blz_logo12,9

Anschlag auf Häuser am Engeldamm: Steinwürfe gegen Polizisten und Zugezogene

Randale in Mitte an der Grenze zu Kreuzberg - Häuser am Engeldamm mit Steinen beworfen.

Randale in Mitte an der Grenze zu Kreuzberg - Häuser am Engeldamm mit Steinen beworfen.

Foto:

ABIX

Berlin -

Seit Wochen terrorisieren Linksextreme einen ganzen Kiez. Jetzt haben Vermummte in Mitte erneut neu gebaute Häuser demoliert: Anwohner riefen am Dienstagabend die Polizei zum Engeldamm/Ecke Michaelkirchplatz. Rund 30 schwarz gekleidete, vermummte Personen hatten Steine und Farbbeutel auf ein Eckhaus geworfen.

An dem Gebäude im Erdgeschoss wurden sämtliche Scheiben durch Stein- und Farbbeutelwürfe beschädigt. Die Randalierer hatten zudem eine Baustellenabsperrung auf die Kreuzung geräumt und in Brand gesetzt. Ein geparkter VW wurde durch das Feuer beschädigt. An einem weiteren Haus am Engeldamm gingen ebenfalls mehrere Scheiben zu Bruch. In dem Eckhaus an der Adalbertstraße befindet sich unter anderem ein Geschäft für Designer-Sofas, das schon zum wiederholten Mal mit Steinen attackiert wurde. Als die Polizei eintraf, waren die Täter bereits in Richtung Kreuzberg geflüchtet.

Bei dem Angriff seien auch Scheiben von Privatwohnungen zu Bruch gegangen, berichteten Anwohner. Die Polizeibeamten fanden an den Tatorten zahlreiche Pflastersteine und stellten diese sicher. Da die Polizei von einem linksextremistischen Hintergrund ausgeht, ermittelt der Staatsschutz des Landeskriminalamtes. Am Mittwoch wurde auf einer linksradikalen Internetseite ein Schreiben veröffentlicht, in dem sich Unbekannte zu den Steinwürfen bekannten. Sie begründeten diese mit der Verdrängung Einkommensschwacher durch Besserverdiener. In ihrem Pamphlet beziehen sich die Autoren auf einen Beitrag der RBB-Fernsehsendung Kontraste mit dem Titel „Terror im Kiez: Linksextreme bedrohen Zugezogene“, der am 18. September ausgestrahlt wurde.

Staatsschutz ermittelt auch zu angezündeten Bussen

Es ist nicht das erste Mal, dass mutmaßlich Linksautonome in dem Gebiet randalierten. So hatten Unbekannte am 19. September zwei Reisebusse angezündet, die vor dem linksautonomen Zentrum „Köpi“ geparkt waren. Die Busse aus Nordrhein-Westfalen und Darmstadt hatten Schulklassen transportiert, die in einem nahegelegenen Hostel übernachteten. Beide Fahrzeuge waren im Bereich des vorderen Einstiegs mit Brandbeschleunigern angezündet worden. „Aufgrund des Angriffsziels und der Begehungsweise ist eine politische Tatmotivation in Betracht zu ziehen“, heißt es in einem internen Vermerk des Landeskriminalamtes. Der Schaden wird auf 250.000 Euro geschätzt.

Auch Polizisten sind in letzter Zeit zu Angriffszielen geworden. So wurde in der Nacht zu Sonnabend am Bethaniendamm, Ecke Adalbertstraße ein Polizeiauto mit Steinen beworfen. Ein Stein durchschlug eine Autoscheibe. Am 4. September bewarfen Unbekannte in der Nähe des Görlitzer Parks in Kreuzberg ein Polizeiauto mit Pflastersteinen. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) fordert jetzt die flächendeckende Einführung von Splitterschutzfolien für Dienstfahrzeuge. „Nach wie vor haben wir das Glück, dass weder von den Steinen noch von den Glassplittern in der Vergangenheit Kollegen schwer verletzt wurden. Dieses Glück sollten wir nicht überstrapazieren", erklärte GdP-Landeschefin Kerstin Philipp.

Nach den jüngsten Attacken forderte SPD-Innenpolitiker Tom Schreiber am Mittwoch ein härteres Vorgehen der Polizei. „Jetzt muss man einen Gang höher schalten und deutlich machen: Der Rechtsstaat duldet das nicht.“ Nötig seien etwa mehr Polizeipräsenz und Durchsuchungen besetzter Häuser, die von Verdächtigen bewohnt würden.