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Olympischer Sportbund: Nur nicht wieder scheitern

Am 13. September können Berliner abstimmen. Foto: Maurizio Gambarini/Archiv

Am 13. September können Berliner abstimmen. Foto: Maurizio Gambarini/Archiv

FRANKFURT AM MAIN -

Wenn der Kongress des Deutschen Olympischen Sportbundes am 21. März in der Frankfurter Paulskirche zu seiner Außerordentlichen Sitzung zusammenkommt, wird die Entscheidung über die deutsche Bewerberstadt für Sommerspiele 2024, die formal der Mitgliederversammlung vorbehalten ist, wohl bereits gefallen sein. Bereits am 16. März, wird das DOSB-Präsidium tagen, um Berlin oder Hamburg als potenzielle Kandidatenstadt auf den Schild zu heben. „Dann werden wir einen Vorschlag erarbeiten für die Mitgliederversammlung“, bestätigte Generaldirektor Michael Vesper am Dienstag in Frankfurt das Prozedere.

Aber warum bedarf es überhaupt eines solchen Präsidiumsbeschlusses, der die Abstimmung in der Paulskirche präjudiziert, weil die DOSB-Vollversammlung an der Geburtsstätte des deutschen Parlamentarismus dem Vorschlag der Bosse mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit folgen wird? DOSB-Präsident Alfons Hörmann erklärte das im Pressegespräch anlässlich einer dreitägigen Präsidiumsklausur in Frankfurt am Dienstag so: „Weil die Mitglieder in einer Frage von solcher sportstrategischen Bedeutung klar und eindeutig eine Empfehlung des Präsidiums erwarten.“

Für die beiden Bewerberstädte lautet die entscheidende Frage der kommenden Wochen: Wie können wir die zehn Mitglieder des DOSB-Präsidiums, zu denen auch der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, Thomas Bach, gehört, auf unsere Seite ziehen? Beide erhalten vor den entscheidenden Tagen im März noch einmal Gelegenheit, sich und ihre Vorstellungen in Frankfurt in Workshops zu präsentieren. Für revolutionäre Bewegung im olympischen Vormärz könnte aber vor allem die zweite Umfrage sorgen, die der Sportdachverband beim Meinungsforschungsinstitut Forsa in Auftrag geben wird. Ende Februar soll einer repräsentativen Auswahl von Hamburgern und Berlinern erneut das olympische Fieber gemessen werden.

Das Ergebnis der Befragung, zu der sich Forsa auf Anfrage nicht äußerte, kann bei der Entscheidung für die deutsche Bewerberstadt eine große Rolle spielen. Die „Frage der Grundstimmung in den beiden Städten“ sei eine wichtige Grundlage für die anschließende Diskussion im Präsidium, sagte Hörmann verklausuliert. Die Befragung werde deshalb nach seinem Dafürhalten „in mehrfacher Hinsicht eine sehr entscheidende Bedeutung haben“. Michael Vesper erinnerte an die am Bürgervotum gescheiterte Bewerbung Münchens um die Winterspiele 2018, als er die Bedeutung einer hohen Zustimmungsrate unterstrich: „Wo haben wir die größere Sicherheit, dass uns nicht ein zweites München passiert?“

Auf den Abstand kommt es an

Wird also die Demoskopie zum Scharfrichter für Berlins (oder Hamburgs) Olympia-Ambitionen? Nein, sagen Hörmann und Vesper, denn die aus der Februar-Umfrage herauszulesende Zustimmung sei nicht zwangsläufig der ausschlaggebende Faktor für die Präsidiums-Empfehlung. „Liegen die Prozentzahlen eng beieinander, dann spielt ein solches Thema nur eine untergeordnete Rolle. Je größer der Abstand ist und je näher wir dem Bereich der 50 Prozent sind, umso eher hat das Auswirkungen“, sagte der DOSB-Präsident. Der Generaldirektor erklärte, das Umfrageergebnis werde eine „sehr, sehr wichtige Grundlage der Entscheidung, aber ganz sicher nicht die einzige“ sein.