06.02.2012

Parochialkirche: Neue alte Töne im Klosterviertel

Von Uwe Aulich
Der Turm der Parochialkirche an der Klosterstraße wurde 1944 zerstört.
Der Turm der Parochialkirche an der Klosterstraße wurde 1944 zerstört.
Foto: Bildarchiv Preussischer Kulturbesitz/Ewald Gnilka

Die 1944 zerstörte Spitze der Parochialkirche soll wieder aufgebaut werden. Auch das Glockenspiel wird restauriert. 65 Meter hoch soll die Spitze werden, aus einer Holz-Stahl-Konstruktion bestehen und mit grauem Kupferblech verkleidet werden. Insgesamt werden rund 3 Millionen Euro investiert.

Wenn der Unternehmer Hans Wall über das alte Glockenspiel der Parochialkirche spricht, gerät er ins Schwärmen. „Das ist nicht irgendein Glockenspiel. Tausende Berliner haben jedes Wochenende den Melodien zugehört“, sagt er. Jede Viertelstunde seien Lieder mit den 37 Glocken gespielt worden. Sogar Radioübertragungen habe es gegeben.

Doch das ist lange her: Im Mai 1944 war die Turmspitze bei einem Bombenangriff zerstört worden und mit dem einzigartigen Glockenspiel in das Kirchenschiff gestürzt. 1987 begann die Sanierung der Kirche, die heute zur evangelischen Kirchengemeinde St. Petri–St. Marien gehört. Die wesentlichsten Arbeiten wurden in den 90er Jahren abgeschlossen, doch noch immer fehlt dem 1703 eingeweihten Kirchenbau die Spitze.

Berlins Mitte

Ein Kloster der Franziskaner gab dem Klosterviertel in Mitte seinen Namen. Mit dem zum Nikolaiviertel gehörenden Molkenmarkt gehört es zu den ältesten Stadtteilen Berlins. Kriegszerstörungen, Nachkriegs-Abrisse und die Verkehrsplanung der 60er Jahre raubten dem Viertel seine Identität.

Das soll sich nun ändern. Der Architekt Jochen Langeheinecke aus Werneuchen hat seine Planung für eine neue Turmspitze abgeschlossen und Bauantrag im Bezirk Mitte eingereicht. 65 Meter hoch soll die Spitze werden, aus einer Holz-Stahl-Konstruktion bestehen und mit grauem Kupferblech verkleidet werden. „Wenn sie altert, wird es aussehen, als ob das Dach aus Stein ist“, sagt Langeheinecke. Er rechnet damit, die Baugenehmigung im Frühjahr zu erhalten, die Bauzeit werde zweieinhalb Jahre betragen.

Investitionen von rund 3 Millionen Euro

Besonders ausgefeilt ist Langeheineckes Konzept für die Uhrengeschosse im Turm. Denn nicht nur ein neues Glockenspiel soll eingebaut werden, sondern auch die komplette Mechanik möglichst originalgetreu rekonstruiert werden. Dazu gehört wie bei einer kleinen Spieluhr auch eine Walze, von der die Melodien abgespielt werden. Die Trommel in der Parochialkirche wird einen Durchmesser von eineinhalb Metern haben und fünf Meter lang sein, so der Architekt. Die Glocken könnten aber auch wie früher von Hand gespielt werden. Eine Glockenbaufirma aus Amsterdam soll das Glockenspiel neu bauen.

Die Finanzierung des neuen Kirchturms ist allerdings noch offen. Etwa 2,5 Millionen Euro kostet der Turmbau, weitere 500.000 Euro das Glockenspiel. Die Kirchengemeinde kann das nicht finanzieren, wird aber vom Verein „Denkmal an Berlin“ unterstützt, dessen Vorstandsvorsitzender Hans Wall ist. Möglicherweise soll nun ein Förderantrag bei der Lottostiftung gestellt werden, auch Fördermittel von der EU könnte es eventuell geben. Das prüft die Stiftung derzeit.

Noch dieses Jahr wird der Innenraum der Kirche umgestaltet. Laut Pfarrer Johannes Krug wird es dort weiterhin Gottesdienste und Trauungen geben. Zugleich wird die Kirche aber auch ein Ausstellungsort der Stiftung Kirchliches Kulturerbe sein, unter anderem sollen Gemälde und Skulpturen gezeigt werden.

Hans Wall hat für den neuen Turm bereits 90.000 Euro gespendet. Zweifel, dass es wegen Geldmangels Verzögerungen geben könnte, hat er nicht. „Liegt die Baugenehmigung vor, wird mit dem Turmbau auch begonnen.“ Denkmal an Berlin verspricht sich vom Turmbau auch eine Signalwirkung für den Wiederaufbau des historischen Klosterviertels.

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