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Berliner Zeitung | Plan einer Unternehmerfamilie aus Schwaben in Pankow: Eine Sommerrodelbahn auf Berlins höchstem Berg
08. May 2015
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Plan einer Unternehmerfamilie aus Schwaben in Pankow: Eine Sommerrodelbahn auf Berlins höchstem Berg

Weithin sichtbar: Der zweite Schuttberg der Deponie in Arkenberge wird derzeit renaturiert. Zum Jahresende wird dort alles grün bewachsen sein.

Weithin sichtbar: Der zweite Schuttberg der Deponie in Arkenberge wird derzeit renaturiert. Zum Jahresende wird dort alles grün bewachsen sein.

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Berliner Zeitung/Gerd Engelsmann

Berlin -

Berlin bekommt eine Sommerrodelbahn. 700 Meter soll sie lang sein und vom höchsten Berg der Stadt hinabführen. Die Rede ist nicht vom Teufelsberg in Grunewald, dem mit 120,1 Metern (bisher) höchsten Punkt Berlins, sondern von Arkenberge in Pankow.

Dort gibt es gleich zwei Berge, von denen einer seit Kurzem genau 120,7 Meter misst – und somit den Teufelsberg überragt. Besagter Gipfel gehört zu einer ehemaligen Bauschuttdeponie, auf die die Eigentümer aus Ulm ein paar Ladungen Sand gekippt und noch einen großen Findling mit Gravur draufgesetzt haben.

Strandcafé am Kiessee

Und das war erst der Anfang: Das 36 Hektar große Gelände der Deponie an der nördlichen Stadtgrenze soll im nächsten Jahr zu einem Naturerlebnispark umgewandelt werden: Neben der Sommerrodelbahn soll es dort ein Ausflugslokal und ein Strandcafé am nahe gelegenen Kiessee geben. Dort werden zudem Bungalows zum Übernachten errichtet, eine Freilichtbühne und ein Hochseilgarten sind geplant.

„Wir wollen das Gelände langfristig und naturnah entwickeln“, sagt Philipp Heim. Der 40-jährige Bauunternehmer und sein Vater Dieter Heim (68) leiten das Ulmer Familienunternehmen, das unter anderem Baustoffe entsorgt. Im Jahr 2001 haben die Heims die Bauschuttdeponie in Arkenberge übernommen.

Dort wurden seit den 70er-Jahren etliche Tonnen Bauschutt aus Berlin aufgeschüttet, höher und höher wuchsen die beiden Schuttberge. 1998 war Schluss damit, seitdem wird die Deponie begradigt, begrünt und renaturiert. Ein Berg ist bereits so grün, dass er kaum noch als Schuttberg zu erkennen ist. Ende des Jahres soll auch der zweite, höhere Berg komplett begrünt sein.

Die Unternehmerfamilie Heim musste entscheiden, was aus dem großen Grundstück mit den zwei Bergen werden soll. Sie beschloss, mehrere Millionen Euro in einen Naturpark zu investieren und setzt darauf, dass sich die Anlage mit Rodelbahn eines Tages rechnet.

Philipp Heim sagt, die bisherige „unkontrollierte Nutzung“ der Schuttberge müsse beendet werden. Immer wieder würden Anwohner Polizei und Feuerwehr rufen, weil Jugendliche auf dem abgesperrten Gelände zelten, Feuer und Lärm machten. „Am Ende bleiben Dreck und Müll liegen“, sagt Detlef Lindner vom Bürgerverein Französisch Buchholz.

Jetzt plant der Bürgerverein mit den Ulmer Eigentümern und einem beauftragten Landschaftsarchitekturbüro die Zukunft des Geländes. Es gehe nicht darum, in aller Schnelle einen Freizeitpark zu errichten, sagt Heim. Es gehe vielmehr darum, ein „Konzept mit kleinen Schritten“ zu realisieren.

Rolltreppe geplant

Damit auch ältere Besucher und Menschen mit Behinderung auf Berlins höchsten Berg gelangen können, wird über den Bau einer Rolltreppe nachgedacht. Auch ein Kräutergarten und ein Naturlehrpfad sollen errichtet werden. Schafe sollen am Hang grasen, Damwild im Gehege leben, in einem Skulpturenpark können Künstler ausstellen. „Wir müssen diese Chance nutzen, die Müllberge in ein Naherholungsgebiet zu verwandeln“, sagt Lindner vom Bürgerverein. Ende dieses Jahres soll die Renaturierung der Deponie beendet sein. Bis dahin will Philipp Heim seine Pläne für Arkenberge den Zuständigen im Bezirk und im Senat vorstellen. „Der Berg hat Potenzial“, sagt Pankows Stadtrat für Stadtentwicklung, Jens-Holger Kirchner (Grüne). Im Bezirk sei man „sehr aufgeschlossen“ darüber, einen neuen Ausflugspunkt in Pankow zu schaffen, sagt er. „Man kann sich dort viel vorstellen.“