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Berliner Zeitung | Pankow: An S- und U-Bahnhof entstehen Fahrradparkplätze auf zwei Etagen
29. February 2016
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Pankow: An S- und U-Bahnhof entstehen Fahrradparkplätze auf zwei Etagen

Fahrradparkplatz Pankow

Herausziehen, Fahrrad draufschieben, hochstellen: Stadtrat Kirchner, Staatssekretär Gaebler und S-Bahn-Chef Buchner (v.l.) testen die neue Anlage in Pankow.

Foto:

BLZ/Gerd Engelsmann

Berlin -

Die Frau dachte, dass sie in eine Demo geraten war. „Ich finde das da auch hässlich“, rief sie. „Kann ich irgendwo unterschreiben?“ Doch es war ein Missverständnis, sie war an den falschen geraten.

„Das hier ist keine Protestveranstaltung“, antwortete der Mann neben ihr. Es handelte sich um Jens-Holger Kirchner, Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung, der am Montag die neuen Doppelstock-Parkplätze für Fahrräder am Bahnhof Pankow vorstellte. Er findet die Konstruktion nicht hässlich. Im Gegenteil: „Sie ist praktisch und sicher“, sagte der Grünen-Politiker, der mit seinem Fahrrad immer und immer wieder zeigen musste, dass auch die obere Etage halbwegs erreichbar ist. Die Anlage für 300 Fahrräder am S- und U-Bahnhof Pankow ist in Berlin die erste Stellplatzanlage dieser Art, die auf öffentlichem Straßenland steht.

„Wir müssen noch zulegen“

Es gab noch andere Passanten, die sich über das neue Stadtmöbel mokierten. Nicht zu Unrecht, denn das Produkt der Firma Orion aus Neustadt in Sachsen kommt in ungeschönter stählerner Techno-Optik daher. Doch angesichts der Situation vor vielen Bahnhöfen kommt man mit ästhetischen Erwägungen nicht weit, hieß es. Legale Fahrrad-Stellplätze sind oft belegt, und wer keinen mehr bekommt, stellt sein Gefährt irgendwo ab. So ist es auch am Bahnhof Pankow, sagte Kirchner. „Platz ist knapp. Da war es nur folgerichtig, dass hier eine Doppelstockanlage gebaut wurde.“

Bedenken, dass die Technik schwer handhabbar wirke, wies er zurück: „Im Fahrradparkhaus Bernau funktioniert sie seit Jahren. Warum nicht auch hier?“ Finanziert wurde die 115 000-Euro-Investition in Pankow vom Senat, der Bike and Ride jährlich mit 300 000 Euro unterstützt. Die S-Bahn Berlin, an deren Stationen nun rund 11 000 Rad-Parkplätze zur Verfügung stehen, sorgt für Instandhaltung und Pflege.

„Dank des platzsparenden Konzepts konnte die Abstellkapazität an diesem Standort in Pankow um das Vierfache gesteigert werden“, teilte S-Bahn-Chef Peter Buchner mit. Die dreimonatige Testphase zeige: Die zusätzlichen Parkplätze werden gebraucht, im oberen Stock sind ebenfalls kaum noch Halterungen frei.

Auch wenn die Anlage keinen ungeteilten Beifall findet: „Sie wird von den Radfahrern angenommen“, sagte Verkehrs-Staatssekretär Christian Gaebler (SPD). Zwar gebe es an Berlins S- und U-Bahnhöfen bereits Stellplätze für rund 27 000 Fahrräder, und jährlich kämen tausend hinzu. Auch am S-Bahnhof Schönhauser Allee sei eine Doppelstockanlage geplant, sagte Kirchner.

Der Fahrradverkehr wachse aber noch stärker, sagte Gaebler. „Angesichts dieser Dynamik werden wir noch zulegen müssen.“ Er widersprach jedoch den Rad-Aktivisten, die mit einem Plebiszit 200 000 zusätzliche Stellplätze in Berlin durchsetzen wollen. „Das Fahrrad ist ein stadtverträgliches Verkehrsmittel“, sagte Gaebler. „Solche überzogenen Forderungen passen nicht dazu.“

Drei Euro pro Tag

Er wies auch Kritik zurück, dass Berlin in Sachen Fahrrad-Parkhäuser kaum vorankomme – während es in Bernau und Potsdam bereits solche Einrichtungen gibt. Für die geplanten Rad-Parkhäuser im Bezirk Steglitz-Zehlendorf – im Gespräch sind die Bahnhöfe Zehlendorf, Krumme Lanke und Mexikoplatz – würden nun die Förderanträge versandt. Es folgten Ausschreibungen, mit denen ein Betreiber gesucht werde, auch für die Stellplatzanlage am Bahnhof Gesundbrunnen. Ein Monat sicheres Parken werde weniger als zehn Euro kosten, hofft man.

Auch die grünen Stahlboxen für 30 Fahrräder, die im Bezirk Lichtenberg aufgestellt wurden, sind nicht gratis nutzbar. Gebucht wird per App. Die erste Stunde Parken kostet einen Euro, die zweite 80 und die dritte 70 Cent. „Pro Tag werden maximal drei Euro fällig“, sagt Claudine Oldengott, die Gründerin und Chefin. Veloeasy, ihr Start-Up aus Berlin, möchte Geld verdienen. Von diesem Mittwoch an stehen die ersten drei „Rondelle“, wie die 27-jährige Berlinerin die grünen Mini-Parkhäuser nennt, zur Verfügung: vor den Bahnhöfen Lichtenberg und Karlshorst.