereits im Frühjahr 2015. Und bis dahin müsste der DOSB die nationale Vorauswahl getroffen haben. Neben Berlin interessiert sich auch Hamburg für die Sommerspiele. Vielleicht aber auch erst 2028.