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Partyboote: Nur noch mit Bootsschein

Auf Eis gelegt: Günther Winkler auf seiner 14-Meter-Yacht in Potsdam.

Auf Eis gelegt: Günther Winkler auf seiner 14-Meter-Yacht in Potsdam.

Foto:

Gerd Engelsmann

Potsdam -

Weiß, schnittig und elegant sieht es aus, das große Sportboot, das im Potsdamer Yachthafen vor Anker liegt. Carpe Diem heißt die 14-Meter-Yacht mit drei Kabinen, Salon, Küche, zwei Toiletten, Duschen sowie einer Badeplattform und großem Sonnendeck.

Der Name bedeutet übersetzt „Nutze den Tag“ und ist Programm, besser gesagt war Programm. Denn die Yacht ist derzeit nicht nur wegen des kalten Winters in der zugefrorenen Havel gefangen, sondern liegt auch sprichwörtlich auf Eis – aus bürokratischen Gründen.

Schiffseigner Günther Winkler vermietet seine Yacht seit 1995 hauptberuflich für individuelle Geburtstagspartys oder Firmentouren. „Mit dem Vorstand von Siemens sind wir bis nach Stettin gefahren“, erzählt der 56-Jährige. Auch Schauspielerin Iris Berben bekam eine Rundfahrt zum Geburtstag geschenkt.

Winkler wurde auch ganz offiziell gebucht, um der Frau des indischen Ministerpräsidenten die schönen Gewässer zwischen Potsdam und Berlin zu zeigen. Bislang hat der Ingenieur für Elektrotechnik etwa eine Million Euro in sein Geschäft investiert und lässt ein neues großes Boot bauen, das in zwei Jahren fertig sein soll. „Aber nun habe ich quasi Berufsverbot“, sagt er.

Ende eines Booms

Schuld daran ist eine neue Verordnung des Bundesverkehrsministeriums, die das Vermieten von Sportbooten deutlich erschwert. Denn der Verleih solcher Wasserfahrzeuge funktionierte bislang oft anders als bei Autos, bei denen die meisten Mieter selbst fahren und keinen Chauffeur benötigen. Da die wenigsten Leute aber einen Bootsführerschein besitzen, haben sich Firmen darauf spezialisiert, Boote samt Schiffsführer zu vermieten.

Solche touristischen Angebote für Ausflüge mit Charterbooten, Flößen, Ponton- oder Solarbooten haben in den vergangenen Jahren massiv zugenommen, vor allem im bundesweit größten Wassertourismus-Revier – der Region Berlin-Brandenburg sowie der Mecklenburger Seenplatte.

„Grundsätzlich besteht weiterhin die Möglichkeit, Sportboote zu vermieten“, sagt Petra Bethge vom Bundesverkehrsministerium. „Es ist aber künftig nicht mehr möglich, dass das Vermietungsunternehmen den Bootsführer stellt.“ Es soll verhindert werden, dass mit Sportbooten immer mehr „verdeckte Fahrgastschifffahrt“ betrieben wird. Denn für Fahrgastschiffe gelten höhere technische Anforderungen, die bei Sportbooten nicht erfüllt sind. Außerdem gibt es höhere Qualifikationsanforderungen an Schiffsführer und Besatzung.

„Wir begrüßen die Regelung und haben uns dafür eingesetzt“, sagt Jörg Rusche vom Bundesverband der Binnenschiffer. Es gehe nicht darum, unliebsame Konkurrenz auszuschalten, obwohl viele Schiffer klagen, dass kleine Anbieter ihnen Passagiere wegschnappen. „Für uns steht die Sicherheit der Passagiere an erster Stelle“, sagt Rusche.

„Wir sind dafür, dass Fahrgastschifffahrt nur von Fahrgastschiffen betrieben wird.“ Das seien alle offiziell zugelassenen Fahrzeuge vom Wassertaxi bis zum großen Spree-Dampfer mit 250 Passagieren. Anders als bei kleineren Sportbooten müssten Fahrgastschiffe auch Funk und Schwimmwesten an Bord haben, auch der Brandschutz muss gewährleistet sein. Die Schiffsführer seien viel besser ausgebildet, arbeiten mindestens vier Jahre an Bord, bevor sie Kapitän werden dürfen und seien auch für mögliche Evakuierungen ausgebildet. Außerdem ist der Kapitän nicht allein an Bord, sondern hat auch eine Besatzung.

„Wenn ein Passagier an einen Steg kommt, weiß er doch nicht, ob er auf ein Sportboot steigt oder auf ein offizielles Fahrgastschiff“, sagt Rusche. „Wir wollen, dass es kein Sicherheitsgefälle gibt.“

„Bedenken nur vorgeschoben“

Günther Winkler, der Eigner der Carpe Diem, hält die Argumente für nicht glaubwürdig. „Die Sicherheitsbedenken werden nur vorgeschoben. Es geht doch nur darum, dass sich die Binnenschiffer vor Konkurrenz schützen wollen.“ Die Wasserschutzpolizei habe bestätigt, dass es bislang keine Unfälle mit den Charterbooten gegeben hat.

Winkler geht über die Yacht. „Ich habe das Kapitänspatent, ich kenne das Schiff ganz genau und natürlich auch die Gewässer hier. Bei mir sind die Leute sicher.“ Er findet die Neuregelung absurd. Wenn er nur noch an Leute vermieten darf, die das Boot selbst fahren dürfen, weiß er doch gar nicht, ob die erfahren genug sind. Das wäre nicht nur für sein teures Boot gefährlich, sondern vor allem für die Passagiere.

Winkler zeigt unter Deck die Feuerlöscher sowie Funk und Radar. Dann ruft er: „Ernstfall“, stürmt in die Kabine, klappt eine Sitzbank auf und zieht nach zehn Sekunden die erste Schwimmweste heraus. „Wir erfüllen alle Sicherheitsstandards.“ Deshalb will er nun eine Sondergenehmigung für seine Yacht beantragen. „Ich hab nicht nur Anfragen für dieses Jahr, ich habe unterschriebene Verträge. Ich gebe nicht so schnell auf.“ Nun wollen einige Firmen gegen die Neuregelung klagen.