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Berliner Zeitung | 13-Jährige aus Berlin-Mahlsdorf: Gerücht um Vergewaltigung sorgt für Demonstration
19. January 2016
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13-Jährige aus Berlin-Mahlsdorf: Gerücht um Vergewaltigung sorgt für Demonstration

Etwa 250 Menschen wollten am vergangenen Montag in Marzahn wegen einer angeblichen Entführung und Vergewaltigung einer 13-Jährigen. Die Polizei verhinderte die Kundgebung.

Etwa 250 Menschen wollten am vergangenen Montag in Marzahn wegen einer angeblichen Entführung und Vergewaltigung einer 13-Jährigen. Die Polizei verhinderte die Kundgebung.

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Björn Kietzmann

Nach einer angeblichen Entführung und Vergewaltigung eines 13-jährigen Mädchens wollten am Montagabend in Marzahn rund 250 Menschen demonstrieren. Vor allem Deutsch-Russen aber auch Mitglieder der NPD versammelten sich in der Jan-Petersen-Straße.

Sie warfen der Polizei vor, den Fall zu vertuschen. Laut Polizei war die Kundgebung nicht angemeldet. „Es fand sich kein Versammlungsleiter, weshalb die Voraussetzung für eine Kundgebung nicht gegeben war“, so ein Polizeisprecher. Als die Polizei forderte, die Ansammlung aufzulösen, gingen die Demonstranten weg. Die Polizei ermittelt wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz.

Das aus einer deutsch-russischen Familie stammende Mädchen aus Mahlsdorf war am Montag vor einer Woche als vermisst gemeldet worden. Am Dienstag tauchte es wieder auf. Die Familie behauptete in verschiedenen russischen Fernsehsendern, unter anderem Sputnik News, sowie am Wochenende auf einer NPD-Demo, das Kind sei von Arabern in einer Wohnung festgehalten und mehrfach vergewaltigt worden. Diese Version hatte das Kind den Eltern und der Polizei erzählt.

Mutter hetzt gegen Asylbewerber

Die Polizei widerspricht: „Es gab weder eine Entführung noch eine Vergewaltigung.“ Mehr teilt sie mit Verweis auf den Persönlichkeitsschutz des Kindes nicht mit. Dies befeuert vor allem in sozialen Netzwerken die Gerüchte und sorgt für rassistische Kommentare. Auch die Facebook-Seite der Berliner Polizei wird mit entsprechenden Äußerungen überflutet. Die Familie behauptet, die Polizei habe das Kind unter Druck gesetzt, seine Aussage abzuändern.

Ein Blick auf das öffentliche Profil, das die Mutter der 13-Jährigen im russischen sozialen Netzwerk Odnoklassniki unterhält, erklärt möglicherweise, warum die Frau an eine Vergewaltigung ihrer Tochter durch Ausländer glaubt und an der Version festhält: In der Vergangenheit teilte die Mutter viele Suchmeldungen zu verschwundenen Erwachsenen und Kindern. Zudem forderte sie, Asylbewerber abzuschieben. Die Mutter teilte auch einen Aufruf zu einer Pegida-nahen Demo im März in Berlin unter dem Motto „Wir sind das Volk, Merkel muss weg.“

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