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Petition auf change.org: Schon viele tausend Unterschriften für eine David-Bowie-Straße in Berlin

Die Hauptstraße in Berlin-Schöneberg soll nach dem Wunsch vieler Fans in David-Bowie-Straße umbenannt werden.

Die Hauptstraße in Berlin-Schöneberg soll nach dem Wunsch vieler Fans in David-Bowie-Straße umbenannt werden.

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AFP

Astrid Knauer weiß, dass es viele David-Bowie-Fans gibt. „Doch ich habe nicht damit gerechnet, dass meine Petition so schnell so viele Unterstützer findet“, sagt sie. Die 50 Jahre alte Berlinerin setzt sich dafür ein, dass die Hauptstraße in Schöneberg nach dem britischen Musiker benannt wird, der am Sonntag 69-jährig an Krebs gestorben ist. Ihrer Petition, die Knauer im Internet gestartet hat, schlossen sich bis Donnerstagnachmittag bereits mehr als 8 300 Menschen an. Sie kommen nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus den USA, Italien, Schweden, Norwegen und von anderswo.

An diesem Freitag hat sie sich freigenommen. Am Schreibtisch sitzen, den Computer bedienen, das geht an diesem Tag nicht. Wie viele andere Fans des Musikers fährt Astrid Knauer ins ehemalige Hansa-Tonstudio 2 an der Köthener Straße. Dort hat Bowie, der von 1976 bis 1978 in der Hauptstraße 155 wohnte, eines seiner Berliner Alben aufgenommen. „Um 12 Uhr bin ich bei der Gedenkfeier im Meistersaal“, kündigt die Mahlsdorferin an.

„Heroes“ ist ihr Lied

„Ich bin ein Kind der DDR, Jahrgang 1965“, erzählt sie. „Ich war 13 oder 14 Jahre alt, als ich zum ersten Mal etwas über David Bowie las.“ In dem Buch „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ schwärmte die drogensüchtige Berlinerin Christiane F. von einem Bowie-Konzert. „Ich fand die Geschichte von Christiane F. erschütternd. Doch was sie über Bowie erzählte, hat mich fasziniert.“ Knauer begann, seine Musik zu hören, dabei ist es bis heute geblieben. Ihr Lieblingsstück ist „Heroes“.

David Bowie singt über ein Liebespaar, das sich im Schatten einer Mauer trifft. Gemeint ist die Berliner Mauer, die in Sichtweite des Tonstudios verlief. „Die Melancholie in diesem Lied hat mich angesprochen“, sagt Astrid Knauer. Auch sie hat eine Geschichte durchlebt, die der Stoff für „Heroes“ gewesen sein könnte. „Zu DDR-Zeiten hatte ich einen Soldaten aus den USA als Freund.“ Wie andere Tagestouristen aus dem Westen musste auch er Berlin, Hauptstadt der DDR, nachts wieder verlassen. „Die Mauer hat auch uns getrennt“, sagt Knauer. Wenn sie am Checkpoint Charlie oder am Bahnhof Friedrichstraße wartete, ging ihr „Heroes“ nicht mehr aus dem Kopf. Seitdem ist „Heroes“ ihr Lied.

Als David Bowie am 6. Juni 1987 am Reichstagsgebäude vor 60.000 Fans auftrat, hätte Astrid Knauer gern auf der Ostseite gestanden und den Musikfetzen, die aus dem Westen herüberwehten, zugehört. „Ich habe mich aber nicht getraut hinzugehen. Ich hatte gerade angefangen zu studieren und Angst, dass ich Schwierigkeiten bekommen könnte.“ Die Angst war berechtigt, denn was als friedliche Versammlung Unter den Linden begann, endete in Gewalt. Die Polizei ging mit Schlagstöcken gegen Tausende Jugendliche vor, die in Sprechchören den Abriss der Mauer forderten.

Astrid Knauer blieb David Bowie treu.„In meiner Disco-Phase tanzten wir zu ,China Girl’. Und wir hörten ,Under Pressure’.“ Heute ist sie Beamte im gehobenen Dienst im Bundesverwaltungsamt in Lichtenberg, als Dozentin unterrichtet sie Nachwuchskräfte in Verwaltungsrecht. „Wenn ich spät von der Arbeit nach Hause komme, höre ich auf Youtube erst einmal ein paar Bowie-Songs. Zwar werden meine Jungs meist böse“ – die Söhne, 20 und 21 Jahre alt, bevorzugen Rap und andere modernere Klänge. Doch Astrid Knauer hofft: „Vielleicht mögen sie Bowie auch, aber sie wollen es mir nur jetzt noch nicht sagen.“

Als sie im vergangenen Jahr ihren 50. Geburtstag feierte, erlebte Astrid Knauer eine Enttäuschung. „Für mein Fest hatte ich einen Diskjockey engagiert, der ,Heroes’ spielen sollte. Doch dieses Stück hatte er nicht im Programm. Schade!“

Senat darf Ausnahme genehmigen

Astrid Knauer weiß, dass rechtliche Hürden überwunden werden müssten, bevor die Hauptstraße umbenannt wird. Denn die Ausführungsvorschriften zum Berliner Straßengesetz sehen vor, dass eine Straße „grundsätzlich erst nach Ablauf von fünf Jahren seit dem Tode der Person benannt werden“ darf. Über Ausnahmen entscheidet der Senat. „Voraussetzung hierfür ist, dass es sich um eine herausragende Persönlichkeit handelt und ein gesamtstädtisches Interesse beziehungsweise Hauptstadtbelange gegeben sind.“ Doch bislang habe der Bezirk Tempelhof-Schöneberg keine Ausnahme beantragt, hieß es am Donnerstag in der Senatsverwaltung.

Astrid Knauer hofft, dass ihre Petition genug Druck aufbaut. Ein „Ruhe sanft“ auf Facebook reiche jedenfalls nicht, um das Gedenken an Bowie wachzuhalten, meint sie. „Wir wollen etwas für die Ewigkeit.“


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