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Ostkreuz: Getöntes Glas und China-Granit

Die neue Ringbahnhalle des Ostkreuzes wird am 16. April in Betrieb genommen.

Die neue Ringbahnhalle des Ostkreuzes wird am 16. April in Betrieb genommen.

Foto:

Gerd Engelsmann

Berlin -

Na klar, an den alten Ringbahnsteig F des Ostkreuzes kann sich Stefan Guske noch ziemlich gut erinnern. Auf gerade mal zehn Metern Breite drängten sich die Fahrgäste. Zuletzt war ein Teil sogar mit Gitterzäunen abgesperrt, weil sich dort eine baufällige Stelle befand. Rund um die Blumenkübel und Keramikfiguren, mit denen S-Bahner diesen Bereich liebevoll schmückten, taten sich Löcher im Boden auf.

„Doch die Zeit geht weiter“, sagt Guske. Das marode Idyll gibt es nicht mehr. Jetzt steht dort die neue Ringbahnhalle des Ostkreuzes, die am 16. April in Betrieb genommen wird. Guske, der den Bau betreut, macht nicht den Eindruck, als ob er dem alten Bahnsteig nachtrauert. Im Gegenteil: „Ich bin froh, dass sich Berlin ein Bauwerk wie dieses gegönnt hat“, sagt der Bauingenieur.

Bahnhof und Kiez werten sich gegenseitig auf

Die zwölf Meter hohe Bahnhofshalle, die in den vergangenen zwölf Monaten fristgerecht entstand, ist das weithin sichtbare Zeichen dafür, dass sich das Ostkreuz verändert – und mit ihm der Südosten Friedrichshains. „Der Bahnhof und das Viertel nebenan werden sich gegenseitig aufwerten“, davon ist Guske überzeugt. Zumal am Ostkreuz, das bereits jetzt von 100.000 Fahrgästen täglich genutzt wird, künftig auch Regionalzüge halten und für schnellere Verbindungen sorgen werden.

Der Regionalbahnsteig auf dem Ring werde im Dezember 2013 fertig, sagt Mario Wand, der Projektleiter von der Deutschen Bahn Projekt Bau. Von dort können Züge in 20 Minuten zum Flughafen BER fahren. Potsdam liegt in Zukunft 40 Minuten vom Ostkreuz entfernt. Ab Mitte 2016 kann im unteren Teil der Regionalexpress nach Magdeburg und Frankfurt (Oder) halten. Vorausgesetzt, die Bahn erhält rechtzeitig den Planfeststellungsbeschluss für den dreigleisigen Streckenausbau.

Nicht jeder kommt nach oben

Das Berliner Lokalkolorit des alten Ostkreuzes mit seinen gusseisernen Pfeilern, ausgetretenen Stufen, dem lückigen Kleinpflaster verschwindet. Längst dominieren Materialien, wie sie überall das Bild bestimmen – bei der Ringbahnhalle sind es Beton, Stahl und Verbund-Sicherheitsglas. Im Dach wechseln sich Lichtbänder mit grauen Profilblechen ab, die aus dem Industriebau stammen und dank ihres geringen Gewichts den Aufwand gering halten. Die Halle hat zwölf Millionen Euro gekostet, das ist wenig. Kosten wurden auch dadurch gespart, dass der Bau den 152,5 Meter langen Ringbahnsteig nicht komplett überspannt: Sie misst 135 Meter, sagt Guske. Doch für Sechs-Wagen-Züge reiche das.

Doch das Bauwerk wird den Ostkreuz-Nutzern auch einen bisher unbekannten Komfort bescheren. Schon zu Beginn gibt es an beiden Ausgängen Aufzüge und Fahrtreppen. An den Übergängen zu den unteren Bahnsteigen D und E kommen später weitere hinzu. Das getönte Glas schützt vor Sonne. Der neue Ringbahnsteig F ist bis zu 41 Meter breit und hat einen Boden aus chinesischem Granit, so Guske. Sechs Pavillons stehen dort – einer für das S-Bahn-Personal, fünf für Läden.

Der Brezelstand vom unteren Bahnsteig D zieht nicht nach oben um, er hat keinen Mietvertrag bekommen. Die Miete sei hoch, sagt eine Verkäuferin. LeCrobag, McDonalds, ein Chinaimbiss und Backwerk haben es dagegen geschafft. Die Frau vom Brezelstand hat jetzt Angst um ihren Arbeitsplatz. 16 Jahre arbeitet sie für die Bäckerei: „Ich hoffe, dass ich noch irgendwo anders etwas kriege.“ Nebenan gibt es Wiener für 90 Cent und Kaffee für 70 Cent. Noch. Solche Preise wird es im Bahnhof Ostkreuz in Zukunft wohl nicht mehr geben.(mit xjac.)