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Paula Kalenberg im Film Systemfehler: Lacht! Sonst muss ich wieder weinen gehen

Paula Kalenberg ist 1,56 Meter groß.

Paula Kalenberg ist 1,56 Meter groß.

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Berliner Zeitung/Christian Schulz

Sie wurde durch ihre Rollen in „Krabat“ und „Die Wolke“ bekannt, spielte aber auch die Luise Miller in Leander Haußmanns Verfilmung von „Kabale und Liebe“. Wenn Paula Kalenberg zurückblickt, dann fällt ihr an ihren bisherigen Rollen eines besonders auf: „Ich musste in allen meinen Filmen weinen.“ Ihre neueste Produktion „Systemfehler – Wenn Inge tanzt“ ist die große Ausnahme: „Es ging mal ohne Heulerei.“ Am 11. Juli soll die Komödie in die Kinos kommen. Paula Kalenberg ist schon auf die Reaktionen des Publikums gespannt: „Ich hoffe sehr, dass die Leute lachen. Sonst muss ich wieder weinen gehen.“

Inge geht allen auf die Nerven

In „Systemfehler – Wenn Inge tanzt“ spielt Paula Kalenberg die Titelheldin Inge, die vielen mit ihrem Umweltaktivistentum ziemlich auf die Nerven geht. Sogar die Schulband hat sie zur Zielscheibe für einen ziemlich gemeinen Spottsong („Wenn Inge tanzt“) auserkoren. Weil der Gitarrist sich aber an beiden Händen verletzt, wird für ein Vorspiel vor einem wichtigen Typen von einer Plattenfirma dringend Ersatz benötigt. Und Inge ist die einzige weit und breit, die eine Gitarre bedienen kann.

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Der Film ist erstklassig besetzt – neben Paula Kalenberg spielen auch Tim Oliver Schultz, Peter Kraus, Constantin von Jascheroff, Tino Mewes, Thando Walbaum und Jürgen Tarrach mit. Und Regisseur Wolfgang Groos hat einen Fehler, der Musikfilme schon oft die Glaubwürdigkeit gekostet hat, vermieden: Bei ihm tun die Schauspieler nicht nur so, als ob sie ein Lied spielen. Sie spielen es tatsächlich.

Was sich zunächst einmal einfacher anhört, als es tatsächlich war. Paula Kalenberg: „Wir hatten drei Monate Unterricht an unseren Instrumenten. Ich habe in dieser Zeit täglich so lange Gitarre gespielt, bis die Finger bluteten.“

Für sie war es besonders schwierig, weil sie glaubwürdig vermitteln können musste, dass sie klassische Gitarre und E-Gitarre spielen kann. Mit dem Ergebnis ist sie sehr zufrieden. „Ich glaube, die Musik in diesem Film ist richtig gut gelungen. Das sind durchweg mitreißende, deutschsprachige Songs. ‚Alles ist Scheiße‘ ist mein Lieblingslied. Das haben wir immer am Ende der Bandproben gespielt und dabei so richtig die Sau rausgelassen.“ Sie hat nach dieser Erfahrung im Anschluss an die Dreharbeiten zwar nicht gleich eine Band gegründet: „Aber ich spiele mit einem Freund zusammen weiter Gitarre und singe dazu“, erzählt sie.

„Olle Meckerliese lieb gewonnen“

Zum ersten Mal stand Paula Kalenberg mit Rock'n'Roll-Sänger und Schauspieler Peter Kraus („Alle lieben Peter“) gemeinsam vor der Kamera. Der 74-Jährige beeindruckte sie auch dadurch, dass er sie nicht zu beeindrucken versuchte: „Er ist eine Legende, benimmt sich aber nicht so. Einer der entspanntesten Kollegen, die ich bei der Arbeit kennengelernt habe. Besonders seine Energie imponiert mir sehr. Ich hänge am Ende eines anstrengenden Drehtages total durch. Er wirkt dann noch absolut frisch.“ Sie vermutet, dass das eine Frage der Erziehung ist: „Diese Generation bringt die Arbeit ganz diszipliniert zu Ende und erlaubt sich dabei keine Schwäche.“

Inge, die verklemmte, ständig mit Vorwürfen um sich werfende weibliche Hauptperson des Films, ging Paula Kalenberg anfangs ziemlich auf die Nerven. Was sie dann aber auch als Herausforderung verstand: „Ich hatte das Gefühl, dass es bei den Dreharbeiten meine Hauptaufgabe sein müsste, um Sympathien für Inge zu werben. Sie steht zu dem, was ihr wichtig ist. Ich habe die olle Meckerliese lieb gewonnen.“

Die 26-jährige Wahlberlinerin, die 2006 den New Faces Award und drei Jahre später den Nachwuchspreis der Goldenen Kamera gewann, entdeckte sogar Parallelen zwischen ihr und Inge: „Ich war Schülersprecherin, in einer Umweltgruppe und ständig auf irgendwelchen Demos. Ich unterstütze ja auch heute noch als Schirmherrin das Mädchenhaus Bielefeld“, erzählt sie.

Im vorigen Jahr hat Paula Kalenberg nicht nur klassische und E-Gitarre im Crash-Kurs gelernt, sie erwarb auch ihre Führerscheine für Pkw und Mofa: „2012 habe ich so viel gelernt, wie nie zuvor.“

Irgendwie scheint sie dabei auf den Geschmack gekommen zu sein. Das nächste große Projekt für ihren Wissensdurst hat sie auch schon in Angriff genommen: „Ich studiere jetzt Regie.“ Als Nebenwirkungen nimmt sie endlose Diskussionen in Kauf: „Ich studiere an der Film-Arche, das ist so ein Hippie-Laden, eine basisdemokratische Chaotenschule.“

Dass sie dort gelandet ist, kommt ihr ganz folgerichtig vor: „Das ist die logische Fortsetzung meiner Zeit an der Waldorf-Schule.“

Film: „Systemfehler - Wenn Inge tanzt“, ab 11. Juli 2013 im Kino