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Pewobe: Wer ist der Heimbetreiber und Baulöwe Helmuth Penz?

Flüchtlingsheim Pewobe

Das Flüchtlingsheim in der Rognitzstr. 8 in Westend wird noch von der Pewobe betrieben.

Foto:

AKUD/Lars Reimann

Berlin -

Helmuth Penz lässt sich gern mit Flüchtlingskindern ablichten. Zu Festen, die der Geschäftsführer der Professionellen Wohn- & Betreuungsgesellschaft (Pewobe) organisiert, kommen auch  Politiker. Etwa die Vizepräsidentin des Bundestages, Petra Pau (Linke), zur Weihnachtsfeier 2014 in der Flüchtlingsunterkunft in der Maxie-Wander-Straße in Hellersdorf. „Ich freue mich, mit Ihnen das Fest der Nächstenliebe feiern zu dürfen“, sagte Penz damals. Und dass für ihn und seine Mitarbeiter der Mensch das ganze Jahr über im Mittelpunkt stehe.

Ob die Politprominenz heute noch käme, darf bezweifelt werden. Nach ungeheuren Vorwürfen über die rechte Gesinnung von Heimmitarbeitern hat Sozialsenator Mario Czaja (CDU) alle Verträge mit der Pewobe fristlos gekündigt.

Überhöhte Kosten, Baumängel

Dabei sind die Vorwürfe nicht neu. Der 70-jährige Unternehmer steht seit Jahren in der Kritik. Im Oktober 2014 berichtete die Berliner Zeitung über die Zustände in der Notunterkunft der Pewobe  an der Haarlemer Straße in Britz. Die Anlage   erwies sich als teure Fehlplanung. Die Pewobe stellte dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) 8,2 Millionen Euro für die Errichtung des Zweckbaus mit 400 Plätzen in Rechnung, obwohl vertraglich nur knapp 5,5 Millionen Euro vereinbart waren.

Helmuth Penz

Helmuth Penz schloss im Jahr 1986 erstmals einen Vertrag mit dem Landesamt für Gesundheit und Soziales zum Betrieb von Heimen. Der Geschäftsmann, der auch als Bauherr tätig ist,   unterhielt Unterkünfte für Spätaussiedler, Obdachlose und Flüchtlinge. Der 70-Jährige ist zudem europaweit in mehreren Branchen tätig. Der Betrieb von Flüchtlingsheimen mache nur zehn Prozent seiner unternehmerischen Aktivitäten aus.

Dabei wies der erst wenige Monate zuvor eröffnete Riegelbau schwere Baumängel wie Schimmelbildung auf. Die Brandschutzanlage war nicht mit der Feuerwehr verbunden.  Auch der Umgang des Personals mit den Flüchtlingen war bedenklich. Ehemalige Mitarbeiter beklagten einen rassistischen Grundton. Bewohner seien als „Brüllaffen“ tituliert worden.

Penz gibt am Montag auf Anfrage an, davon wisse er nichts, gegen solche Bezeichnungen würde er sich verwahren. „Ich bin ein loyaler Demokrat.“  Auch für die erhöhten Baukosten hat er eine Erklärung. Sie seien durch eine Versetzung des Riegels entstanden, die Mängel längst abgestellt.

Aus anderen Unterkünften der Pewobe häuften sich ebenso Berichte über Missstände.  Sozialarbeiterstellen waren nicht besetzt, es gab keine Spielzimmer, Klopapier wurde rationiert, wie aus Protokollen des Lageso hervorgeht. „Alles längst abgestellt“, sagt Penz. Inzwischen werde in seinen Unterkünften mehr Personal beschäftigt als vertraglich vereinbart. „Wir haben noch Forderungen von 300.000 Euro gegen das Lageso.“

Trotz aller Kritik hielt Czaja (CDU) an Penz fest.  Auch dann noch, nachdem im November 2014 Ermittlungen des Staatsanwalts gegen den damaligen Lageso-Chef Franz Allert sowie Penz bekannt wurden. Ermittelt wurde auch gegen den Chef der Gierso Boardinghaus – ein Unternehmen, das Penz bis 2012 gehörte und dessen Chef nun Allerts Patensohn war.  Bei den Vorwürfen ging es um Bevorzugung der Firmen bei der Auftragsvergabe.  Dieser Verdacht ließ sich nicht erhärten.  Dennoch kamen Wirtschaftsprüfer zu dem Schluss, dass im Lageso Aufträge ohne Vertrag vergeben wurden und Abrechnungen überhöht waren. Für Allert galt Penz als „Problemlöser“, weil er binnen kurzer Zeit Unterkünfte zur Verfügung stellen konnte. Auch an  dem Lageso-Chef hielt Czaja lange fest. Allert trat erst auf Druck von Senatschef  Michael Müller (SPD) Ende 2015 zurück.

Bereits vor Jahrzehnten tauchte Penz in der West-Berliner  Baubranche und Sozialindustrie  auf. Er war eng mit dem Unternehmer und Architekten Dietrich Garski verbandelt. Garski war Anfang der 80er-Jahre in einen Bauskandal verwickelt, über den der damalige Senat stürzte.  „Ich hatte vor allem mit seiner Frau zu tun“, sagt Penz heute.

1986 gründete Penz die Sorat GmbH, die Wohnheime für Spätaussiedler, Obdachlose  sowie Flüchtlinge – und in einer weiteren Gesellschaft später auch Mittelklassehotels betrieb.  In den 90er-Jahren schloss Penz mit dem Lageso Verträge für 4000 Schlafplätze ab, die ihm nach eigenen Angaben einen  Jahresumsatz von rund zwölf Millionen Euro einbrachten.

Europaweit im Geschäft

Nach der Wende galt Penz als einer der größten Privatinvestoren in Ostdeutschland. Er wickelte auch etliche Kombinate ab.  Sein Eldorado fand  der Baulöwe vor allem in Frankfurt (Oder).  Er kaufte ein großes Grundstück, um die Lenné Passage  zu bauen. Im Volksmund hieß das Vorzeigeobjekt bald „Penz-Loch“. Später verkaufte er die Baugrube an den Berliner Unternehmer Dietmar Otremba. „Flüchtlingsheime machen nur zehn Prozent meines Geschäfts aus“, sagt Penz. Er sei europaweit in den Bereichen Dienstleistung, technische Gebäudeausrüstung und der Immobilienbranche tätig. Die Kündigung der Verträge will er anfechten. „Das  war falsch“, sagt er.