17.01.2012

Parlamentsviertel: Unterirdisch bis zum Reichstag

Von Ulrich Paul
Unterirdisches Tunnelsystem: Die Fußgänger können nun trockenen Fußes zwischen den Häusern im Parlamentsviertel wandeln.
Unterirdisches Tunnelsystem: Die Fußgänger können nun trockenen Fußes zwischen den Häusern im Parlamentsviertel wandeln.
Foto: Ulrich Paul
Berlin –  

Der Bundestag bezieht ein neues Bürohaus und plant ein Besucherzentrum. Ein Tunnel verbindet die Gebäude miteinander und leitet die Fußgänger trockenen Fußes durch das Parlamentsviertel. Außerdem entstehen zwei Ministerien unweit der Spree.

Umzugskisten stehen an den Fenstern, daneben Grünpflanzen. Im Bürohaus des Deutschen Bundestags an der Wilhelmstraße 65/Ecke Dorotheenstraße zieht langsam Leben ein. Das Gebäude, ein ehemaliger Plattenbau aus DDR-Zeiten, ist von 2008 bis Ende 2011 nach Plänen des Architekturbüros Lieb + Lieb von Grund auf saniert worden. Es ist der jüngste Zuwachs im Parlaments- und Regierungsviertel, aber nicht der letzte. Weitere Häuser sind entweder in Bau oder bereits geplant.

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Kerstin Tack aus Hannover ist als eine der ersten in das neue Bürohaus an der Wilhelmstraße eingezogen. Sie sitzt im zweiten Obergeschoss. „Ich bin sehr glücklich“, sagt sie. Früher hat sie im Erdgeschoss des Jakob-Kaiser-Hauses gearbeitet. „Dunkel und laut“ sei es dort gewesen. Jetzt sei alles viel heller.

Unterirdisch zum Reichstag

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Rund 41,5 Millionen Euro hat die Sanierung des einstigen Plattenbaues gekostet. Davon entfielen 7,5 Millionen Euro auf einen unterirdischen Tunnel. Er verbindet das neue Gebäude mit dem gegenüberliegenden Jakob-Kaiser-Haus, dem größten Parlamentskomplex. Die neue Röhre hat dort Anschluss an das weit verzweigte Tunnelsystem des Parlamentsviertels, welches das Jakob-Kaiser-Haus, den Reichstag, das Paul-Löbe-Haus und das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus unterirdisch verbindet.

Die Bundestagsabgeordneten und ihre Mitarbeiter gelangen durch die Tunnel trockenen Fußes von ihren Büros bis zum Reichstagsgebäude. Die Katakomben im Parlamentsviertel sind mehrere hundert Meter lang. Der Bund der Steuerzahler in Nordrhein-Westfalen stört sich allerdings an der Röhre unter der Wilhelmstraße. „Verschwendung pur“, lautet sein Urteil angesichts der hohen Kosten.

„Ich wäre auch über die Straße gegangen“, sagt die Abgeordnete Tack. Aber jetzt, wo der Tunnel da sei, nutze sie ihn auch. Sinnvoll sei immerhin, dass man nicht ständig mit einer Jacke rumlaufen müsse.

Kleiderkontrolle im Spiegelgang

Der neue Tunnel unter der Wilhelmstraße ist an der Decke und an den Wänden mit gelben Lichtbändern ausgestattet. Sie gehören zu einer Kunstinstallation der Berlinerin Gunda Förster und sind Teil des Projekts für Kunst am Bau. Wer den gelb beleuchteten Tunnel durchschritten hat, gelangt im Jakob-Kaiser-Haus zu einer weiteren Röhre mit großen Spiegeln an den Seitenwänden. Eine gute Gelegenheit für die Abgeordneten, auf dem Weg ins Plenum eine letzte Kleiderkontrolle vorzunehmen. Vorbei an der Druckerei der SPD-Fraktion führt der Weg an einigen Kunstwerken entlang bis zum Reichstagsgebäude.

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