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Berliner Zeitung | Plänterwald: Biene Maja fliegt auf den Spreepark
18. December 2012
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Plänterwald: Biene Maja fliegt auf den Spreepark

Achterbahnfahren war früher: Seit zehn Jahren liegt das Spreepark-Gelände brach.

Achterbahnfahren war früher: Seit zehn Jahren liegt das Spreepark-Gelände brach.

Foto:

Robert Schmidl

Berlin -

Seit zehn Jahren ist der Spreepark im Plänterwald eine Brache. Der einstige Vergnügungspark am Rand des Treptower Parks, in dem zwar Führungen sowie vereinzelte Theater-Events und Konzerte stattfinden, präsentiert sich hauptsächlich als Schrottplatz mit Grünanteil. Verrottete Karussells und Buden locken vor allem Nostalgiker und Abenteurer. Gut ein Dutzend Versuche, Investoren für das 20 Hektar große Areal zu gewinnen, scheiterten – hauptsächlich an dem riesigen Schuldenberg, den die insolvente Spreepark GmbH als Betreiber hinterlassen hat.

Der Liegenschaftsfonds hält sich noch bedeckt

Jetzt könnte wieder Bewegung in die Sache kommen. Anfang kommenden Jahres soll das Erbbaurecht zwangsversteigert werden. Nach Information der Berliner Zeitung soll der Verkehrswert des Erbbaurechts, das 1996 zwischen dem Land und Spreepark GmbH für 65 Jahre abgeschlossen worden war, zwischen 1,5 und zwei Millionen Euro liegen. Für einen Investor wäre das ein Schnäppchen, er könnte unbelastet von anderen Schulden arbeiten.

Und so verwundert es nicht, dass es einen ernsthaften Interessenten gibt. Beim Liegenschaftsfonds gibt man sich zugeknöpft. Vor zwei Wochen waren Vertreter der belgischen Plopsa-Gruppe im Bauamt von Treptow-Köpenick, das für die Planung auf dem Gelände zuständig ist. Im Februar will man sich erneut treffen. Die Chance auf eine Entwicklung sei so groß wie nie, heißt es.

Die Plopsa-Gruppe ist ein familiengeführtes Unternehmen. In Belgien betreibt es drei Freizeitparks, in den Niederlanden einen weiteren. Ende 2010 übernahm Plopsa den Holiday-Park im pfälzischen Haßloch, aus dem man einen Themenpark für Kinderfiguren wie Biene Maja, Wicki oder Tabaluga entwickeln will. An den Figuren hält die Plopsa-Mutter Studio 100 die Rechte. Plopsa-Chef Steve van den Kerkhof kündigte an, in den nächsten fünf Jahren weitere Parks in Deutschland zu kaufen.

Ob der Spreepark in Berlin darunter sein soll, dazu wollte man sich in Belgien am Dienstag nicht äußern. Noch steht auch kein Termin für die Zwangsversteigerung des Erbbaurechts fest. Und es ist auch nicht absehbar, wer sich noch so alles daran beteiligen wird. Der Baustadtrat von Treptow-Köpenick, Rainer Hölmer (SPD), hält es sogar für möglich, dass das Land mitbieten könnte: „Wenn der erste Termin beim Amtsgericht erfolglos bleibt, kann die Summe beim zweiten Mal bis auf bis zu 50.000 Euro heruntergesetzt werden.

Dann werden alle in Berlin neu nachdenken müssen“, sagt er. Mit der Zwangsversteigerung des Erbbaurechts will das Finanzamt Treptow-Köpenick Grundsteuer-Schulden eintreiben. Wie hoch diese sind, will niemand sagen. Die Summe, die der insolvente Betreiber nicht bezahlt hat, dürfte bei mehreren Hunderttausend Euro liegen. Auch das Land Berlin beklagt Außenstände – mit der Pacht und Aufwendungen für die Sicherheit liegen diese derzeit bei 4,5 Millionen Euro.

Angst vor dem reichen Scheich

Die Krux bei der Zwangsversteigerung des Erbbaurechts ist, dass dabei nur das Finanzamt sein Geld bekommt. Alle anderen Gläubiger, auch das Land Berlin als Grundstückseigentümer sowie die Banken, die allein fast 20 Millionen Euro Schulden beklagen, gehen leer aus. Beantragt worden war die Versteigerung schon vor drei Jahren, doch es gab Streit über den Verkehrswert des Erbbaurechts. Der richtet sich nach bestimmten Parametern: Die Laufzeit des Vertrags, der Zustand der Bauten und die geschätzte Investitions- und Ertragssumme werden gegen die Höhe der Schulden und Altlasten aufgerechnet.

Die Anwohner im Plänterwald treibt die Sorge um, dass ein Investor aus dem Gelände ein Luxus-Wohnquartier machen könnte. „Wenn ein reicher Scheich kommt und viel Geld auf den Tisch legt, was ist dann?“, fragt Klaus Mannewitz von der Bürgerinitiative Plänterwald. Dann, sagt Baustadtrat Hölmer, habe der Scheich eben Pech: Denn die Planung für das Rummelplatzareal im Plänterwald schließt Wohnungsbau aus. Daran wolle man auch nichts ändern.