Berlin
Informationen und Veranstaltungen rund um die Hauptstadt Berlin und die Region

Pankower Garbátyplatz: Die dunkle Fassade muss weg

Von 
Wo früher Grünflächen waren, steht heute ein grauer Dreistöcker, dessen düstere Fassade in Pankow für Ärger sorgt.
Wo früher Grünflächen waren, steht heute ein grauer Dreistöcker, dessen düstere Fassade in Pankow für Ärger sorgt.
Foto: AKUD/Lars Reimann
Berlin –  

Das umstrittene Gebäude auf dem Pankower Garbátyplatz soll umgebaut werden. Für die Fassade hat der Baustadtrat des Bezirks eine Rückbau-Anordnung erlassen. Zudem erhielt der Investor einen Bußgeldbescheid in Höhe von 50.000 Euro.

Kaum vier Monate ist es her, dass auf dem Pankower Garbátyplatz das Gerüst um das neue Einzelhandels- und Ärztezentrum abgebaut wurde, da dürfte der umstrittene Kasten schon wieder zur Baustelle werden. Für die Fassade des 20 Millionen Euro teuren Gebäudes hat der Baustadtrat des Bezirks, Jens-Holger Kirchner (Grüne), jetzt eine Rückbau-Anordnung erlassen. Zudem erhielt der Investor aus Süddeutschland einen Bußgeldbescheid in Höhe von 50.000 Euro. „Die Firma hat sich nachweislich nicht an die Baugenehmigung gehalten“, so Kirchners Begründung.

Seit Wochen steht das neue Zentrum nördlich der Florastraße am S- und U-Bahnhof Pankow wegen seiner Architektur massiv in der Kritik. Die dunkelgraue, teilweise schwarz wirkende Fassade stößt bei Bezirkspolitikern und bei Tausenden Passanten, die täglich daran vorüberlaufen, auf deutliche Ablehnung. Zu dunkel und erdrückend sei der Bau auf dem Platz, der früher offen und hell war, mit seinen Grünanlagen und Parkbänken.

„Man kommt aus dem Bahnhof und steht vor einem riesigen schwarzen Klotz“, sagt Gregor Kijora, stellvertretender SPD-Fraktionsvorsitzender in der Bezirksverordnetenversammlung. Er habe viele Zuschriften von Pankowern bekommen, die sich über den Neubau beschweren. Jens-Holger Kirchner als zuständiger Stadtrat ist besonders erbost über den Bauherrn, die Firma Merz Objektbau aus Baden-Württemberg. „Das hat Pankow nicht verdient, was da gebaut wurde“, sagt er.

Versuch einer Einigung gescheitert

Im Dezember war der Versuch einer Einigung mit dem Investor gescheitert. Nachdem der Stadtrat der Firma Merz mit Ärger gedroht hatte, legte diese einen neuen Entwurf für die Fassade vor. Das Bezirksamt allerdings lehnte ab. Es habe kaum Verbesserungen gegeben, sagt Kirchner. „Das war nur Kosmetik.“ Auch ein Vorort-Termin habe keine Fortschritte gebracht. Die Firma Merz habe sich stattdessen auf die Architekturfreiheit berufen.

In der Kritik steht vor allem der mittlere Teil des Gebäudes, eine Art Brückenbauwerk, das sich über den Eingang zur U-Bahn spannt. Es verbindet zur Linken und zur Rechten die beiden Hauptteile des Einzelhandels- und Ärztezentrums und wirkt mit seiner anthrazit-farbenen Fassade besonders düster.

Fassade wirkt besonders düster

„Sogar im Bauantrag der Firma stand eine ganz andere Fassadenausführung für das Brückenbauwerk“, sagt der Stadtrat. Von einer hellen, transparenten Glasfassade sei die Rede gewesen. Auch die Simulationen der Planung hätten das deutlich gezeigt. Der alte Pankower Bahnhof habe sich in der Fassade spiegeln sollen.

Dies sei sogar eine Bedingung der Denkmalschutzbehörde gewesen. Jede Änderung hätte eines Nachtrags zur Baugenehmigung bedurft, sagt Kirchner. Wie man beim Investor mit den Sanktionen des Bezirks umgehen wird, ist unklar. Die Verantwortlichen waren für eine Stellungnahme am Donnerstag nicht zu erreichen. Jens-Holger Kirchner rechnet allerdings nicht mit einem schnellen Einlenken des Investors. Auch auf eine juristische Auseinandersetzung sei er gefasst.

Doch selbst wenn die Fassade demnächst ausgetauscht werden sollte – die beiden dreigeschossigen Hauptbauwerke, in denen bereits Geschäfte und Arztpraxen eröffnet haben, sind davon nicht betroffen. Auch sie sind mit grauen Platten betäfelt, die laut Kirchner allerdings so genehmigt wurden.

Verhindern konnte der Bezirk die Bebauung nicht. Denn der Garbátyplatz, benannt nach dem sozial engagierten jüdischen Zigarettenfabrikanten Josef Garbáty, war im Besitz des Liegenschaftsfonds und wurde 2008 an die Firma Merz verkauft. Um den Platz selbst zu erwerben, fehlte dem Bezirk das Geld. Grundsätzlich sei die Bebauung auch zu begrüßen, sagt SPD-Mann Gregor Kijora.

„Man hätte da aber früher reagieren müssen“, sagt er mit Blick auf die Vorgaben zur Fassadengestaltung. Das harte Vorgehen Kirchners gegen den Investor hält er für richtig. „Damit bin ich vollkommen einverstanden.“

Ressort

Was in Berlin passiert, beschäftigt oft die ganze Republik. Wir schreiben Nachrichten, Reportagen und Analysen aus dem Herzen der Hauptstadt. Und sagen, was wo läuft.


Umfrage

Soll sich Berlin für Olympia 2024 bewerben?

35% Ja klar!
58% Nein, auf keinen Fall!
7% Ist mir egal.
Teilnehmer: 9213
Sonderbeilagen & Prospekte
Facebook
Berliner-Zeitung.de auf Facebook
Anzeige

Offen, hell und freundlich - am Berliner Bahnhof Gesundbrunnen entsteht ein neues Empfangsgebäude. mehr...

Aktuelle Berlin-Videos
So sah Berlin früher aus
Dossier
Am Alexanderplatz soll ein 150-Meter-Turm entstehen.

Wie soll die Mitte Berlins aussehen? Alles zur Städtebau-Debatte.

Dossier
Am 8. Mai 2010 hatte Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) das Flugfeld für die Öffentlichkeit freigegeben.

Wohnen oder Park: Was wird aus dem alten Flughafen-Gelände?

Dossier
Wriezener Karree am Ostbahnhof.

Die Lage auf dem Immobilienmarkt verschärft sich. Dossier.

Dossier
Der mittelständische Bauverband ZDB warf der öffentlichen Hand vor, in den vergangenen Jahrzehnten aus Kostengründen ihre Kompetenz als Bauherr stetig zurückgefahren zu haben.

Der Pannen-Flughafen Berlin-Brandenburg wird zum Politikum.

Service

Wo drohen Staus? Fährt die S-Bahn? Immer ab 16 Uhr für den Folgetag.

Polizei
Berliner Jobmarkt
Berlin in Bildern
Berliner Kieze und Bezirke
Persönliche Ausgabe
myPage

Gestalten Sie eine Sonderausgabe der Berliner Zeitung mit Ihren individuellen Ereignissen.